Schönheider baut eigenen Ziegenhof auf

Den Bauernhof im Dorf gibt es schon lange. Jetzt aber will ein 30-Jähriger ihm neues Leben einhauchen.

Schönheide.

Wer in Schönheide in den Schwarzwinkel zu Sascha Flechsig abbiegt, kommt an Gehegen vorbei, in denen sich Nandus, Alpakas und Kängurus tummeln. Ein Tierpark? "Das sind die Überbleibsel aus meiner exotischen Probierphase 2012/13", verneint lachend der 30-jährige Besitzer. Ganz bodenständig sind hingegen seine Zukunftspläne, die sich um seltene Ziegen- und Schweinerassen sowie Federvieh drehen.

Sascha Flechsig will auf seinem über vier Hektar großen Grundstück vor allem die Ziegenhaltung ausbauen, inklusive eigener Molkerei und Käserei. Die Rassen gehörnter Vierbeiner, für die er sich entschieden hat, kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es sind seltene Haustierrassen.

Trennen will sich Flechsig perspektivisch von seinen Rindern, weil die Herde von sechs Tieren unwirtschaftlich und die Konkurrenz umliegender Tierhalter zu groß seien. Auch Alpakas, Nandus und Kängurus werden aus "Fauna" - so der Name des Unternehmens - verschwinden. Von der Aufzucht von Weihnachtsgeflügel will sich der Schönheider zwar trennen, aber bestellen und kaufen kann man dieses auch 2021, weil er eine Kooperation mit einem Geflügelhof in Schönberg bei Glauchau eingehen will.

Überhaupt sind ihm Partner bei der Verwirklichung seiner Pläne wichtig. "Ich kann nicht alles allein leisten", sagt Flechsig. Vom Landwirtschaftsbetrieb Jahn in Breitenfeld bezieht er Einstreu, vom Tierbedarf Schicketanz aus Mitteldorf Futtermittel, Anschaffung und Wartung der Technik übernimmt der Landmaschinenhandel Goldmann in Stützengrün, um nur einige zu nennen. Flechsig ist in der Fahrzeugentwicklung tätig, will da ab kommendem Jahr nur noch 30 Stunden pro Woche arbeiten. Der Bauernhof in Schönheide wird sein Nebenerwerb bleiben. Seine 20-jährige Lebensgefährtin Jessica Meier, sie arbeitet als Krankenschwester im Klinikum Chemnitz, will das Vorhaben unterstützen. "Ich wusste, worauf ich mich einlasse, als wir uns kennengelernt haben. Ich mag Tiere genauso wie er", sagt sie.

Die Hauptarbeit liegt bei Sascha Flechsig, doch auch seine Eltern und die 78-jährige Großmutter, die mit im selben Haus wohnen, springen ein, wenn es nötig ist. "Ohne die Familie und Unternehmer, die mich unterstützen, würde das alles nicht gehen", so der 30-Jährige.

Die Geschichte des Schönheider Bauernhofs begann vor zehn Jahren, als Flechsig als Hobby für seine damals dreijährige Tochter Collien unter anderem Zwerghühner anschaffte. Der landwirtschaftliche Betrieb geht auf Karl-Heinz Georgi, den Großvater von Sascha Flechsig, zurück. Der war auch in der Gießerei Schönheide tätig. Als der Großvater vor zehn Jahren an Krebs erkrankte, vertrug er so gut wie keine im Handel gekauften Lebensmittel mehr. Das nahm sein Enkel als Herausforderung an und begann Tiere zu halten. "Fleisch und Eier von denen vertrug mein Großvater", so Flechsig.

Gerade für Menschen, die Fleisch aus Massentierhaltung nicht vertragen, will der junge Schönheider jetzt sein Angebot aufbauen. 250 Tiere in 25 Arten sind derzeit in Besitz der Familie. Es werden schließlich weniger Arten sein, dafür ein "kleineres, feineres Sortiment", zu dem auch Fleisch vom Duroc-Schwein gehört. "Weniger Vorbestellungen, mehr freier Verkauf in einem Hofladen, den ich Mitte dieses Jahres eröffnen möchte", blickt Sascha Flechsig voraus. Ein- bis zweimal pro Woche für zwei bis vier Stunden soll dieser Laden öffnen. Wirklich noch Zukunftsmusik ist die Schaffung einer Übernachtungsmöglichkeit auf dem Bauernhof.

Alles, was der Schönheider plant, will er "sachte" angehen und "erst mal sehen, wie es die Leute annehmen". Immerhin plant er schon einmal mit Investitionen in Höhe von 100.000 bis 200.000 Euro. "Ich denke, wir haben genug gehört von Fleischskandalen, Massentierhaltung oder Tierquälerei. Es ist an der Zeit umzudenken, ich möchte dazu meinen Beitrag leisten", sagt er.

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