Schließungs-Empfehlung kommt in Kliniken nicht gut an

Mehr als jedes zweite Krankenhaus soll laut einer Studie wegfallen. Das stößt auf unterschiedliches Echo. In Stollberg allerdings wird zum Thema geschwiegen.

Stollberg.

Eine Verringerung der Anzahl der Kliniken würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten führen. Das ist das Fazit einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Laut den Autoren würde eine Reduzierung von derzeit fast 1400 auf weniger als 600Krankenhäuser in Deutschland bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern und hätte Vorteile für die Spezialisierung der Kliniken und deren Ausstattung. "Freie Presse" hat Verantwortliche der Krankenhäuser in der Region gefragt, wie sie diese Empfehlung bewerten.

Kreiskrankenhaus Stollberg: "Das Kreiskrankenhaus Stollberg wird sich an der Diskussion zum genannten Thema nicht beteiligen" lässt Geschäftsführerin Andrea Morzelewski über Krankenhaus-Sprecher Christian Grimm ausrichten. Auch die Antwort auf die Frage, ob die Stollberger Einrichtung überhaupt betroffen wäre, bleibt aus. Sie ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 215 Betten und verfügt über sechs Kliniken sowie weitere spezialisierte Bereiche. DRK-Krankenhaus Lichtenstein: Aus Sicht des Geschäftsführers der DRK-Krankenhäuser Chemnitz-Rabenstein und Lichtenstein mit zusammen rund 400 Betten, Herbert Günther, verunsichert die durch die -Studie wiederbelebte Diskussion viele Menschen, anstatt bei der Lösung der Probleme zu helfen. Die Studie nehme keinen Bezug auf Unterschiede zwischen den Bundesländern. Gerade in Sachsen sei die Krankenhauslandschaft nachhaltig verändert worden und lasse sich kaum noch mit den festen Strukturen in den alten Bundesländern vergleichen. Eine Reduzierung der Krankenhausstandorte, die zudem hohe Investitionen erfordern würde, wäre daher nicht sinnvoll, sagt er und erinnert daran, dass die Krankenhäuser zunehmend Aufgaben fehlender Hausärzte übernehmen. Klinikum Chemnitz: Für das Klinikum, mit 1765 Betten eines der größten kommunalen Krankenhäusern Deutschlands, steht eine Schließung natürlich nicht zur Debatte. Dennoch begrüße die Geschäftsleitung die Intensivierung der Strukturdiskussion zum Gesundheitswesen. Geschäftsführer Dirk Balster: "Das dynamische Voranschreiten des Fachkräftemangels und die stetige medizinische Spezialisierung erfordern strukturelle Maßnahmen."


Zeisigwaldkliniken Bethanien: "Eine Reduzierung halten wir für nicht sinnvoll", sagt Michael Veihelmann, der Theologische Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken mit 300 Betten. Der Erhalt aller Krankenhäuser in Chemnitz und Umgebung sei wegen deren Anzahl und Spezialisierung "absolut notwendig.


Kommentar: Schweigen fehl am Platz

Noch keiner der Verantwortlichen hat geäußert, die Empfehlungen der Studie umsetzen zu wollen. Aber schon allein der Vorschlag, die Zahl der Krankenhäuser drastisch zu reduzieren, beschäftigt die Menschen - Krankenhausmitarbeiter und Patienten gleichermaßen - und hat zu teils heftigen Diskussionen geführt. Da ist es legitim, die Chefs der Krankenhäuser in der Region nach ihrer Meinung zu fragen. Was spricht für den Vorschlag, was dagegen?

Die Antworten fielen unterschiedlich aus, sind aber eine gute Grundlage für weitere Diskussionen, für eine Meinungsbildung. Leider nur erfahren hiesige Patienten nicht, was die Leitung "ihres" Krankenhauses von der Studie hält. Die Bedeutung des Kreiskrankenhauses Stollberg für Stadt und Region ist groß, das wird oft betont. Das schafft auch Verantwortung. Es hätte der Geschäftsleitung darum gut zu Gesicht gestanden, eine Meinung zu haben - und zu ihr zu stehen.

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