Sendemast löst heftige Diskussion aus

In Schlettau ist die fünfte Generation der Mobilfunktechnik angekommen. Doch nicht jeder freut sich darüber. Zur Einwohnerversammlung kochten die Emotionen hoch.

Schlettau.

35 Meter hoch ragt er in den Erzgebirgshimmel, der neue Mobilfunksendemast auf dem Bahnhof in Schlettau. Die mobile Anlage, die vorerst für drei Monate installiert ist, gehört zur fünften Generation der Mobilfunktechnik - kurz 5G genannt. Aufgebaut worden ist sie kürzlich in erster Linie für den neuen Smart Rail Connectivity Campus Annaberg-Buchholz. Mit diesem Projekt soll unter anderem das automatisierte Fahren auf Schienen erforscht und getestet werden - auf der Bahnstrecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg.

Ein Teil der Schlettauer Einwohner aber steht der neuen Technik mehr als skeptisch gegenüber. Das ist zur kurzfristig einberufenen Einwohnerversammlung im fast voll besetzten Rittersaal des Schlosses deutlich geworden. Sie befürchten vor allem gesundheitliche Konsequenzen und ließen sich auch von gegenteiligen Einschätzungen seitens der Weltgesundheitsorganisation oder auch der Strahlenschutzkommission nicht beeindrucken. Mit denen hatte sich Helmut Zeitz vom Mobilfunkunternehmen Vodafone, in dessen Auftrag der Mast errichtet wurde, auf die Diskussion vorbereitet. Zeitz: "Wir sind bei den Grenzwerten weit von dem entfernt, was als bedenklich bewertet wird."


Auch sein Argument, dass nicht die Mobilfunkbasisstationen beziehungsweise ortsfesten Sendeanlagen als gesundheitsgefährdend eingestuft werden, sondern es vielmehr zum Gebrauch der mobilen Endgeräte - wie beispielsweise Handys - noch viele offene Fragen gebe, wurde nicht akzeptiert. Vielleicht, weil auch im Publikum viele Handys am Mann oder an der Frau waren. Und die Initiatoren des Protestes für dessen Organisation unter dem Motto "Stoppt 5G in Schlettau" weitgehend das Internet und soziale Medien nutzen. Die teils sehr unsachlich geführte Diskussion gipfelte in der Feststellung: "Wir wollen den 5G-Mast nicht vor unseren Häusern und nicht in unserer Stadt."

Eine Argumentation, die wiederum Bürgermeister Conny Göckeritz zu einer sehr emotionalen Rede veranlasste, in der er vom Sankt-Florian-Prinzip sprach. Damit werden Verhaltensweisen bezeichnet, bei der potenzielle Bedrohungen oder Gefahrenlagen nicht gelöst, sondern auf andere verschoben werden. Schließlich, und das machten unter anderem auch Sören Claus als Technikchef des neuen Campus' und Jan Kammerl von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge als Moderator des Abends deutlich, gehe es bei dem Projekt um die gesamte Region. Für das Erzgebirge sei der Campus eine einmalige Chance. Es gehe darum, die Zukunft zu gestalten, appellierte der Bürgermeister. Er stehe ebenso wie der gesamte Stadtrat hinter dem Vorhaben. Das bestätigte Stadtrat Frank Seckel (Freie Wähler Bürgerforum).

Allerdings mussten er und die anderen anwesenden Mitglieder des Stadtrates sich ebenso wie der Bürgermeister an diesem Abend auch die Kritik gefallen lassen, die Einwohner der Stadt nicht ausreichend informiert und in die Entscheidung einbezogen zu haben. Als Grundstücksangelegenheit war das Thema seinerzeit nicht öffentlich im Stadtrat debattiert worden.

Dabei wurde im Rahmen der Diskussion auch mehrfach betont, dass sich alles im rechtlichen Rahmen bewege. Für den zeichneten baulicherseits das Landratsamt und technisch die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörden verantwortlich. Das gelte auch für den perspektivisch aufzustellenden festen Sendemast und alle weiteren, die entlang der Strecke noch installiert werden müssen. Über deren Standorte sei aber noch nicht entschieden, machte Sören Claus deutlich. Fest stehe aber, dass von der neuen Mobilfunktechnik und der damit verbundenen Verlegung von Glasfaserkabel entlang der kompletten Bahnstrecke auch die Anliegerkommunen profitierten.

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