Strom-Obmann für 249 Garagen - bitte melden!

Für Betroffene ist es ein Skandal, für Stollbergs Oberbürgermeister eine Geduldsprobe - und für Außenstehende ist das alles Kindergarten: Der Zoff um 25 Euro Ablese-Gebühr für Strom im Jahr eskaliert. Dabei wäre die Lösung simpel. Eine Blick hinter die Mechanik eines sonderbaren Streits.

Stollberg.

Zum Verständnis zunächst die Ausgangslage: Es geht um 249 Garagen an der Kleiststraße in Stollberg. Die Gesellschaft für Wohnungsbau mbH (GfW), eine Tochter der Stadt, sollte künftig die Strom-Abrechnungen für die meist überalterten Pächter übernehmen, so deren Wunsch. Die meisten Garagen sind mit einer Steckdose und und einer Lampe ausgestattet. Mehr nicht. Klingt also unkompliziert.

Doch es bedurfte acht Verhandlungsrunden mit dem Technik-Leiter der GfW, bis alle sich geeinigt hatten: für den jährlichen Stromverbrauch (2,60 Euro), jährliche Wartung der Anlagen (1 Euro) plus Jahrespauschale von 1,40 Euro zahlen die Pächter insgesamt 5 Euro - zuzüglich weiteren 5 Euro Bearbeitungsgebühr im Jahr. Macht 10 Euro pro Garage. Wohlgemerkt: jährlich.

Doch den schweißtreibend ausgehandelten Pakt seines Technik-Chefs mit den Pächtern wollte Marcel Schmidt, Oberbürgermeister und Geschäftsführer der GfW, nicht unterschreiben. Er fordert nicht 10, sondern 25 Euro für alles. Seither ist dicke Luft zwischen Kleiststraße und Rathaus. So auch beim Krisengipfel jüngst im Bürgergarten.

Einlader Schmidt, dessen Verhalten in Briefen des Garagenvorstands als ganovenhaft bezeichnet, sagte: Eine Arbeitsstunde der GfW kostet etwa 25 Euro, so viel Zeit muss er für das Stromablesen einkalkulieren. Zudem fordert die Stadt ja nun schon wirklich eine niedrige Pacht. Und: Es sei zwar nicht "in Ordnung", plötzlich höhere Gebühren zu verlangen, aber die Gespräche hätten juristisch, so Jurist Schmidt, nur den Status von Vorverhandlungen.

Er erinnerte dann daran, dass man hier monatelang wegen zwei Euro und 8 Cent Monatsgebühr diskutierte - oder 25 Euro im Jahr. "Ich will nicht mehr streiten, sie müssen unser Angebot ja nicht annehmen", so Schmidt genervt. Er verglich dies mit einem VW-Passat, zehn Jahre alt. Angebot des Händlers: 80.000 Euro. "Hier ist es doch auch ganz einfach: Ich kaufe diesen Wagen zu diesem hohen Preis einfach nicht."

Doch der Zoff ist mittlerweile komplizierter, es geht vielen ums Prinzip. Andere wiederum blicken bei dem Kuddelmuddel nicht mehr durch. Laut Schmidt hätten viele Pächter gar kein Problem mit den geforderten 25 Euro. "Es sind mittlerweile fast 180 Verträge unterschrieben." Es gibt aber auch fast 30 Widersprüche. Mit etwa drei Dutzend Ex-Pächtern wurden zudem schon Mietverträge abgeschlossen. Diese müssen übrigens nur zehn Euro Gebühr - anfangs für alle 249 Garagen gedacht - an die GfW zahlen. Bevorzugung? Schmidt: "Nein, diese zahlen ja auch eine höhere Miete."

Ein Pächter fragte, ob überhaupt jeder von dem 10-Euro-Plan gewusst hätten. Eine Frau fragte zudem, warum es die GfW nicht zuerst mit den besagten zehn Euro versuche. Stelle sich später Mehraufwand heraus, könne die GfW immer noch die Gebühr erhöhen. Schließlich, so Vorstand Gerd Steinel zuvor, werde von dem Stromanbieter eine Zählung gemacht, der Strompreis dann durch die Zahl der Pächter geteilt. "Das ist ganz ganz einfach. Herr Schmidt, sie haben keine Ahnung", so Steinel. Doch Schmidt blieb ruhig. Er entschuldigte sich bei den Pächtern für GfW-Briefe, in denen die 25-Euro-Stromabzähl-Verträge eiligst binnen vier Tagen unterschrieben zurückgesendet werden sollten.

"Wenn Sie aber, Herr Steinel, sagen, alles sei so einfach, dann werden Sie doch sicher einen aus ihren Reihen finden, der den Job für zehn Euro pro Garage macht." Schmidt rechnete vor: Bei knapp 250 Garagen pro Pächter je zehn Euro Einnahme - die Stromkosten abgezogen - würde dieser grob gerechnet 1500 Euro im Jahr bekommen. "Nach Steuern", so Schmidt.

Davon hätten alle was: Die Stadt wäre aus dem Kuddelmuddel raus. Die Pächter müssten nur zehn Euro zahlen. Und der Helfer wäre mit grob 125 Euro im Monat ein wenig reicher - und ein gefeierter Retter.

Vielleicht saßen gleich mehrere solcher Retter im Auditorium. Denn es war, freilich nur kurz, bei der Idee ganz still im Bürgergarten-Saal.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    kartracer
    04.10.2016

    Unglaublich, welche Stielblüten doch
    die Dummheit treibt!
    Die Zeit der Geschenknation gibt's nicht mehr,
    Hausbesitzer können auch nicht über die Höhe von
    verschiedensten Gebühren verhandeln.
    Vorschlag: Stromleitung kappen, dann kann sich jeder
    nach Bedarf eine Petroleumlampe für3 ? und nach
    Bedarf einen Generator reinstellen.
    Einfach nur beschämend!!!



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