Schüler liefern ein Stimmungsbild der Jugend

139 Wahlberechtigte der 7. bis 10. Klassen durften an der Turley-Oberschule in Oelsnitz ihre Stimme bei der Juniorwahl abgeben. Das Ergebnis findet der Schulleiter "bedauerlich".

Oelsnitz.

Zehntklässler Tom Fiedler freut sich, dass er wählen durfte: "Es ist eine schöne Erfahrung. Ich weiß, was ab nächstem Jahr, wenn ich 18 werde, auf mich zukommt." Tom war einer von 139 Schülern der Turley-Oberschule, die bei der Junior-Wahl teilnehmen durften. Die fand unabhängig von der Landtagswahl bereits am Donnerstag statt. Tom würde sich wünschen, dass seine Stimme schon jetzt zählt: "Jugendliche sehen einige Dinge anders als Ältere." Doch er sagt auch: "Ich hätte die Befürchtung, dass einige unbedacht wählen." Zwiespältig sieht auch Alexa Neubert die Herabsetzung des Wahlalters: "Mit 16 würde vielleicht manch einer einfach irgendetwas ankreuzen. Ich bin deshalb eher nicht dafür." Damit liegen sie nicht ganz falsch. Bei der Zweitstimme entschieden sich mehr als 40 Prozent der Schüler für die AfD. "Ich finde das Ergebnis bedauerlich. Einige Schüler haben mehr auf Polemik und Krawall gesetzt", sagte Schulleiter Kay Hertel. "Wir müssen noch mehr Augenmerk auf Demokratieerziehung und Meinungsbildung auf Faktenbasis legen."

Das Prozedere bei der U18-Wahl war dasselbe wie am Sonntag. Die Schüler haben eine Wahlbenachrichtigung bekommen, ein Klassenzimmer wurde als Wahlbüro eingerichtet. Es gab Wahlhelfer und Wahlkabinen. Es war eine geheime Wahl und niemand wurde zur Teilnahme verdonnert. Im Unterricht hatte vorab eine Schülergruppe Schautafeln erstellt, auf denen alle Parteien vorgestellt wurden. Tom gehörte zu einem achtköpfigen Team, das ein Video erstellt hat, in dem erklärt wird, wie so eine Wahl abläuft.

"Uns geht es darum, den Schülern die Ängste zu nehmen, und sie aufs Leben vorzubereiten", sagt Peter Steinmüller, der das Projekt mit Kerstin Beyer als Mentor begleitet hat. Für Schulleiter Kay Hertel ist die Junior-Wahl trotz den Aufwandes eine wichtige Sache: "Wir wollen Demokratie üben. Sich an so einer Wahl zu beteiligen, das bleibt ganz anders im Gedächtnis als der Unterricht." Doch laut Hertel gab es auch Zweifler. "Es kamen sehr praxisnahe Fragen, zum Beispiel, ob die Wahl wirklich geheim ist." Tatsächlich haben am Ende, ebenso wie bei der echten Wahl, nicht alle Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Drei waren krank, 32 wollten nicht wählen. Die Wahlhelfer waren unterdessen mit Begeisterung bei der Sache. "Das ist eine gute Sache", meinte Sophia Mittelbach, bei der sich jeder noch einmal mit seiner Wahlbenachrichtigung ausweisen musste, ehe der Stimmzettel in die Wahlurne geworfen werden durfte. Dort wartete Celine Pietzsch, die ihren Job als den interessantesten ansah: "Ich sage zu jedem, der seinen Stimmzettel abgibt: Danke für Ihre Stimme." Dieser Vorschlag für ein nettes Wort kam von den Mentoren. Und mancher Mitschüler hatte auch eine Antwort parat: "Einige reagieren darauf überrascht mit einem 'Ach, bitteschön'." (mit bjost)

Die Ergebnisse der Juniorwahl im Wahlkreis Erzgebirge 1: Direktstimme: AfD 35,2 %, CDU 24,4 %, Grüne 15,1%, SPD 10,8%, Die Linke 9,4%, Sonstige 5,1%. Listenstimme: AfD 32,0%, CDU 14,8%, Grüne 12,3%, Tierschutzpartei 8,6%, SPD 7,8%, Die Linke 5,0%, FDP 4,2%, Sonstige 15,3%. Listenstimme Turley-Oberschule: AfD 41,2%, CDU 15,7%, Grüne 12,8%, Linke 8,8%, SPD 3,9%, Tierschutzpartei 9,8, Sonstige 7,8%.

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