Simson-Abenteuer bewegt Tausende

Ein Chemnitzer ist mit dem Moped einmal um die Ostsee gefahren. Der "Freie-Presse"-Bericht über ihn wurde im Internet weit über 60.000-mal angeklickt. Ein Leser macht ihm ein ungewöhnliches Angebot.

Chemnitz.

Geschichten von Abenteuer-Reisen gibt es viele. Doch diese ist besonders. Denn sie berührt Menschen in vielerlei Hinsicht. Unter der Überschrift "9000 Kilometer in 30 Tagen- Mit der Simson um die Ostsee" erschien am 31. August ein Beitrag in der "Freien Presse", der davon berichtet, wie Alexander Herrmann mit seinem Moped einmal um die Ostsee fuhr. Als wäre das noch nicht genug, machte er noch einen 1600 Kilometer langen Abstecher ans Nordkap. Menschen berührt diese Geschichte, weil sie heute selbst wieder mit dem Kult-Moped fahren, früher einmal eines hatten oder generell bewundern, wenn jemand seine Grenzen austestet.

Im Internet wurde der Beitrag über das Abenteuer des jungen Mannes 63.000-mal angeklickt, 831-mal wurde er auf Facebook innerhalb kurzer Zeit geteilt und 485-mal kommentiert. "Da kann man sehen, was Simson füreine Qualität war", ist da zu lesen, aber auch "Respekt" und "Hut ab". Alexander Herrmann konnte sich vor Anfragen kaum retten. 30 bis 40 private Nachrichten habe er auf Facebook erhalten und teilweise mit zehn verschiedenen Leuten gleichzeitig geschrieben. Die kommentierten sein Abenteuer, wollten wissen, was es gekostet hat und fragten, ob sie das auch schaffen könnten. "Warum denn nicht?", habe er darauf geantwortet. Auch Ersatzteilhändler kontaktierten ihn, weil sie Interviews mit ihm führen wollen, um sie auf ihren Homepages zu veröffentlichen. Außerdem hat ihm ein Veranstalter für Motorradreisen ein ungewöhnliches Angebot gemacht: "Der ist cool, solche Jungs brauche ich", sagt Joe Küster, Gründer des Unternehmens Overcross in Tübingen. Er sei von Herrmanns Geschichte schlichtweg begeistert und biete ihm einen Ausbildungsplatz an. Er sei der einzige, vielleicht europaweit, der Reiseverkehrskaufmänner und Motorradtour-Guides ausbildet. Dafür suche er harte Männer, die dann kreuz und quer auf der Welt, durch Wüsten und Flüsse unterwegs sind. Im vergangenen Jahr habe er 200 Bewerbungen für eine Stelle erhalten. Wichtig: Er suche echte Kerle, aber keine Maulhelden, auch in dieser Hinsicht passe Herrmann.

Zunächst hat Küster den 19-Jährigen eingeladen, im Oktober mit ihm die Motorradmesse Intermot in Köln zu besuchen.

Das Angebot erreichte Alexander Herrmann in London. Seitdem ihn seine erste große Reise mit dem Moped im August 2015 in die britische Hauptstadt führte, fliegt er alle zwei Monate für ein Wochenende dort hin. Einfach so. Das Angebot von Joe Küster überrasche ihn, er habe aber noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Außerdem sei er mit seiner Ausbildung zum Industriemechaniker bei Niles Simmons und den Job-Aussichten sehr zufrieden. Von dem ganzen Rummel um ihn sei er völlig überrascht, damit habe er nie gerechnet.

Und was sagen seine Eltern zu ihrem Abenteurer? "Die sind stolz", sagt er. Sie hätten auch nicht versucht, ihm die Reise auszureden. Das sei vor seiner Fahrt nach London noch ganz anders gewesen. Damals habe nur sein bester Freund hinter ihm gestanden. Alle anderen seien dagegen gewesen. Damals habe er Kommentare gehört wie "Du wirst nur schieben", "Niveau 5. Klasse" oder "unmöglich".

Herrmann ließ sich nicht beirren und verwirklichte seinen Traum. "Ich habe bewiesen, dass es geht", sagt er. Und wie das geht. Auf der Londonreise hatte er einige Pannen. Doch bei seiner Reise um die Ostsee musste er kein einziges Mal sein Werkzeug auspacken. Ob sein Großvater, der ihm die Simson S50, Baujahr 1977, zum Weihnachtsfest vor drei Jahren geschenkt hatte, geahnt hätte, welche Strecken das Zweirad mit seinem Enkel noch zurücklegen wird? Sein Opa habe damit nie das Dorf verlassen, sagt Alexander Herrmann.

Und, gibt es schon neue Reisepläne? Nicht so konkret, sagt der 19-Jährige, dafür wäre ein Sponsor nötig. Doch dann lässt sich Alexander Herrmann doch etwas entlocken: "Afrika ist auch schön." Auf seiner Homepage hat der Chemnitzer ein Zitat veröffentlicht: "Es erscheint immer unmöglich, bis man es gemacht hat."

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