Schnitzer blicken auf 130 Jahre zurück

Der Stollberger Verein gibt einen Einblick in die Vielfalt dieses Hobbys. Angefangen hat einst alles mit einem Weihnachtsberg.

Stollberg.

Schnitzen hat in Stollberg eine lange Tradition. Seit nunmehr 130 Jahren wird das Handwerk gepflegt. Das konnten auch zwei Weltkriege, ein Verbot der Vereinstätigkeit im Dritten Reich oder staatliche Einschränkungen nicht verhindern.

Was 1889 mit der Gründung eines "Weihnachtsberg-Vereins" begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer Gemeinschaft entwickelt, in der immer das Schnitzen im Mittelpunkt stand und steht. Um die Jahrhundertwende gab es 23 aktive Schnitzer im Verein, zwei Jahre nach Gründung wurden in verschiedenen Gaststätten erstmals Szenen aus Weihnachtsbergen öffentlich gezeigt - zunächst noch mit fremden Figuren, die Vereinsmitgliedern umgearbeitet oder ergänzt hatten, berichtet Frieder Schulz. Der Glasbläsermeister leitet seit neun Jahren den Schnitz- und Klöppelverein Stollberg mit aktuell 15 aktiven Schnitzern, der den 130. Geburtstag jetzt mit einer Ausstellung im Kulturbahnhof feiert.

Die Weihnachtsberge waren ein Anfang, doch die ehrgeizigen Männer wollten mehr. So entstand ein 90 Quadratmeter großes Gemeinschaftswerk: ein Weihnachtsberg, auf dem das Leben Jesus Christus von der Geburt bis zur Kreuzigung zu sehen ist. Bis 1930 wurde an dem Mammutprojekt gewerkelt. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war der Berg zum letzten Mal im Gasthaus Garküche zu sehen. Dann wurde er auseinandergebaut, die Segmente an unterschiedlichen Stellen eingelagert. Die Figuren wurden unter den Schnitzern aufgeteilt. "Leider konnten trotzdem nur Teile der Predigt auf dem Ölberg und einige Kamele vor der Zerstörung gerettet werden", erzählt Frieder Schulz.

Dass das Schnitzen in Stollberg bis heute zum Kulturgut gehört, ist nicht zuletzt einem Mann zu verdanken: Arthur Beyer beantragte 1946 in der sowjetischen Stadtkommandantur die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit - und bekam einen positiven Bescheid. Das damals verfasste Statut hatte noch lange Bestand. 1949 traten die Schnitzerfreunde dem Kulturbund bei, mit allen Vor- und Nachteilen: Zwar gab es Zuweisungen für Material und Werkzeuge, doch die Schnitzer fühlten sich durch staatlich angeordnete Aufträge teilweise in ihrer Kreativität eingeschränkt.

"Das Schnitzen unterliegt, wie auch andere Handwerkskunst, einem Wandel", sagt Schulz. "Lag der Fokus anfangs auf traditionellen und christlichen Motiven, wurden später auch Szenen aus dem Leben oder Eigenarten der Mitmenschen gezeigt oder Nachbarn und Freunde auf die Schippe genommen." Heute ist die Schnitzkunst breit angelegt. Die Palette reicht von Ministücken bis zur Kunst für den Garten. Mit der Ausstellung nun möchten die Schnitzer und Klöpplerinnen einen Einblick in die Vielfalt ihres Hobbys geben. Neben Ausstellungsstücken von aktiven Vereinsmitgliedern sind auch solche von einstigen Mitgliedern und Förderern zu sehen.

Die Ausstellung im Kulturbahnhof Stollberg, Bahnhofstraße 2 ist ab dem morgigen Samstag bis 3. Februar zu sehen. Geöffnet ist Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Mittwoch, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Gruppen können sich auch für andere Zeiten anmelden: Ruf 01743411522.


Klöppelgruppe ist jünger

Eine Interessensgruppe Klöppeln gibt es in Stollberg seit mehr als 30 Jahren. 1992 entschieden sich die bis dahin eigenständigen Klöpplerinnen und die Stollberger Schnitzer zur Zusammenarbeit im Schnitz- und Klöppelverein Stollberg. Chefin der derzeit 32 Klöppelfrauen ist Gudrun Käßemodel.

Neben Deckchen, Wandbehängen, Schmuck und kleinen Geschenken aus Materialien wie Perlen, Draht oder Wolle ist für die Jubiläumsausstellung das Gemeinschaftsprojekt Wandbehang entstanden. Von den Klöpplerinnen wurden aus, teils sogar von Gudrun Käßemodel entworfene Mustern, Spitzen in verschiedenen Techniken angefertigt und dann zu einem Gesamtkunstwerk zusammengefügt. (wö)

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