Riether beklagt unheilvolle Allianz

Landwirtschaftsinterview ruft Naturschützer auf den Plan

Stollberg/Annaberg.

Das am 30. Juli erschienene Interview unter dem Titel "Ohne Glyphosat entsteht für uns ein Riesenproblem" mit Werner Bergelt, Geschäftsführer der hiesigen Regionalbauernverbände, hat Wolfgang Riether auf den Plan gerufen. Der Landesgeschäftsführer des Vereins Pro Naturschutz Sachsen stellt in einer Stellungnahme unter anderem fest: "Die Riesenprobleme sind bereits da: Es sind Agrar-Funktionäre wie Herr Bergelt, die sich im Namen der Landwirte zu Lobbyisten und Sprachrohr der chemischen Agrarindustrie machen. Eine unheilvolle Allianz aus Agrar-Funktionären, Finanzhaien, Chemie- und Agrartechnik-Giganten sorgt schon seit Jahren für die Zerstörung der landwirtschaftlich genutzten Böden, die Erzeugung ungesunder Lebensmittel, Tierquälerei und rasantes Artensterben."

Der in der Welt herrschende Hunger sei nicht der unzureichenden Produktion von Nahrungsmitteln geschuldet. Die wahre Ursache sei die ungerechte Verteilung von Land und den darauf produzierten Erzeugnissen. Weder Glyphosat noch Gentechnik würden dieses Übel beseitigen helfen. Heute vernichten auch deutsche Landwirte dank EU-Subventionen etwa die regionalen Agrarstrukturen in Afrika, so Riether. Subventionierte Milchpulverexporte überschwemmten den dortigen Markt, Kleinbauern könnten diesem Preisdruck nicht standhalten. Fangflotten aus der ganzen Welt fischten vor West-Afrika die Fischgründe leer. Obendrein werde etwa die Hälfte der industriell-landwirtschaftlich produzierten Güter weggeworfen oder wegen weltweiter Finanzspekulationen und verfehlter EU-Subventionspolitik gezielt vernichtet.


Das gegenwärtige industrielle Agrarwirtschaftssystem stehe kurz davor, mit Technik und Chemie nicht nur sich selbst, sondern die Böden, die Tiere und Pflanzen gleich mit zu Tode zu optimieren. Jahrhunderte lang seien Böden von Bauern in natürlichen und regional-angepassten Kreisläufen bewirtschaftet worden. "Es ist allen bekannt: Die natürliche Bodenfruchtbarkeit nimmt auf den agrarindustriell genutzten Flächen seit Jahrzehnten stetig ab, die natürliche Resistenz von Pflanzen gegenüber Krankheitserregern ebenso", so Riether.

Gegen alle mahnenden Stimmen vollziehe sich ein rasanter Arten- und Lebensraumschwund. Verursacher sei eindeutig die industrialisierte Landwirtschaft. Die daraus erwachsenden Folgen seien nicht abschätzbar, würden die Lebensqualität für die Menschen aber sehr nachhaltig beeinträchtigen. (fp)

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