Stiftung Tholm soll Bürger in Thalheim zusammenbringen

Der Unternehmer Martin Schweitzer geht einen neuen Weg. Doch seine gemeinnützige Stiftung ist ein Angebot, für dessen Gelingen er nicht allein sorgen kann und will.

Thalheim.

Martin Schweitzer hat ein Händchen für erfolgreiche Projekte: Er hat sich 1986, also noch zu DDR-Zeiten, als Werkzeugmacher selbstständig gemacht. Nach der Wende hat er mehrere Unternehmen erfolgreich geleitet, auf internationales Parkett und an die Weltspitze geführt. Inzwischen ist der Thalheimer 67 Jahre alt. Langsam will er kürzertreten im Unternehmerleben. Doch das heißt nicht, dass er sich aufs Altenteil zurückziehen will. "Jemand wie ich, der etwas für seine Heimat tun kann, sollte etwas zurückgeben", lautet sein Credo.

Auf die Frage, wie das jetzige Engagement mit den Querelen rund um den inzwischen liquidierten Gemeinnützigen Förderverein Thalheim/Erzgebirge (GFTE) und das Berufsbildungszentrum zusammenpasst, winkt er ab: "Das ist ein ganz anderer Ansatz. Da gibt es keinerlei Berührungspunkte. Der GFTE ist aus der Not heraus entstanden." Der Gemeinnützige Förderverein hatte in Thalheim zeitweise bis zu 500 Leute beschäftigt, war nach der Wende vor allem Auffangbecken für Arbeitslose.

Für Schweitzer inzwischen ein überholtes Modell, von dem aus er schnell zu seinem ureigenen Anliegen kommt: zentrumsnahe Industriebrachen, die dem Ortsbild nicht gut tun. Einer solchen Ruine hat er sich angenommen. Binnen eines Jahres hat seine Familie das historische Hanisch-Ensemble saniert, das nach jahrelangem Leerstand und Vandalismus schon fast vor dem Abbruch stand. Im Herbst 2018 ist es bezugsfertig geworden, die Wohnungen im Haus sind inzwischen vermietet. Mit den etwa 200 Quadratmetern im Erdgeschoss jedoch will Schweitzer Gutes tun: Die Fläche soll Thalheimer Bürgern und Vereinen zur Verfügung stehen.

Dafür wurde eine sogenannte Verbrauchsstiftung gegründet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stiftungen, die quasi für die Ewigkeit gegründet werden, steht die Lebensdauer hier von vornherein fest: Die Stiftung Tholm wird ihr Stiftungskapital von 200.000 Euro in den nächsten zehn Jahren "für kulturelle und mildtätige Zwecke" aufbrauchen. Die Gemeinnützigkeit der Stiftung ist bereits anerkannt. Zusätzliche Spenden können somit angenommen und sofort verwendet werden. Und diese sind nötig, denn die Finanzplanung geht von Aufwendungen in Höhe von etwa 100.000 Euro pro Jahr aus. Einen Teil davon will wiederum Stiftungsvorstand Schweitzer einbringen. Weitere Mittel erhofft er sich von Firmen und ehemaligen oder jetzigen Thalheimern.

Die Vielfalt der Vorhaben vermag Schweitzer nur anzureißen, denn die Stiftung will für fast alles offen sein. Für 2019 sind bereits vier Ausstellungen geplant. In der ersten davon sind ab dem morgigen Sonntag Naturfotografien von Mike Gutschalk und Aquarelle von Ilona Hartmann zu sehen. Die Hobbykünstlerin Ilona Hartmann kommt zwar aus Stollberg, ist mit den Ausstellungsräumen aber auf besondere Weise verbunden: "In meiner Lehre zur Verkäuferin habe ich 1978 für ein Vierteljahr in der hier ansässigen HO gearbeitet. Das Geschäft war unter den Thalheimern als 'Scherbelladen' bekannt." Ab 10. März folgt ein künstlerisches Highlight. Dann sind Arbeiten des 1941 in Thalheim geborenen Kunstpädagogen Roland Unger zu sehen, der lange Zeit als Professor in Dresden gewirkt hat. Geplant sind zudem eine Hobby- und eine Weihnachtsausstellung.

Daneben soll es verschiedene Veranstaltungen in den Räumen geben. Zu den ersten erfolgreichen Angeboten gehörten kostenlose Infoabende zum Umgang mit dem Smartphone. Rund 60 Besucher wurden hier zuletzt gezählt. Deshalb soll diese Richtung ausgebaut werden. Auch sind unter anderem Bastel-Workshops und Malzirkel, Leseabende und Musikabende geplant. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn in den Räumen steht ein 1924 in Thalheim gebautes Kreyssig-Klavier, das der Stiftung als Sachspende übertragen wurde.

Nicht zur Verfügung stehen die Räume für Privatveranstaltungen, politische und rein kirchliche Zwecke. "Ich will hier Leuten einen Raum geben, die ihr Leben lang im Stillen gearbeitet haben", erläutert Schweitzer, der seine Stiftung auch mobil machen will: Ab April soll ein Bus mit 32 Plätzen zur Verfügung stehen, mit dem Besucher zu Veranstaltungen geholt werden können. Den Bus kann jeder Thalheimer Verein auch einmal jährlich für eigene Veranstaltungen ausleihen.

Die Ausstellung mit Werken von Mike Gutschalk und Ilona Hartmann wird am morgigen Sonntag um 14 Uhr unter dem Titel "Die Puschelbande vom Wille-Gottes-Stolln" eröffnet und ist an diesem Tag bis 17 Uhr geöffnet.www.tholm.art

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