Räte verzichten auf Geld - Feuerwehr könnte profitieren

Die Neukirchener Volksvertreter haben eine Erhöhung ihrer Aufwandsentschädigungen abgelehnt. Ein anderer Ehrenamtler erhält künftig sogar weniger Geld.

Neukirchen.

Wenn Bundes- und Landespolitiker in den vergangenen Jahren darüber abstimmten, wie viel Geld sie künftig erhalten, gab es stets nur eine Richtung: Die Diäten stiegen an. Eine ähnliche Entscheidung war auch während der jüngsten Sitzung des Neukirchener Gemeinderats vorgesehen - natürlich in einem wesentlich geringeren Umfang. Die Verwaltung hatte die Satzung für die Entschädigung von Ehrenamtlichen erstmals seit 2001 überarbeitet und vorgeschlagen, die Zahlung pro Ratsmitglied und Sitzung von 26 auf 30 Euro zu erhöhen. Doch dies lehnten die Volksvertreter ab. Nach einer langen Debatte folgte ein einstimmiger Beschluss: Das Sitzungsgeld bleibt konstant.

Dass die Erhöhung verhältnismäßig gewesen wäre, zeigt ein Vergleich mit umliegenden Gemeinden: In Amtsberg erhalten die Räte neben einem monatlichen Grundbetrag von 5 Euro pro Sitzung 25 Euro, in Jahnsdorf 15 Euro im Monat plus 20 Euro pro Sitzung. Da in der Regel eine Sitzung pro Monat ansteht, bekommen die dortigen Räte also ein wenig mehr als ihre Kollegen in Neukirchen, wo kein Grundbetrag vorgesehen ist. So hält es auch Burkhardtsdorf. Die Gemeinde zahlt ihren Ratsleuten und Ortschaftsräten 15,50 Euro, jedoch keine Pauschale. Die Stadt Lugau wiederum zahlt Stadt- und Ortschaftsräten eine monatliche Aufwandsentschädigung von 15 Euro, darüber hinaus gibt es ein Sitzungsgeld in Höhe von 25 Euro pro Sitzung.

Für ihre Bescheidenheit führten die Gemeinderäte in Neukirchen mehrere Gründe an. Michael Nowack (CDU), Jürgen Beyer (Freie Wähler) und Jens Heino Beckert (parteilos) betonten übereinstimmend, dass sie durch eine Erhöhung um vier Euro nicht reicher würden und diese daher ebenso gut wegfallen könne. Ein wichtiger Faktor war für das Gremium zudem ein Vergleich mit anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Wie Bürgermeister Sascha Thamm (Freie Wähler) erklärte, erhalten die Leiter der Feuerwehren in Neukirchen und Adorf jeweils 95 Euro pro Monat - "obwohl sie oft bis abends um zehn im Gerätehaus sitzen". Für ihre Stellvertreter ist jeweils die Hälfte vorgesehen. Dies überraschte und empörte mehrere Gemeinderäte gleichermaßen. "Das ist erschreckend wenig", stellte Beckert fest. Die Räte waren sich einig, dass die Feuerwehrleute eine Erhöhung der Zahlungen mehr verdient hätten als sie selbst. Sie forderten die Verwaltung auf, einen solchen Schritt zu prüfen. Folgerichtig lehnten die Gemeinderäte auch ab, dass die Adorfer Ortschaftsräte künftig mehr Geld erhalten. So bleibt es bei 15 Euro pro Sitzung statt der von der Verwaltung vorgeschlagenen 17Euro. Die Entschädigungszahlungen für den Adorfer Ortsvorsteher sinken künftig sogar. Bisher erhielt er pro Monat etwa 420 Euro, künftig sind es nur noch etwa 350 Euro. Wolfgang Nowack (CDU), der den Posten innehat, sprach sich selbst für die Reduzierung aus: "Mein Aufwand ist in den vergangenen Jahren geringer geworden." Nowack bereitet unter anderem die Sitzungen des Ortschaftsrats vor und kümmert sich um Bürgeranliegen. Das Schlusswort zur Diskussion sprach Bürgermeister Thamm: "Vielen Dank fürs Verzichten." (mit bjost)


Kommentar: Vorbildlich

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland seit 2001, als die Sitzungsgelder für die Neukirchener Gemeinderäte zum letzten Mal auf der Tagesordnung standen, um etwa 20 Prozent gestiegen. Es wäre also nur verständlich gewesen, wenn die Räte der durch die Verwaltung vorgeschlagenen Erhöhung, die etwa 15 Prozent entspricht, zugestimmt hätten. Dass die Kommunalpolitiker es nicht getan haben, verdeutlicht, dass sie ihre Tätigkeit als ehrenamtliches Engagement im besten Sinne verstehen: der Sache und nicht des Geldes wegen.

Man wünschte sich, auch Berufspolitiker legten eine solche Bescheidenheit an den Tag. Die Diäten der Bundestagsabgeordneten sind seit 2001 um 38 Prozent gestiegen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...