Reise in die Eisenbahnvergangenheit

Zum Tag des offenen Denkmals besichtigten Besucher die Haltestelle Ursprung. Die mühsam zusammengesammelten Eisenbahnreliquien begeistern nicht nur Fans.

Ursprung.

Den typischen Bahnhofsgeruch verströmt die Haltestelle Ursprung längst nicht mehr. "Hier riecht es eher nach altem Gebäude", meint Andreas Güldner. Der 41-jährige Zwönitzer hat ein Faible für Eisenbahnhistorie und zu Hause eine kleine Sammlung alter Utensilien von Schienenresten bis zu Fahrkarten. Sogar den typischen Geruch hat er sich daheim in den Garten geholt: "Ich habe alte Schwellen, die riechen immer noch etwas nach Bahnhof."

Die Haltestelle in Ursprung kannte er bisher nur von außen. Von der Innenausstattung war er nun begeistert: "Am Inventar fasziniert mich vor allem der Fahrkartenschrank, aber auch das ganze Drumherum wirkt sehr authentisch. Hier hätte ich gern arbeiten wollen. Ich stelle mir das gemütlich vor." Gemeinsam mit seinem 14-jährigen Sohn Lucas inspiziert er die vielen schönen Details. Henry Hunger, der Vorsitzende des Vereins "Haltestelle Ursprung" erklärt unterdessen, dass die Authentizität erst mühsam wiederhergestellt wurde, denn bei der Übernahme des Gebäudes war keinerlei Interieur mehr vorhanden.

Andreas Güldner begeistert sich für die Originalität, die auch beim äußeren Erscheinungsbild nichts zu wünschen übrig lässt: "So ein Freiabtritt zum Beispiel stand früher wirklich auf jedem Bahnhof. So etwas würde ich mir auch in den Garten stellen." Doch selbst die historische Toilette musste der Verein erst wiederbeschaffen. Wie all die anderen Gegenstände auch. Das Wissen darüber stammt von Fotos oder aus Überlieferungen.

Dabei begeistert nicht nur das große Zubehör, sondern auch die vielen scheinbar zufällig im Raum stehenden Kleinigkeiten: Die originale Saftflasche, Eisenbahneruniformen, ein Messemännchen, ein altes Stempelrondell. Etliche Besucher wollen sich auf der alten Personenwaage mit Kartenausgabe wiegen, die neunjährige Keira Bernhardt setzt sich keck eine Eisenbahnermütze auf. "Ich mag Züge", so das Mädchen, das mit Opa Dietmar Wendler aus Erlbach zur Haltestelle gekommen ist. "Wir wollen noch weiter zum Niederlugauer Glockenturm fahren", verrät Wendler.

Andreas Güldner hingegen reicht ein Denkmal, welches er umso intensiver beschnuppert. Er verrät, wo sein Interesse herrührt: "Während meiner Lehre in der Papierfabrik musste ich immer von Zwönitz nach Schlema fahren. Beim Umsteigen in Aue habe ich da viel Zeit im Bahnhof verbracht."

Die Vereinsmitglieder freuen sich unterdessen über das zunehmende Interesse am Haltepunkt. Frank Schönfelder: "Seit der Radweg eröffnet wurde, haben wir an unseren offenen Tagen deutlich mehr Laufkundschaft. Der Verlauf direkt auf der alten Strecke ist natürlich ein Kompromiss. Der Bahnhofsplatz ist dadurch nicht mehr original erhalten." Doch nun kommen viele zufällig vorbei, andere suchen bewusst die Haltestelle als Ziel. So wie Daniel Braune, der aus Neuoelsnitz zur Haltestelle geradelt ist. Der 38-Jährige lässt sich von den Eindrücken in die Vergangenheit entführen: "Man vergisst sehr vieles, aber wenn man es hier wiedersieht, kommt auch die Erinnerung wieder hoch."

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