Schirmfabrik-Schließung ist Ausgangspunkt für Chorgründung

Seit 25 Jahren ist der Frauenchor Adorf eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Geschichte begann mit einem Liedchen zum Unterrichtsbeginn.

Adorf.

Der Frauenchor Adorf feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Erika Hegewald, Gudrun Schmidt und Renate Bochmann freuen sich über das Jubiläum, denn sie erinnern sich noch gut daran, dass ihr Ensemble in einer schwierigen Zeit gegründet wurde.

Die örtliche Schirmfabrik hatte gerade schließen müssen. Wie viele andere auch, wurden die drei Frauen entlassen. Renate Bochmann (69): "Arbeitslosigkeit war damals für uns neu und furchtbar. Bei einem Vorstellungsgespräch musste ich mir sagen lassen: 'Sie sind 42 Jahre alt. Denken Sie nicht, dass Sie damit zu alt sind?' Das war eine schlimme Zeit." Doch alle drei Frauen hatten 1992/93 eine Umschulung zur Pensionswirtschaftsassistentin bekommen. "Das war damals das Beste, was uns passieren konnte", so Gudrun Schmidt. In der Schirmfabrik hatte die 77-Jährige im Zuschnitt, später im Versand gearbeitet. Nun wurde sie in Fächern wie Hauswirtschaft, Kochen und Betriebswirtschaft ausgebildet. Eine ihrer Ausbilderinnen war die Musiklehrerin Barbara Spindler aus Mittweida, die ihre Schülerinnen zum Start des Unterrichts regelmäßig ein Lied singen ließ. Später regte die Pädagogin die Chorgründung an. Mit Erfolg: Acht der mehr als 20 Umschülerinnen haben sich auch nach Abschluss des 14-monatigen Lehrgangs zu Chorproben in der Schule getroffen. Am 10. Mai 1994 wurde der Frauenchor Adorf gegründet, noch im selben Jahr gab es den ersten Auftritt und die Choristen sind dem Heimatverein Adorf beigetreten. Gesungen wurden zunächst bekannte Volkslieder wie "Und wieder blühet die Linde", aber auch DDR-Liedgut wie das "Lied der jungen Naturforscher". Musikalische Literatur also, welche Barbara Spindler schon mit ihren Schulkindern geübt hatte. Rund zehn Jahre ist die erste Chorleiterin den Frauen treu geblieben, ehe sie aus Altersgründen aufgehört hat. Doch die Sängerinnen hatten Glück. 2005 hat Uta Loth aus Thalheim die Chorleitung übernommen und das mittlerweile 25-köpfige Ensemble musikalisch weiter vorangebracht. Das Repertoire ist derweil auf rund 160 Lieder angewachsen. Teils wird a-cappella und bis zu dreistimmig gesungen. Von Schlagern bis zu klassischen Titel reicht die Palette. "Mit 'You raise me up' haben wir sogar einen englischen Titel im Repertoire", verrät Gudrun Schmidt.

Christoph Ulrich

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Die Umschulung selbst hatte wenig Erfolg: Als Pensionswirtschaftsassistentin hat keine der drei Frauen je gearbeitet. Erika Hegewald (77), die bis zur Wende über 30 Jahre als Näherin in der Schirmfabrik gearbeitet hatte, hat sich bis zum Renteneintritt mit ABM-Stellen über Wasser gehalten. Gudrun Schmidt hatte einige Praktika und Teilzeitstellen. Und Renate Bochmann war noch etliche Jahre als Altenpflegerin in Chemnitz und Jahnsdorf tätig. Sie bekennt: "Barbara Spindler hat uns damals aus einem Loch geholt. Wir fühlten uns auf einmal gut aufgehoben, und wir wurden gebraucht." Die wöchentlichen Proben, ein halbes Dutzend Auftritte pro Jahr, gemeinsame Feiern und seit einigen Jahren sogar gemeinsame Ausflüge haben den Chor längst zu einer eingeschworenen Gemeinschaft gemacht, die keine der Frauen missen möchte.

Ein Konzert "25 Jahre Frauenchor Adorf" findet am 19. Mai, 15 Uhr in der Adorfer Kirche statt. Neben den Jubilaren sind dabei der Kirchenchor Adorf unter Leitung von Kantorin Karin Liebelt und der Kinderchor der Grundschule Neukirchen unter Leitung von Musiklehrerin Kerstin Pauksch zu hören.

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