Stadtcafé bald Adresse für Kongresse?

Die Sanierung des Stadtbild prägenden Gebäudes in Zschopau rückt näher. Um es als Herberge zu nutzen und möglichst viele Gäste anzulocken, setzt der Investor auf die Faktoren Bildung und Kultur.

Zschopau.

Nach Jahren des Stillstandes kommt Bewegung in den geplanten Ausbau des Zschopauer Stadtcafés und eines Nebengebäudes in der Lange Straße zu einer Jugendherberge. Für Letzteres will Investor Toralf Zinner den Bauantrag noch vor dem 15. Juli einreichen. Der für das Stadtcafé soll Anfang August folgen, sagte er am Dienstag. Der Tag sei zugleich Auftakt für die nun wieder regelmäßig folgenden monatlichen Sanierungsberatungen mit der Verwaltung gewesen.

Zur jüngsten Stadtratssitzung erläuterte der Investor aus Leipzig seine Pläne, die er selbst mit zwei Betreibergesellschaften umsetzen möchte. "Die Herberge ist die Stadt", nannte er vor knapp 70 Besuchern gleich zu Beginn das Motto, unter das er sein Projekt stellt. Drei mögliche Ausrichtungen des Hauses standen einer Studie zufolge zur Debatte: "Sport/Gesundheit", "Outdoor/Natur" und "Bildung/Kultur". Die Entscheidung fiel für letzteres Profil. Toralf Zinner sieht darin das größte Potenzial. Natürlich ordnet er diesem Bereich auch den Endurosport zu. In Verbindung mit der von DKW und MZ geprägten Industriekultur sei diese Sparte schon fast Kult, den es zu nutzen gelte. Biker, die vom Geburtsort des Motorradbaues angelockt werden, zählt Zinner ebenso zur Zielgruppe wie die Zuschauer zahlreicher Motorsport-Veranstaltungen im mittleren Erzgebirge. Das sind nur zwei von vielen Puzzleteilen, die den Betrieb der Herberge sichern sollen.

Zugleich ist dem Investor wichtig, Menschen mit Handicap einen Urlaub zu ermöglichen. "Da gibt es riesigen Bedarf." Schulausflüge, die sich etwa im Paket mit Hallenbadbesuchen kombinieren lassen, spielen in seinen Überlegungen ebenso eine Rolle. Bei Bildungsangeboten hat Zinner nicht nur die junge Generation im Blick: "Wir sehen Zschopau als einen Ort für kleine Kongresse und Symposien." So könne er sich Wochenseminare für Verwaltungsmitarbeiter oder Bürgerbildungs-Workshops vorstellen. Ziel sei, mindestens einmal im Jahr Konferenzen über drei bis fünf Tage nach Zschopau zu holen. Für die Teilnehmer könnten sich dann abends das Schloss, die Innenstadt oder die nahe Natur als Anziehungspunkte erweisen. Gegessen werden soll hauptsächlich in der Herberge - genauer gesagt im Erdgeschoss des Stadtcafés, das für die gastronomische Versorgung vorgesehen ist. "Vielleicht später auch mal mit Außengastronomie für die Öffentlichkeit", fügt Toralf Zinner an. Vorerst sei das aber trotz der ihm zugetragenen Wünsche von Einwohnern kein Thema. Das Herbergsgewerbe soll zunächst im Mittelpunkt stehen.

Für weitergehende Aufgaben wie das Bündeln von attraktiven Angeboten oder die Kooperation mit anderen Tourismuseinrichtungen soll die Denkmalsozial herangezogen werden. Die gemeinnützige GmbH hat sich unter anderem der Förderung von Erziehung und Bildung sowie des bürgerschaftlichen Engagements verschrieben. Toralf Zinner führt die Geschäfte. Der Hauptbetrieb der Herberge ist unterdessen Sache der Denkmalentwicklung Erzgebirge GmbH (Denkmal.Erz). In beiden Häusern sind mit der Sanierung sieben Zweibett-, 15 Vierbett- und acht Sechsbettzimmer geplant. Die Doppelstockbetten in den Zimmern dürften zwar den typischen Jugendherbergscharme versprühen. Toralf Zinner spricht allerdings von einem Standard, der dem eines Hotels nahekommen soll.

Trotzdem erwartet er keine Wunderdinge. Das wirtschaftliche Betreiberkonzept - Basis für Pachtangebot und Bankfinanzierung - geht im ersten Jahr (2023) von einer durchschnittlichen Auslastung aus, die bei 29,5 Prozent liegt. Nach den Erwartungen soll diese bis 2025 auf 31,8 Prozent steigen. Angebote zu Rundtouren für Motorradfans könnten diese Entwicklung laut Zinner ebenso ankurbeln wie E-Bike-Verleihstationen. In den Bau der Herberge sollen aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" 2,8 Millionen Euro Fördermittel fließen. Dazu kommen neben dem Eigenanteil der Stadt - 780.000 Euro - annähernd 700.000 Euro vom Investor selbst. (mit mik)

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