Thalheim will Subbotniks wiederbeleben

Weil der Bauhof an seine Grenzen stößt, versucht der Bürgermeister Einwohner zu motivieren. Wer der Stadt helfen will, kann Pflegepatenschaften übernehmen. Auch ein Arbeitseinsatz ist geplant - an einem Dienstag, auch wenn er nach einem Sonnabend benannt ist.

Thalheim.

Subbotnik, das dürfte vielen Ex-DDR-Bürgern noch ein Begriff sein. Er leitet sich vom russischen Subbota (Samstag) her und meint einen unbezahlten, kollektiven Arbeitseinsatz. Als sich ein Thalheimer im jüngsten Rat über ungepflegte Grünflächen beschwerte, war das Wort plötzlich wieder zu hören. Zunächst wies Bürgermeister Nico Dittmann darauf hin, dass der Bauhof einige Streifen bewusst stehen lässt - zugunsten von Insekten. Doch dann räumte er ein: Aus personellen Gründen schafft der Bauhof nicht alles, was er schaffen müsste. "Da bin ich ganz ehrlich."

Dittmann will deshalb Bürger gewinnen, die künftig freiwillig in der Stadt mit anpacken, etwa bei einem Subbotnik. Wie das alles organisiert wird, ist noch offen, es kursieren viele Ideen. Pflegepatenschaften seien denkbar, sagt Sylvia Schlicke, die für die Stadt als Quartiersmanagerin arbeitet. "So könnten wir das Zusammenspiel zwischen Bürgern und der Kommune stärken."

Laut Dittmann haben sich bereits mehrere Interessenten gemeldet, außer Privatleuten auch die örtliche Gruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Schon jetzt kümmern sich einige Betriebe freiwillig um Flächen, für die eigentlich die Stadt zuständig ist. So pflanzt die Inhaberin des Kiosks am Rathaus Blumen am Brunnen. Und eine Mitarbeiterin der Blumenbinderei Dost an der Hauptstraße hat sich bereit erklärt, demnächst ein angrenzendes Grundstück zu pflegen. Auch die bepflanzten Kübel vor dem Rathaus gehen auf das Konto der Firma.

Zwar haben nicht alle genug Zeit, um selbst Hand anzulegen. Ariane Meyer-Beer, eine Thalheimerin, kann sich allerdings vorstellen, Arbeitseinsätze zu sponsern, vielleicht mit Kaffee und Würstchen. "Das wär gar kein Problem." Und sie hat eine weitere Idee: Wenn die Stadt Kübel an der Hauptstraße aufstellen würde, könnten Anlieger für die Pflanzen Sorge tragen. Zudem schlägt sie der Verwaltung vor, die Einwohner, die helfen, auch finanziell zu entlohnen. "Den Gedanken wollen wir weiterspinnen", sagte Dittmann.

Sylvia Schlicke hat einige Orte ins Auge gefasst, die dringend aufgehübscht werden müssten, der Platz der Generationen etwa. "Der sieht wirklich noch nicht so gut aus." Auch für den Bereich rund um die Kreuzung Stollberger Straße/Hauptstraße wird derzeit nach einer Lösung gesucht.

Der erste Termin für einen Subbotnik steht bereits fest. Es ist allerdings kein Sonnabend. Die Freiwilligen treffen sich an einem Dienstag.

Der erste Arbeitseinsatz ist für Dienstag, 18. September, 17 Uhr angesetzt. Treffpunkt ist am Rathaus. Wer Ideen hat oder mitmachen will, kann sich bis zum 31. August melden, bei Elisabeth Borbe (03721/26226) oder bei Sylvia Schlicke (03721/26212).


Kommentar: Stadt derAnpacker

Bemerkenswert, diese Thalheimer, die sich mit viel Engagement um ihre Stadt kümmern. Schließlich könnten sie mit gutem Recht sagen: Wir zahlen doch Steuern. Warum sollten wir jetzt in unserer Freizeit arbeiten, und das auch noch unentgeltlich? Vielleicht denken einige tatsächlich so. Aber viele Einwohner können es offenbar gar nicht erwarten, mit anzupacken. Hut ab!

Auch dass der Bürgermeister so offen einräumt, der Bauhof sei überfordert, ist ungewöhnlich. Was andere als Armutszeugnis werten könnten, nehmen die Thalheimer zum Anlass, um den Zusammenhalt untereinander und die Identifikation mit dem Ort zu stärken.

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