Prickelnde Ideen bei dieser Hitze: Wasserspender und Auffüllstation

Für eine Erfrischung unterwegs gibt es mittel- und kurzfristige Lösungen. Doch braucht es Menschen, die dafür ihre Türen öffnen und zur "Wasserschenke" werden.

An der Hohndorfer Grundschule haben Kinder - im Foto sind es Marvin und Colwyn - schon seit 2009 die Möglichkeit, aus einem auf dem Schulflur installierten Wasserspender zu trinken oder ihre Flaschen zu füllen.
Enzo, Tamina, Enno, Torben und Svea-Marie, Hortkinder der Gruppe "Räuberbande" aus Bockau, trinken gern Wasser.

Für Sie berichtet: Beate Kindt-Matuschek

"Wasser für alle" - mit dieser Forderung ist Ulrike Kahl, Vorsitzende des Kreisverbandes der Grünen im Erzgebirge, vor wenigen Wochen in die Offensive gegangen. Sie wünscht sich öffentliche Trinkwasserstellen, wie es sie in den Niederlanden, der Schweiz oder in Italien gibt. "Das find' ich gut. Darüber haben wir auch schon nachgedacht", sagt jetzt Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW). Das sei bereits vor gut einem Jahr Thema im Vorstand gewesen, sagt er. Und der ZWW habe sogar eine Lösung in petto: Wasserspender.

"Einen solchen haben wir 2012 im Kinderhaus in Bockau installiert, weil die Kinder wirklich sehr interessiert waren, was das Thema Wasser angeht. Die sind damals bei eisiger Kälte zum Hochbehälter gestapft", erinnert sich Kippig. Den Wasserspender hat ihnen der ZWW spendiert. Für die Wartung allerdings muss die Einrichtung sorgen. "Das ist kein Problem", sagt Astrid Keil, die Leiterin der Johanniter-Kindereinrichtung "Zwergenhaus" in Bockau. Sie möchte den Wasserspender nicht mehr missen. "Unsere Kinder trinken seither mit Vorliebe Wasser", betont sie. Aber auch die Eltern und Großeltern der 150 Kinder nutzen das Angebot gern. Es sei sauber, gut gekühlt und jeder könne selbst bestimmen, ob und wie viel Sprudel reinkommt. "Die Kinder bevorzugen stilles Wasser", weiß Astrid Keil. Der Vorteil: Die CO2-Flasche hält sehr lange. Diese zu wechseln und die jährliche Wartung, seien die Kosten, die die Einrichtung trägt. "Gewartet wird der Automat zweimal im Jahr für je 400 Euro. Eine Gasflasche kostet 33 Euro plus Pfand", so Keil. Eine Investition, die sie aber für absolut wichtig hält. "Unsere Kinder sind mittlerweile begeisterte Wassertrinker und weg von den ganz süßen Säften. Genutzt wird der Automat super, super gut", sagt die Kita-Chefin.

Auch in Hohndorf können die Kinder einen Trinkbrunnen nutzen und tun das gern, sagt Schulleiterin Anka Hausmann. Eingeweiht wurde der Wasserspender 2009, auf eine Initiative des Lehrerkollegiums hin hatte der Förderverein der Grundschule ihn realisiert. Die Gesamtkosten des Trinkbrunnens von etwa 2000 Euro wurden sowohl aus Spenden- und Sponsorengeldern als auch aus den Aktivitäten des Vereines finanziert. Der Trinkbrunnen aus Edelstahl ist in einer Ecke des Obergeschosses der Grundschule installiert. Einer der beiden Wasserhähne kann zum Füllen von Flaschen oder Bechern benutzt werden, der andere ist zum direkten Trinken geeignet.

"Angeschlossen wird so ein Wasserspender ans normale Trinkwassernetz. Deshalb bieten wir gern an, in öffentlichen und gut frequentierten Einrichtungen, wie Bürgerbüros, Schulen, Rathäusern oder Tourist-Infos einen solchen Wasserspender zu installieren. Würden gut 20 bis 30 Einrichtungen aus unserem Verbandsgebiet Interesse bekunden, dann könnten wir gern einen Großauftrag starten. Ein Automat kostet so zwischen 3000 und 4000 Euro", sagt Frank Kippig zu "seinen" Wasserspendern. Zudem habe er sich auch schlau gemacht, dass dies sogar über das Leader-Programm im ländlichen Raum förderfähig wäre. Die Kosten für die Spender und die fachgerechte Installation würde der ZWW übernehmen. Wer einen aufstellen möchte, sollte sich melden, müsse aber dafür sorgen, dass das Geräte entsprechend gewartet wird. Das wäre die mittelfristige Lösung - denn aufgrund des Klimawandels wird es künftig viele heiße Sommer geben.

Die Sofortlösung heißt: "Refill" (zu deutsch: Nachfüllung). Dahinter verbirgt sich eine bundesweite Aktion, die von Stephanie Wiermann 2017 nach Deutschland geholt wurde. Sie hat es in der englischen Stadt Bristol entdeckt. Eigentlich ging es der Hamburgerin darum, den Verkauf von Plastikflaschen zu minimieren. "Nehmt eure Trinkflasche mit, wenn ihr unterwegs seid, und lasst euch diese mit Wasser auffüllen", so der Grundgedanke der Aktion. Überall, wo jemand bereit ist - egal ob Geschäftsmann oder Behörde, Eiscafé oder Arztpraxis - eine Trinkflasche unentgeltlich mit Wasser aufzufüllen, entsteht eine Refill-Station. Gekennzeichnet wird diese durch einen blauen Aufkleber an der Tür oder Schaufensterscheibe.

Bislang ist diese Welle nur bis Chemnitz geschwappt. Seit gestern jedoch gibt es die erste Refill-Station auch im Erzgebirge - und zwar im Grünen-Bürgerbüro von Ulrike Kahl am Markt 14 in Schwarzenberg. Damit geht sie den schnellen Schritt zu "Wasser für alle" gleich selbst. (mit vh)

www.refill-deutschland.de

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