Schwibbogenstadt zelebriert den Bogen

Bei der Sonderschau im Pferdegöpel Johanngeorgenstadt sind nicht nur die Exponate Schmuckstücke. Auch die Präsentation sucht ihresgleichen.

Johanngeorgenstadt.

Ein wenig Sprachlosigkeit könnte es bei dem einen oder anderen Besucher der Schwibbogenausstellung in Johanngeorgenstadt geben. Zwar zeigen Heike und Wolfgang Lorentz aus Wedemark bei Hannover ihre Bögen nicht zum ersten Mal im Erzgebirge, doch in der Geburtsstadt des Schwibbogens werden sie jetzt nicht nur gezeigt, sondern nach allen Regeln der Kunst zelebriert. Ausschließlich Ortsschwibbögen - 51 an der Zahl - können im Pferdegöpel bestaunt werden. Auf Schildern finden sich Angaben zu den Originalgrößen. Auffällig sind die großen Unterschiede in der Gestaltung. Ein Oberwiesenthaler Lichterbogen gehört mit zahlreichen Wintersportlern zu den filigranen. Während die meisten Bögen im typischen und weitverbreiteten Schwarz gestaltet sind, sticht der Olbernhauer mit seinem bekannten Reiterlein knallbunt heraus.

Der Vorsitzende des Fördervereins Pferdegöpel, Harald Teller, hatte gemeinsam mit Museumsleiter Detlef Friedrich eine grandiose Idee. Da die Wände des Göpels nicht verkleidet sind, sieht man die Holzbalken. Diese bautechnische Raffinesse wird von den Verantwortlichen als Regal genutzt. Jeder Schwibbogen wird in einem eigenen Fach präsentiert. Er steht vor einem gelben Bogen, sodass die schwarzen Schnitte bestens zur Geltung kommen. Das i-Tüpfelchen der Präsentation ist die indirekte Beleuchtung,.

Zwar halten sich die meisten Schwibbögen an übliche Standards, doch einige wenige fallen heraus. Auch dafür hatte Harald Teller eine Lösung. Sie wurden ausgemessen und die Hintergrundbögen maßgefertigt. "Wir hatten drei Farben für den Hintergrund zur Auswahl und haben uns letztendlich für das Zitronengelb entschieden", sagt Museumsleiter Friedrich. Er findet: "Das passt am besten, wirkt am besten."

Und was sagen die Macher der Schwibbögen zur Präsentation im Pferdegöpel? "Da haben sich zwei gesucht und gefunden", meint Wolfgang Lorentz: "Harald Teller hatte schon als wir uns kennenlernten, diese Idee. Das schwirrte ihm bereits damals im Kopf herum." Allerdings war der Weg zum Ziel ein weiter. Der Ausgangspunkt des Konzeptes sogar ein tragischer: Heimatforscher Frank Teller, der Bruder von Harald, wollte den beiden norddeutschen Schwibbogenfans am 6. Dezember 2016 einen Privatvortrag halten. Am 4. Dezember verstarb Frank Teller unerwartet. Er hatte jahrelang zu Schwibbögen geforscht. Die Ausstellung ist auch eine Hommage an ihn.

Dabei war Harald Teller zunächst skeptisch: "Ich muss zugeben, dass ich das Paar zunächst unterschätzt habe. Doch wenn man sich mal zehn Minuten mit ihnen unterhält, merkt man sofort das ganze Potenzial. Jeder Zweifel war weg." Am ersten Wochenende kamen 300 Gäste.

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