Thomas Hänel aus Jahnsbach ist der Erzgebirger 2019

Der 38-Jährige, der seit vier Jahren Spenden für krebskranke Kinder sammelt, erhielt von allen zwölf vorgeschlagenen Alltagshelden die meisten Stimmen. Doch trotz des großen Vorsprungs lag er nicht überall vorn.

Stollberg.

Die Leser der "Freien Presse" haben sich entschieden: Thomas Hänel ist der Erzgebirger des Jahres 2019. Mit 561 von insgesamt 1781 per Telefonvoting sowie im Internet abgegebenen Stimmen erhielt der Jahnsbacher, der seit vier Jahren Geld zur Unterstützung des Elternvereins krebskranker Kinder Chemnitz und des Vereins Sonnenstrahl in Dresden sammelt, den mit Abstand höchsten Zuspruch. Auf den zweiten Platz mit 263 Stimmen wurde der zehnjährige Julien gewählt, der beim Angeln im Schieferloch zwischen Zwönitz und Affalter den sechsjährigen Luk vor dem Ertrinken rettete. Platz 3 ging mit 199 Stimmen an Ines und Ronald Kaulfuß aus Lengefeld, die ebenfalls Spenden für einen guten Zweck sammeln. Das Ehepaar, dessen 19-jährige Tochter Lydia 2006 an Morbus Wilson, einer seltenen, auch Kupferspeicherkrankheit genannten Stoffwechselerkrankung verstarb, hatte danach einen Stiftungsverein gegründet. Dieser leistet Aufklärungsarbeit und sammelt Geld für Betroffene sowie Forschungsprojekte.

"Huch, da muss ich erst mal kurz durchatmen", sagte der hörbar gerührte Sieger, als ihn der Anruf von "Freie Presse" am gestrigen Neujahrstag aus dem Mittagsschlaf weckte. "Ich war überrascht, als mich aufgrund der Online-Abstimmung kurz nach Mitternacht schon die ersten Glückwünsche erreichten, reagierte aber zurückhaltend, weil ja auch telefonisch abgestimmt wurde. Für mich ist es schon eine große Ehre, überhaupt auf so einer Vorschlagsliste aufzutauchen."

Seit vier Jahren sammelt der 38-Jährige Spenden, mit denen er krebskranken Kindern, ihren Geschwistern und Eltern gemeinsame Erlebnisse und Ausfahrten mitfinanziert: "Schon bei der Spendenübergabe an die Vereine erfahre ich meist, wofür die Mittel verwendet werden. Wenn Kinder so schwer erkranken, ist das auch für deren Geschwister keine leichte Zeit. Da können Familien mit gemeinsamen Erlebnissen zusammen Kraft tanken."

Eine Begegnung mit krebskranken Kindern hatte damals den Impuls zum Sammeln bei dem Jahnsbacher ausgelöst, die Aktion in den sozialen Medien dann Fahrt aufgenommen. 2018 sind so mehr als 15.000 Euro zusammengekommen. Auch diesmal rechnet Thomas Hänel noch bis Mitte Januar mit Spenden: "Momentan beträgt der Stand knapp 10.000 Euro. Das ist also wieder eine gewaltige Summe."

Der 38-Jährige, der als Straßenwärter bei der Straßenmeisterei Stollberg arbeitet, steht nach eigenem Bekunden eigentlich gar nicht so gern im Rampenlicht: "Aber ich habe gelernt, dass man für einen guten Zweck auch Gesicht zeigen muss." Was ihn besonders freut: "Ich hatte 2019 Zuschriften im Briefkasten, die nicht nur Geld enthielten, sondern in denen mir die Absender auch handschriftlich für mein Engagement gedankt haben. Diese positive Resonanz hat mich bestärkt."

Trotz des klaren Sieges des Jahnsbachers: Während er bei den Online-Wählern vorn lag, hat in der Telefonumfrage ein anderer das Rennen gemacht: Siegfried Ott aus Johanngeorgenstadt. Er sorgte dafür, dass eine Gruppe großer Holzfiguren von böhmischen Exulanten, die vor 365 Jahren Johanngeorgenstadt gegründet hatten, in der Bergstadt zu besichtigen ist. 123 Leser beeindruckte dieses Projekt am meisten. Online verbuchte Ott jedoch mit lediglich 52 Stimmen nur Platz 8, womit er insgesamt Rang 4 erreichte. Thomas Hänel hatte bei der Telefonumfrage mit 40 Stimmen Platz 2 erzielt.


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