Prinzessin steht wegen Blitzerfotos vor Gericht

Mit 96 Stundenkilometern soll eine Adlige in ihrem Auto in Zwönitz unterwegs gewesen sein. Kann nicht sein, sagt die Betroffene.

Aue/Zwönitz.

Hohen Besuch erhielt das Amtsgericht in Aue. Eine waschechte Prinzessin aus Deutschland - dunkler Blazer, roter Schal, aber ohne Diadem - war ins Erzgebirge gereist. Doch sie kam nicht als Stargast eines Empfangs, sondern musste als Betroffene eines Bußgeldverfahrens im Sitzungssaal 204 Platz nehmen. Der Vorwurf: Sie ist mit ihrem Auto zu schnell unterwegs gewesen.

Ein Blitzer in Zwönitz hatte das Auto der Prinzessin am Morgen des 11. Mai 2017 erfasst. Statt des erlaubten Tempos 70 war dieses mit 96 Stundenkilometern auf Höhe des Waldschlößchens über den Autobahnzubringer (Staatsstraße 258) gefahren. Für die Adlige hieß das einen Punkt in Flensburg und 90Euro Bußgeld. Doch dagegen wehrte sich die Frau, denn an eine Fahrt durchs Erzgebirge an jenem Tag kann sie sich nach eigenen Angaben nicht erinnern. So kam es zum Prozess.

Seine Mandantin könne er auf dem Blitzerfoto nicht erkennen, sagte der Verteidiger der Frau zu Beginn der Verhandlung. "Es sieht ganz anders aus." Die Fahrerin sei deutlich jünger als die Prinzessin. Richter Detlef Kramer erwiderte: "Ich habe keine Zweifel, dass sie es ist." Darauf der Anwalt: "Sie schmeicheln meiner Mandantin."

Sowohl die Form des Haares als auch der Nase seien sich ähnlich, erklärte der Richter. "Aber mir ist es egal. Dann ordne ich eben ein Gutachten an." Eine vom Anwalt angeregte Einstellung des Verfahrens komme jedenfalls nicht in Frage. "Bei drei, vier Stundenkilometern würde ich sagen, okay." Bei 29Kilometern pro Stunde sehe er dafür keinen Spielraum. "Gleiches Recht für alle. Jeder wird begutachtet."

Die Prinzessin selbst äußerte sich zurückhaltend: Sie sei nur "so störrisch", erklärte sie, weil am 11. Mai eigentlich immer ein Familientreffen anstehe - und das finde nicht im Erzgebirge statt. "Da bin ich stutzig geworden." Auf ihr Auto hätte auch ein kleiner Kreis an Bediensteten Zugriff. "Es fährt auch mal jemand anders damit", sagte sie.

Richter Detlef Kramer ließ diese Erklärung allerdings nicht gelten. "Wer soll dann gefahren sein?", fragte er. Dazu die Prinzessin: "Ich weiß es nicht." Darauf der Richter: "Wenn ich mein Auto abgebe, weiß ich doch, wer es hat."

Auch eine Mitarbeiterin der Bußgeldstelle aus dem Landratsamt, die an der Verhandlung teilnahm, äußerte sich skeptisch. Zum Blitzerfoto sagte sie: "Ich würde Sie erkennen. Es ist jedenfalls kein Mann."

Nach einem kurzen Vieraugengespräch mit ihrem Anwalt beharrte die Prinzessin aber auf ihrer Version der Ereignisse. Der Richter ordnete deshalb an, in den nächsten Wochen ein sogenanntes anthropologisches Gutachten zu erstellen, bei dem ein Experte das Blitzerfoto mit Fotos von der Prinzessin vergleicht. Zudem soll ein Gutachten zur Verwertbarkeit der Geschwindigkeitsmessung erstellt werden, kündigte der Richter an. "Schauen wir mal, was rauskommt." Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, ist offen.

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