Sägemühle fordert Bauherren heraus

Wer in ein altes Bauwerk eingreift, den erwarten zumeist Überraschungen. Das ist auch Familie Mothes so ergangen, die in einem historischen Gebäude an ihrem Wohnhaus eine Ferienwohnung einrichtet. Dass diese nun sogar über eine Terrasse verfügen wird, hat allerdings ganz andere Gründe.

Neuwürschnitz.

Schon jetzt ist absehbar, dass die künftige Ferienwohnung toll wird. Das findet auch Rebekka Mothes. "Eigentlich müsste man da selbst einziehen", sagt sie beim Rundgang auf der Baustelle. Aber das verhindern nicht nur die Fördermittel über das Dorfentwicklungsprogramm Leader, die explizit für eine Umnutzung in eine Ferienwohnung bewilligt sind, sondern auch der jüngste Familienzuwachs. "Die Wohnung wäre für uns zu klein", sagt die 29-Jährige. Denn mit dem vier Monate alten Simeon sind Mothes' nun zu fünft. Aber bei Feriengästen sollte die Unterkunft mit zwei Schlafzimmern, Bad und Wohnküche gut ankommen. Entgegen der Planung wird es nun sogar eine Terrasse geben. Die ist dem Zimmermann zu verdanken, erklärt Christian Mothes. Der habe es schade gefunden, noch mehr Holz rauszunehmen - und so werden künftige Feriengäste die Wohnung nicht über eine Treppe und ein kleines Podest erreichen, sondern über einen großzügigen Außensitz.

Knapp 200.000 Euro sind für das Projekt der jungen Neuwürschnitzer Familie veranschlagt, 50 Prozent davon werden über Leader gefördert. Kein Cent mehr - und das ist bei einem so alten Bauwerk - die erste Erwähnung datiert aus dem Jahr 1625 - schon eine Herausforderung. Zwar hätten sie die aktuell gestiegenen Baupreis bisher verschont, aber durch die alte Bausubstanz habe es durchaus einige Überraschungen gegeben, sagt der 29-Jährige. So stellte sich heraus, dass das Fachwerk des Wohnhauses in dem Bereich, wo die alte Sägemühle angrenzt, kaputt war. Ein Balken sei regelrecht zerbröselt, ein andere nicht viel besser gewesen. Die Auswechslung müssen Mothes' komplett aus eigener Tasche zahlen, weil die Förderung nur die Mühle betrifft. Dort, wo man auch später noch herankommt, habe man deshalb erstmal nur notdürftig repariert, erklärt er. Auch die Aussteifung der Wände war aufwendiger als geplant und im vorderen Bereich haben Wurm und Fäulnis das Ihrige getan.

Noch ist viel zu tun, zumal der Innenausbau komplett in Eigenleistung geplant ist. Auch da hat Christian Mothes dazugelernt und gibt eine Erkenntnis an andere Bauherren weiter: Man sollte sich nicht überschätzen und zu knapp planen, wenn man selbst Hand anlegt. Diese Erfahrung hat er beim Schornsteinbau machen müssen. Der habe ihn viel Mühe und Zeit gekostet und es "sind aus Tagen Wochen geworden".

Bis März 2019 müssen alle Gewerke durch sein, weil die Abrechnung für die Fördermittel ansteht. Und bis Ende des Spätsommers soll der Innenausbau abgeschlossen sein. Denn: In der Adventszeit wollen Rebekka und Christian Mothes die ersten Feriengäste empfangen. "Die Weihnachtszeit ist hier in der Region bestimmt ein guter Startzeitpunkt", glaubt Rebekka Mothes. Später möchte die Sozialarbeiterin dann Schritt für Schritt ihren Plan umsetzen, den Gästen pädagogische "Ferien-auf-dem-Bauernhof"-Angebote zu machen.


Mit Leader-Programm wird dörfliches Leben gefördert

Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden in der Leader-Region "Tor zum Erzgebirge - Vision 2020" 63 investive Projekte mit einem vom Landratsamt bewilligten Fördervolumen von knapp fünf Millionen Euro eingereicht. Damit werden laut Andreas Worbs vom Regionalmanagement Investitionen von insgesamt mehr als acht Millionen Euro in die Region unterstützt. Zur Leader-Region gehören die ländlichen Gebiete von Lugau, Oelsnitz und Stollberg sowie die Dörfer Hohndorf, Niederwürschnitz, Jahnsdorf, Niederdorf und Neukirchen.

Zwölf der Projekte beinhalten wie im Fall der Neuwürschnitzer Familie Mothes die Um- und Wiedernutzung alter Bausubstanz zum Hauptwohnsitz beziehungsweise für Gewerbe. Die beantragten Fördersummen dafür liegen bei rund 950.000 Euro. Die Gesamtinvestitionen dieser Vorhaben betragen mehr als zwei Millionen Euro. Zu diesen Vorhaben gehören laut Regionalmanagement beispielsweise die Umnutzung einer Scheune zu einem Wohnhaus in Neuwürschnitz, der Umbau eines Bauernhofes zu einem Bürogebäude und Lager eines Baugeschäftes in Gablenz, die Sanierung eines Wohnstallhauses in Mitteldorf, die Wiedernutzung eines Dreiseit-Hofes als Hauptwohnsitz in Ursprung oder die Umnutzung einer Scheune zum Hauptwohnsitz in Neukirchen.

Der nächste Förder-Aufruf soll voraussichtlich im Herbst 2018 starten. (vh)www.tor-zum-erzgebirge.de

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