Radkappen-Händler aus Lugau hat sogar einem japanischen Fiat-Panda-Fahrer helfen können

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Berufsmillionäre: Marko Reich hat vieles aufgehoben, was andere weggeworfen haben - heute sein Glück

Lugau.

Zahlen bestimmen den Alltag. Und so kennen Gewerke und Branchen Kilogramm, Liter oder Stück. Einige Berufsvertreter haben für die "Freie Presse" einmal die Statistik bemüht. Und da wird mancher auf dem Papier sogar zum Berufsmillionär. Christof Heyden hat unter anderem mit Marko Reich, dem 43-jährigen Inhaber von Reichi's Radkappenwelt in Lugau gefachsimpelt.

Freie Presse: Seit wann dreht sich denn Ihr Geschäftsfeld um diese runden Teile und wie haben Sie Radkappen fürs Berufsleben entdeckt?

Marko Reich: Los ging es mit einem Fund einer Radkappe eines Westwagens als 13-Jähriger. Per Zufall fand ich später sogar den Fahrer wieder, dem dieses Teil gehörte. Damit gewann dieses Thema zumindest mein Interesse. Mit der Wende beschäftigte ich mich intensiver mit den Radkappen, wurde zunächst die Sammelleidenschaft geweckt. Und die nahm schnell erfolgreich Fahrt auf. Mit meiner ehrgeizigen Suche legte ich die Basis für ein weitverzweigtes Netzwerk in Sachen Radkappen. 2004 schließlich war eine Dimension an Fachwissen zu dem Thema und ein Bestand an Artikeln erreicht, die mich den Entschluss fassen ließen, ein Geschäft dafür zu eröffnen und die Wünsche der Kunden nach individuellen Radkappen zu erfüllen. Aus dem Hobby wurde also der Beruf.

Mit der Sammelleidenschaft sorgten Sie für Schlagzeilen. Reichi's Radkappenwelt fand sogar Aufnahme in das internationale Guinness-Buch der Rekorde?

Ja, 1998 war ich erstmals darin verzeichnet. Auch 1999 und 2001 war ich der Rekordhalter an gesammelten Radkappen. 3785 verschiedene Exemplare wurden damals anerkannt. Ein originelles Hobby, welches wiederholt Medienvertreter anlockte, auch das Außeneiter-Spitzenreiter-Team vom MDR war bei mir zu Gast wie andere Zeitungen und Fernsehsender.

So facettenreich die Zusatzausstattung von Autos, hinsichtlich der Radkappen herrscht eine gewisse Eintönigkeit. Darauf setzt Ihr Geschäftszweck?

Genau, die Leute wollen etwas, was auch schön auf den Rädern ihrer schmucken Karossen aussieht. Ich habe immer wieder Kunden, die soeben ihr neues Auto gekauft haben und die ersten Kilometer nutzten, um bei mir vorzufahren und sich individuelle Radkappen fertigen zu lassen. Standard-Silber ist die Allerweltfarbe. Ich biete eine designerische Farbenvielfalt und keine Stangenware für Exemplare aller Art von 12 bis 17 Zoll. Ob einzeln oder als ganzen Satz. Auch Nabenabdeckungen zählen dazu. Ebenso werden Besitzer von Wohnmobilen bei mir fündig, wie auch Brummi-Fahrer.

Ihren farblichen Geschmack haben Sie sich sogar patentieren lassen?

Meine farbigen Radkappen sind beim Deutschen Patent- und Markenamt geschützt und weisen eine Geschmacksmusternummer auf. Daher sind meine Artikel als echte und originale Radkappensammler-Teile zu erkennen. Grundlage sind die originalen Herstellerexemplare, die ich aufwerte.

Wie so oft begann auch bei Ihnen eine frühe Idee in einer kleinen Werkstatt?

Als Hobby betrieben, reichte der heimische Schuppen, unterdessen sind drei Lagerhallen mit den Teilen gefüllt. Der aktuelle Bestand beläuft sich auf etwa 300.000 Radkappen. Würde man alle aneinanderlegen und den Durchschnittsdurchmesser annehmen, käme man auf eine Distanz von 126 Kilometern oder eine Fläche von 66.000 Quadratmetern. Wöchentlich gehen etwa 800 Exemplare über den Ladentisch zu Kunden. Und so viele beziehe ich auch wieder von Großhändlern. Derzeit wickele ich meinen Versand coronabedingt allerdings nur online ab. Den Laden muss ich geschlossen halten, was mich sehr ärgert. Schon die erste Welle hat uns ja zu schaffen gemacht.

Der Versandhandel ist aber ein wichtiges Standbein?

Ja, die Ware geht weltweit auf Reisen. Bis zu 5000 Pakete verschicke ich pro Jahr. Kunden werden über meine Webpräsenz auf mich aufmerksam. Ausschlaggebend ist, dass ich eben nicht nur über die Radkappen aktueller Modellserien verfüge. So manch exotisches Teil zählt dazu. Da gingen Radkappen für einen Fiat-Panda nach Japan oder die für einen Opel Astra nach Brasilien. Oldtimerfreunde klopfen an, weil sie wissen, dass ich ebenso Exemplare aus den 1930er- und 1940er-Jahren besitze. Permanent durchforste ich Auktionsbörsen, bin, sofern möglich, auf Schrottplätzen und bei Autoverwerten unterwegs. Dabei profitiere ich von der zurückliegenden Abwrackprämie in Deutschland für Altautos. Meine Stärke ist, vieles aufgehoben zu haben, während andere alles weggeworfen haben. Drei Kilogramm schwere Radkappen für betagte Rolls Royce zählen zu meinen Schätzen, wie jene von Modellen, die nie als Serie auf die Straße gekommen sind. Das verblüffte sogar schon die Konstrukteure der Herstellerfirmen, wie ich an diese gekommen bin.

Angenommen, Sie dürften tatsächlich über einen Millionenbetrag verfügen, was würden Sie damit anstellen?

In das Geschäft investieren und vor allem eine Räumlichkeit erwerben, um meine Sammlung einmal so aufzubereiten, dass ich sie einem Publikum zur Schau stellen könnte. hy

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