Schlaglöcher und Unkraut: Was Menschen in Beutha nervt

Wie entwickeln sich Ortsteile? Was läuft gut? Wo klemmt es? "Freie Presse" nimmt Dörfer der Region unter die Lupe. Heute: Beutha

Beutha/Stollberg.

Er will Beutha nicht schlechtreden. Das sagt Mirko Hohenhausen immer wieder, während er bei einem Rundgang durch den Ort führt, in dem er aufgewachsen ist. "Man kann hier schön leben und hat seine Ruhe. Da nehme ich gern ein paar Einschränkungen in Kauf", sagt er. Doch Hohenhausen braucht nur den Beuthenbach anzusehen, und seine Laune sinkt. Ob darin Wasser fließt, ist nicht zu erkennen: Gras und Unkraut verdecken die Sicht - der Bach ist völlig zugewuchert. "So was stört mich", sagt er.

Hohenhausen ist für die Linke in den neuen Ortschaftsrat gewählt worden. 130 Stimmen hat er bekommen. Geht der Familienvater durch Beutha, wird er mitunter nostalgisch: Früher gab es dort eine Seilerei, einen Arzt, einen Schumacher, einen Konsum. "Da konnte man alles kaufen, vom Schlüpfergummi bis zur Fleischwurst." Heute müsse man dafür in die Stadt fahren. In Beutha steht nur noch ein Geschäft, in dem Lebensmittel verkauft werden: die Bäckerei Zierold.


Diese Entwicklungen sind wohl nicht nur in Beutha zu beobachten. Überall im ländlichen Raum verschwinden Läden und Firmen. Doch Hohenhausen erhebt auch Vorwürfe, die sich speziell gegen die Verwaltung in Stollberg richten: So fehlt den meisten Einwohnern schnelles Internet. "Ein Grundbedürfnis", meint Hohenhausen. Einige Straßen seien in einem katastrophalen Zustand. Außerdem würden zu wenig Busse fahren. Zwar lasse die Stadt die Schule und das Gemeinschaftshaus Würfel sanieren. Aber insgesamt sieht Mirko Hohenhausen den Ortsteil vernachlässigt.

Stollbergs Oberbürgermeister, Marcel Schmidt (FWU), verwahrt sich gegen die Vorwürfe: "Aus meiner Sicht ist Beutha der Ortsteil mit dem höchsten Investitionsanteil der letzten 15 Jahre", sagt er und nennt mehrere Beispiel: die Turnhalle, der Kunstrasenplatz, der Kindergarten, die Schule. Für den öffentlichen Nahverkehr sei die Stadt nicht zuständig. Dennoch habe man versucht, Ruftaxis zu etablieren. "Was leider nicht angenommen wurde." Beim Bund sei zuletzt Geld beantragt worden, um den Nahverkehr zu entwickeln. Und auch für den Ausbau des schnellen Internets sollen Anträge abgeschickt werden.

Bei den kaputten Fahrbahnen müsse zwischen Straßen des Kreises und der Stadt unterschieden werden. Mitarbeiter der Verwaltung sollen bald Winterschäden auf kommunalen Straßen wie dem Genossenschaftsweg reparieren - nach Abarbeitung des Grünschnitts. Dabei steht laut Schmidt auch die Vegetation am Beuthenbach auf der Liste. Das Bachbett dürfe allerdings nicht komplett blank sein, sonst würde das Wasser zu schnell fließen.

Doch auch die Räte der anderen Parteien sind nicht ganz zufrieden. "Es ist nicht so, dass nichts passiert ist", sagt Franko Hegenbart (FWU) mit Blick auf die Investitionen der vergangenen Jahre. Er sieht - außer Schlaglöchern - vor allem ein Kommunikationsproblem. So seien Protokolle von Ortschaftsratssitzungen mitunter nicht im Stollberger Rathaus angekommen, aus welchen Gründen auch immer. Ähnlich wie Joachim Schwertner (CDU) will er sich für Tempo-30-Zonen einsetzen, etwa vor der Grundschule.

Wer das Verhältnis zwischen Beutha und Stollberg historisch einordnen will, kann den Ortschronisten Joachim Schwind fragen. Er war bis in die 1990er-Jahre im Gemeinderat aktiv. "Da Beutha dank seiner Betriebe und Handwerker einst finanziell gut dastand, stellte sich die Bevölkerung nach der Wende einer Fusion mit Stollberg sehr kritisch entgegen", erzählt er. Damals kam die Idee auf, mit Neuwürschnitz zusammenzugehen - was letztlich der Landkreis ablehnte.

Schwind räumt ein, dass die Stadt die Grundschule erhält. Aber das sei eine Pflichtaufgabe. Und was den Sportplatz angeht, so bemerkt der Ortschronist, dass die Sanierung nur dank Fördergeld für Flutschäden möglich war. Auch ihm missfällt der Zustand der Straßen. "Bei den Beuthaern hat sich die Meinung verbreitet: Je mehr Schloss Hoheneck an Kosten vereinnahmt, umso geringer ist die Aussicht auf Änderung." Schwind hofft, dass der neue Ortschaftsrat Kommunikations- und Finanzierungsprobleme mit der Stadt ausräumt.

Marcel Schmidt hatte schon vor einigen Wochen betont, dass die Stadt die Grundschule nicht unterhalten müsse. "Wir machen es aber trotzdem. Für die Ortsteile", sagte er. Nun fügt er hinzu: "Selbstverständlich beruht die Zufriedenheit der gesamten städtischen Bevölkerung auch darauf, dass die zu verteilenden Haushaltsmittel gleichmäßig eingesetzt werden." Auf diese Weise soll in den Ortsteilen ein Gefühl gerechter Behandlung vermittelt werden, sagt Schmidt.

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