"Sie sind wahre Meister unseres Fachs"

Mit einem Kofferraum voller Schwibbögen ist das Ehepaar Lorentz jetzt wieder heimwärts gefahren. Denn die Norddeutschen haben das Erzgebirge mit erzgebirgischer Volkskunst bereichert - und nehmen viel Lob der Einheimischen mit nach Hause.

Stollberg/Cranzahl.

Wenn Heike und Wolfgang Lorentz aus Wedemark bei Hannover von Erzgebirgern für ihre Arbeit gelobt werden, macht sie das besonders stolz. Man fühle sich geadelt, hat Wolfgang Lorentz einmal gesagt. Denn schließlich seien Schwibbögen das Metier der Erzgebirger. So kann man etwas nachfühlen, was den beiden die mehr als 50 positiven Einträge ins Gästebuch wert sind, die Besucher des Cranzahler Räuchermannmuseums über ihre dort seit dem 1. Advent ausgestellten Schwibbögen hinterlassen haben. "Einfach nur schön", "sehr beeindruckend" oder "außergewöhnlich" ist da zu lesen. Und dann dieser Satz einer Erzgebirgerin: "Sie sind wahre Meister unseres Fachs."

Zwar haben sich die beiden schon einmal mit mehr als 50 Exemplaren an der Schwibbogenschau in Stollberg beteiligt, aber die Cranzahler Ausstellung war ihre erste komplett eigene im Erzgebirge. Mehr als 80Bögen haben sie im Räuchermannmuseum gezeigt - allesamt von ihr entworfen und von ihm mit der Laubsäge geschaffen. Am Wochenende nun haben sie ihre Exponate wieder eingepackt.

Obwohl sie normalerweise bei Erzgebirgsbesuchen ihr Domizil in Dittmannsdorf bei Sayda haben, wurde diesmal in Cranzahl übernachtet. "So war der Weg nach Johanngeorgenstadt kürzer", sagt Wolfgang Lorentz. Denn auch dort schauen sie neuerdings regelmäßig vorbei - wegen eines Projektes, das sie seit knapp zwei Jahren beschäftigt: Sie wollen alle Orts-Schwibbögen, die es im Erzgebirge gibt, in Miniatur nachbauen und dann eine Wanderausstellung gestalten. Den Auftakt hat sich passenderweise die "Stadt des Schwibbogens", Johanngeorgenstadt, gesichert - ab dem 1.Advent 2019 werden die ersten Bögen im Pferdegöpel zu sehen sein.

Das selbst gestellte Ziel, in Johanngeorgenstadt 50Bögen zu zeigen, sehen sie inzwischen entspannt, denn 43 Bögen sind schon fertig. Wie viele es letztendlich sein werden, ist noch völlig unklar. Darum haben sie ihre Schau auch unter das Motto "Wandern und wachsen" gestellt - sie wird an verschiedenen Standorten gezeigt werden und jedes Mal mehr Exponate haben.

Acht neue Bögen hat Heike Lorentz aktuell gezeichnet. Darunter den Lugauer, den sie wegen des Förderturms im Motiv als "mal etwas ganz anderes, sehr technisches" bezeichnet. Zwei Bögen hat Wolfgang Lorentz gerade in Arbeit - den vom Kalkwerk Lengefeld und den aus Erlabrunn.

Ein Bogen ist unmittelbar vor der Abfahrt nach Cranzahl fertig geworden: der Scheibenberger. Eine besondere Herausforderung, denn die Elemente unterm Bogen sind eine sogenannte Brettschnitzerei, und schnitzen können Lorentz' nicht. Wie sie den Bogen trotzdem ausschließlich aus Sperrholz hinbekommen haben, hat ihnen Lob und Erstaunen der Scheibenberger Schnitzer eingebracht, erzählt Wolfgang Lorentz. Der Trick: Für erhabene Teile wie Haare oder Oberarme haben sie hauchdünne Sperrholzscheibchen aufgeleimt, tieferliegende mit einer Diamantfeile aus dem Sperrholz herausgearbeitet. "Mindestens das Achtfache an Zeit" habe sie der Bogen im Vergleich zu den anderen gekostet, erklären sie.

Fünf ihrer Ortsbögen haben sie als Vorgeschmack auf die Schau in Johannstadt bereits in Cranzahl gezeigt, darunter auch den aus Gelenau, was bei einem Ehepaar für Erstaunen gesorgt hat, berichtet Wolfgang Lorentz. Denn es kam aus Gelenau, kannte aber das Original nicht. "Wir haben ihnen den Standort genau beschrieben. Die beiden sind sicher heimgekommen und haben erst mal den Bogen gesucht", sagt er und schmunzelt.

Dass sie ihren Aufenthalt genutzt haben, um Details des Cranzahler Bogens fotografisch festzuhalten, versteht sich von selbst. Dabei hatten sie großes Glück, denn der Bogen sollte gerade abgebaut werden. Heike Lorentz: "Die Männer haben extra gewartet, bis wir fertig sind."

www.schwibbogen-wedemark.de

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