Schüler suchen das Gespräch mit Zeitzeugen

Zehntklässler aus Burkhardtsdorf beschäftigen sich zurzeit intensiv mit den politischen Systemen vor und nach der Wende. Am Samstag zeigen sie darüber einen Videoclip.

Burkhardtsdorf.

Wenn die Evangelische Allianz Burkhardtsdorf am Samstag mit einem Gottesdienst 30 Jahre Deutsche Einheit feiert, werden die Besucher auch ein Video zu sehen bekommen, das Zehntklässler der Evangelischen Oberschule produziert haben. Am Montag trafen sich die Schüler dafür mit Zeitzeugen.

"Inhalt des Schülerprojekts ist die Beschäftigung mit dem politischen System vor 1990 und dem in der Gegenwart", erklärt Pfarrer Markus Großmann. Weil die Eltern der Schüler teilweise schon keine Erinnerungen mehr an die Zeit der DDR haben, seien Zeitzeugen eingeladen worden, die von den Schülern befragt werden konnten. So haben die Zehntklässler mit dem ehemaligen Kinderarzt und Bürgerrechtler Dr. Horst Schmidt, dem früheren Thumer Pfarrer und späteren Stollberger Superintendenten Johannes Schädlich, der ersten Kreistagspräsidentin Uta Windisch sowie Sabine Popp, die fünf Jahre als politische Gefangene im Frauengefängnis Hoheneck einsaß, sprechen können. Die aus ihrer Sicht wichtigsten Inhalte dieser Gespräche werden die Zehntklässler zu einem 20-minütigen Clip zusammenschneiden.

Unter anderem wollten die Schüler, die Uta Windisch als Gesprächspartnerin hatten, von dieser wissen, warum sie nach der Wende politisch aktiv wurde. Die Antwort der 71-Jährigen: Weil sie sich für die Wiedererlangung der Demokratie und den Umweltschutz einsetzen wollte. Die Schüler interessierte auch, welche Vorteile die DDR hatte. "Das Leben war bequemer, es gab keine Arbeitslosigkeit, auch wenn nicht jeder seinen Traumjob hatte", sagte Windisch. Die Schüler wollten zudem mehr über die Staatssicherheit und deren Arbeit erfahren. Uta Windisch: "Die Stasi war gegen das eigene Volk gerichtet und hat viel mit Erpressung und Vorteilsnahme gearbeitet". Klassenlehrer Thomas Bittrich fragte nach, warum die DDR eine Diktatur war. Uta Windisch sagte: "Die Menschen konnten nicht in Freiheit leben." Sie schaue darum mit großer Sorge auf die heutige Gesellschaft. "Keine Gesellschaftsordnung ist ideal, aber die Demokratie ist die beste, die es meiner Meinung nach gibt." Jeder könne sich einbringen, stattdessen werden aber leider oft nur gemeckert.

Der Gottesdienst zum Nationalfeiertag beginnt am Samstag, 17 Uhr in der Eurofoam Arena Burkhardtsdorf. Auch dieser wird von Zeitzeugen mitgestaltet: von Jörg Swoboda, Liedermacher und freikirchlicher Pastor, sowie den Liedtextern und Musikern "Andy und Frank". Der Abend endet mit einem Konzert.

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