Stollberg setzt auf einen flexiblen Stadtbus und Fahrradverkehr

Die Große Kreisstadt stellt sich im Bereich Mobilität neu auf. Das soll die Straßen entlasten und die Aufenthaltsqualität - speziell im Zentrum - erhöhen. Erste Ideen werden bereits ausgearbeitet.

Stollberg.

Der geplante Citybahnausbau wird der Großen Kreisstadt Stollberg eine Art innerstädtische Straßenbahnlinie bringen. Der Baubeginn ist für 2021 geplant. Ein Termin, der einen gewissen Optimismus voraussetzt. Denn das Vorhaben hat sich zuletzt immer wieder verzögert. Zurzeit wird das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Die Stadt Stollberg konzentriert sich derweil auf Dinge, die sie selbst beeinflussen kann.

Eine Idee, die zurzeit mit potenziellen Partnern, wie dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und dem ADAC, entwickelt wird, ist eine flexible Stadtbuslinie. Diese soll die Ortsteile und das Zentrum verbinden, und zwar bei Bedarf. Bürger können ihrerseits gewünschte Fahrtziele und -zeiten anmelden. Die werden gesammelt und ein Computerprogramm errechnet aus diesen Wünschen eine mögliche Route. Der Fahrgast hat dann die Möglichkeit, die Fahrt zu bestätigen oder abzusagen. "Das könnte in frequenzschwachen Zeiten ein sinnvolles Angebot sein", sagt Anja Baumann aus der Stadtplanung des Rathauses. Realisiert werden kann das Vorhaben mittels eines Kleinbusses. "Die Frage wird sein, was ein solcher Service kostet und ob wir als Stadt die Finanzierungslücke schließen wollen", sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt.

Der Verkehrsverbund steht einer Erweiterung des ÖPNV-Netzes grundsätzlich positiv gegenüber. Eine Entscheidung liege allerdings beim Erzgebirgskreis. Größere Auswirkungen auf die Regionalbuslinien seien nicht zu erwarten, heißt es seitens des VMS. Zudem könne die bestehende Stadtbuslinie - den Schülerverkehr ausgenommen - vollständig in das System integriert werden. Der notwendige Kleinbus könnte außerdem von den Vereinen genutzt werden oder aber als bezahlter Bringedienst für diverse Jugendfreizeitangebote in der Stadt. "Wir sind gerade dabei, den Bedarf zu klären", sagt Schmidt.

Darüber hinaus lässt die Stadt Stollberg derzeit in Verkehrskonzept für den Innenstadtbereich erarbeiten. "Mit der Entwicklung des Simmel-Areals hat sich einiges verändert, sodass das jetzt einfach dran ist", sagt Schmidt. Ziel sei es, den Autoverkehr zu reduzieren. Auch über eine Anbindung der Shoppingmeile auf der Herrenstraße mit dem Simmel-Areal werde nachgedacht. Zudem soll es attraktiver gemacht werden, gewisse Wege mit dem Fahrrad zu absolvieren. Das könne etwa dadurch geschehen, dass der Fahrradverkehr auf gewissen Straßen vor dem Autoverkehr priorisiert wird oder Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung für Fahrräder freigegeben werden. E-Mobilität im Fahrradbereich wird in dem Konzept ebenso eine Rolle spielen wie auch das bestehende Car-Sharing, das perspektivisch mit größeren Fahrzeugen ausgestattet werden müsste. "Es geht darum Anreize für eine neue Mobilität zu schaffen", sagt Schmidt, der betont, nicht den Autoverkehr abschaffen zu wollen. Eine Reduzierung des Autoverkehrs - da ist Schmidt sicher - hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch der Stadt. "Wir könnten die Aufenthaltsqualität in der Stadt steigern und die Bürger so ermutigen, mal einfach nur Mensch zu sein", skizziert Schmidt seine Vision.


Kommentar: Das Zentrum entschleunigen

Ein Hauch mediterranes Lebensgefühl könnte bald in Stollberg einziehen. Das neue ÖPNV- und Verkehrskonzept soll im Idealfall die Anzahl der Autos reduzieren und dadurch ebenfalls Lärm und Luftverschmutzung. Auf dem Hauptmarkt, wo jetzt noch Autos parken, könnten irgendwann Sitzgelegenheiten stehen oder sogar Getränke serviert werden. Das sind hohe Ziele. Vielleicht werden sie verfehlt. Doch es lohnt sich, in diese Richtung zu denken. Denn so wird die Stadt lebenswerter und kann ganz neuen Charme entwickeln.

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