Tempo 30 an Schulen nimmt Fahrt auf

Mittlerweile laufen die Kinder fast jeder zweiten Grundschule im Altkreis auf ungefährlicherem Terrain: Autofahrer müssen dort langsam fahren. Anderswo soll dies auch festgelegt werden, erste Anträge der Kommunen liegen vor. Doch ist das immer nötig?

Gornsdorf.

Eine Rennstrecke mitten durch den Ort. Das ist die Hauptstraße in Gornsdorf, vor allem zwischen Grundschule und Kindertagesstätte. Findet zumindest Bürgermeisterin Andrea Arnold - und mit ihr die Mitglieder des Gemeinderates. "Wir kriegen ja täglich mit, was dort los ist", sagt Arnold. Denn das Rathaus der Gemeinde liegt auf dieser knapp 300 Meter langen Strecke, die die Grundschüler mitunter zweimal täglich zurücklegen müssen: wenn sie zum Essen in den Speisesaal im Gebäude der Kita gehen und zum Sportunterricht in die angrenzende Turnhalle. Das vergessen wohl manche Autofahrer, wie Andrea Arnold berichtet. "Wenn man in dem Bereich 50 fährt, gilt man ja schon als Verkehrshindernis. Da wirst du gnadenlos überholt."

Daher will die Gemeinde Gornsdorf zwischen eben jener Kita und Grundschule Tempo 30 beim Landratsamt beantragen.

Möglich macht dies ein Beschluss der Verkehrsminister von Bund und Ländern. Seit wenigen Monaten ist Tempo 30 vor Schulen, Kitas, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen einfacher umzusetzen. Bisher musste immer erst nachgewiesen werden, dass ein besonderer Unfallschwerpunkt besteht.

Doch wie ist die Situation derzeit im Altkreis - beispielsweise bei den Grundschulen? Laut Gerd Lorenz, dem Chef des Verkehrszentrums Stollberger Land sind bei fast der Hälfte aller Einrichtungen Schilder mit Tempo 30 aufgestellt. "Es kann auf jeden Fall nicht schaden, allerdings steht schon an jeder Schule das Schild 136." Es ist ein rot umrahmtes Dreieck mit laufenden Figuren, es bedeutet "Achtung, Kinder!" und warnt davor, dass sich hier Kinder auf der Straße befinden oder darüber laufen können. Es mahnt Autofahrer zur besonderen Vorsicht. "Dies hat aus unserer Sicht eine höhere Wertigkeit als Tempo 30." Gegen Letzteres hat Lorenz zwar nichts einzuwenden, plädiert aber für eine zeitliche Gültigkeit von Tempo 30. "Die Schilder könnten etwa nur zu Schulbeginn oder -ende gelten." Dieser Vorschlag kam auch im Gornsdorfer Gemeinderat auf. Lorenz' Motto: Autofahrer sollten nicht ohne Grund über Gebühr ausgebremst werden, sondern nur dann und dort, wo es wirklich notwendig ist. Zudem sollten sich die Gemeinden bewusst sein, ob sie die Tempo 30 auch überwachen können, argumentiert Lorenz. Sonst seien diese Schilder nutzlos, wenn jeder wisse, dort werde sowieso nicht kontrolliert.

Fakt ist: Es gibt hohe Unterschiede bei Autofahrern in der Wahrnehmung des Verkehrsraums - allein schon zwischen 30 und 50 Stundenkilometern. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schreibt etwa auf seiner Internetseite: "Aus der Verkehrspsychologie ist bekannt, dass die Wahrnehmung des Straßenraums in hohem Maße vom Geschwindigkeitsverhalten abhängt. Bei höherem Tempo ist der Blickpunkt wesentlich weiter vom Fahrer entfernt, bei Tempo 30 hingegen ist das Blickfeld breiter, sodass der Fahrbahnrand besser wahrgenommen wird. Andere Verkehrsteilnehmer werden eher erkannt."

Matthias Lorenz, Trägervereins-Vorsitzender der Grundschule Hormersdorf, plädiert jedenfalls für ein zusätzliches Tempo-30-Schild an der Lerneinrichtung. Zusammen mit vielen Eltern sei dieses Verkehrszeichen schon jahrelang die Forderung gewesen. "Ein Antrag von uns wurde aber damals abgelehnt." Nun habe die Stadt Zwönitz erneut einen solchen für die Grundschule Hormersdorf - und Brünlos - dem Landratsamt vorgelegt.

Das Verkehrszentrum StollbergerLandbietet heute 19 Uhr in der Gaststätte "Viehweger" in Neuwürschnitz eine Schulung für Verkehrsteilnehmer. Referent Gerd Lorenz spricht unter anderem zu Aktuellem aus der Straßenverkehrsordnung - auch zu Tempo 30.

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