Spreng-Zoff: Anwohner kritisieren Firma

Die Bürger sehen ihre verstaubten Scheiben oder Risse in den Häuserwänden - die Steinbruch-Betreiber ihre eingehaltenen Grenzwerte. Nicht viel Raum für Lösungen.

Jahnsdorf.

Eine Jahnsdorferin hat eine einfache Frage gefragt. Nämlich, ob die Firma Geiger als Betreiber des Steinbruchs im Ort denn künftig eine Reinigungskostenpauschale zahlen würde wegen des Staubs, der wegen der Sprengungen sich auf die Balkone, Fenster und Autos legt. Firmenchef Pius Geiger blieb relativ unkonkret: "In Einzelfällen kann man darüber reden. Aber eine Pauschale gibt es nicht."

Das war das Ende einer zum teils hitzig geführten, zweistündigen Debatte am vergangenen Donnerstagabend zwischen Anwohnern des umstrittenen Steinbruchs sowie Experten und Steinbruch-Firma. Es ging um Erschütterungen durch Sprengungen, Schäden an Häusern, die erwähnte Staubbelastung, den Krach. "Wir wollen Argumente austauschen und womöglich zumindest kleine Lösungen finden", hatte der neue Jahnsdorfer Bürgermeister Albrecht Spindler betont.

Manche Betroffene empfanden das Treffen aber eher als Alibiveranstaltung. Ein Redner fragte, ob man warten wolle, bis das erste Haus zusammenbricht. "Wer schützt mein Eigentum?" Und Clauß Meißner, der wie viele andere Nachbarn des Steinbruchs schon etliche Risse in seinem Haus hat, schimpfte: "Hier ändert sich nichts. Das ist schon die vierte Veranstaltung. Aber es ändert sich ja nichts." Er habe nur eine Lösung: Den Steinbruch zu schließen.

Ganz anders sieht das natürlich das Unternehmen. Die Jahresproduktion liegt derzeit bei 200.000 Tonnen. Bleibt es dabei, wird noch etwa zwölf bis 15 Jahre abgebaut. Aus dem Porphyr werden vor allem Schüttgüter wie Splitt und Schotter für den Straßenbau. Auf 23 Hektar Fläche wird derzeit abgebaut, an der tiefsten Stelle geht es 80 Meter weit nach unten. Doch stets halte man die Grenzwerte ein, so Geiger. Dies wollte die Firma beim Bürgergespräch nachweisen.

Bei einem Bürger daheim haben Verantwortliche deshalb ein Messgerät ein Jahr aufgestellt - um die Erschütterungen zu erfassen. Alle 40 Messereignisse lagen den Angaben zufolge bei maximal 31,8 Prozent der gesetzlich zulässigen Grenzwerte. Auch bei der Staubbelastung liege der Steinbruch weit im Rahmen, den die Technische Anordnung Luft vorgebe, so das Argument des Oberbergamtes Freiberg.

Ein Bürger schimpfte, dass der Dreck trotzdem da sei. An warmen trockenen Tagen sei die rotbraune Staubglocke über dem Ort schon weithin sichtbar. Ein Sprecher des Oberbergamtes Freiberg verwies darauf, dass die Daten den Jahresmittelwert angeben. Und dieser läge unterhalb der zulässigen Höchstgrenzen. "Natürlich haben Sie hier Staub. Aber Staub gibt es auch ohne Steinbruch, überall." Anwohner Siegfried Birkholz argumentierte, das Gesteinsstaub gesundheitsschädigend sei, weil sich dieser in der Lunge gerade von Kindern festsetze. "Da nützt einem ein Jahresmittelwert auch nichts. Ich kann auch nicht sagen, dass ich bei erlaubten 50 Stundenkilometern zweimal 40 und dann einmal 70 fahre und argumentiere, der Mittelwert sei aber die vorgeschriebenen 50."

Das Unternehmen verteidigte sich und verwies darauf, dass man bestimmte Extra-Auflagen des Oberbergamtes umsetze: Nicht nur die Grenzwerte einzuhalten, sondern jeweils selbige unter 50 Prozent zu erfüllen, alles Sprengungen messtechnisch zu erfassen sowie mit Befeuchten von Lastern und Wegen den Staub in Grenzen zu halten. Geiger sagte schließlich zu einem Bürger: "Aber wenn Sie weiter davon überzeugt sind, dass meine Firma schuld ist, müssen Sie mich verklagen. Und ich werde mich verteidigen. Und ich glaube, ich habe sehr gute Karten."

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