Rätsel um Trompeter der 60er ungelöst

Das Trompetenspiel eines 13-Jährigen hoch oben von der Drehleiter der Feuerwehr weckte bei einer 85-jährigen Gersdorferin Erinnerungen. Bis heute weiß sie nicht, wer jener Trompeter war, dem sie in den 1960er-Jahren jeden Sonntag lauschte.

Gersdorf/Lugau.

Es sollte einfach ein positives Signal in Corona-Zeiten sein. Als der 13-jährige Moritz Böhme am Ostersonntag in Bergmannsuniform aus 30 Metern Höhe auf der Drehleiter der Lugauer Feuerwehr das Steigerlied spielte, war das weithin zu hören.

Auch Renate Unger aus Gersdorf las den Bericht davon in der "Freien Presse". Das weckte bei der 85-Jährigen Erinnerungen. Anfang der 60er- Jahre hatte sie regelmäßig Trompetenklängen gelauscht, die meist am Sonntagvormittag aus Richtung Hohenstein-Ernstthal kamen. "Es war für mich der Höhepunkt der Woche. Ich habe leider nie erfahren, wer da gespielt hat", bedauert sie.

Reinhard Völkel aus St. Egidien glaubt zu wissen, wer der geheimnisvolle Trompeter gewesen ist. "Es war der alte Wirt vom Berggasthaus auf dem Pfaffenberg", erinnert sich der 69-Jährige. Er weiß noch ganz genau, dass sein Vater immer am Heiligabend gegen null Uhr ihn und seine Schwester ans offene Fenster geholt hat und dann sagte: "So nun könnt ihr den Robert wieder Trompete spielen hören." Er wohnte damals noch in der Turnerstraße, nahe dem Gasthaus "Zur Zeche".

Hohenstein-Ernstthals Stadtchronist Wolfgang Hallmann kann das bestätigen. Das Berggasthaus, dessen Bau der Erzgebirgsverein in Auftrag gegeben hat, wurde am 3. Oktober 1911 eröffnet. Im Jahr 1929 pachtete Robert Wunderlich das Berggasthaus, war viele Jahre dessen Betreiber. Der musikalische Gastwirt galt als Original. "Er unterhielt seine Gäste gern mit Gitarrenspiel und Liedern von Anton Günther und erfreute sie auch mit seinem Humor und Wortwitz", weiß Bernd Bammler vom Geschichtsverein Hohenstein-Ernstthal. Wunderlich beherrschte mehrere Instrumente, so auch Geige, Akkordeon und Trompete. Letztere packte er oft aus, um entweder von Balkon der Christophorikirche oder vom Turm des Berggasthauses ein Trompetensolo zu geben. Wunderlich war selbst Mitglied im Erzgebirgsverein und mühte sich sehr um die Traditionspflege. Das war der Einrichtung des Gasthauses und der typischen Dekoration anzusehen. Seine Trompetensoli aber waren damals nahezu legendär.

Doch irgendetwas stimmt an der Geschichte nicht. Die heute 85-jährige Renate Unger ist in Chemnitz-Reichenbrand aufgewachsen und erst 1963 nach ihrer Hochzeit nach Gersdorf in die Bendixstraße gezogen. Robert Wunderlich wurde am 23. Dezember 1880 geboren und verstarb am 28. Oktober 1960, also drei Jahre bevor Renate Unger ihren Wohnsitz wechselte. Bleibt die entscheidende Frage: Wen hat sie damals also spielen hören? Hat jemand Robert Wunderlichs Tradition fortgeführt?

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