Todesfahrer von Niederlungwitz legt überraschend Geständnis ab

Im Fall eines getöteten Radfahrers aus Niederlungwitz steht das Urteil des Landgerichts noch aus. Unter der erdrückenden Beweislast räumte der Angeklagte am zweiten Prozesstag nun alle Vorwürfe ein.

St. Egidien.

Er hat ein Menschenleben auf dem Gewissen. War es das wert? Das hätte sich der Angeklagte am 12. November vorigen Jahres fragen sollen, bevor er sich bei einem Beziehungsstreit betrank, sich dann mit 1,65 Promille in seinen VW setzte und nach St. Egidien raste, wo er wohnte. Am Mittwoch wurde der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Zwickau unter anderem wegen versuchten Mordes durch Unterlassen fortgesetzt.

Auf der langen Geraden in Niederlungwitz war das Auto in der Dunkelheit gegen 19.55 Uhr auf die Gegenfahrbahn geraten und hatte frontal einen Radfahrer erwischt. Das Opfer, ein 57-jähriger Mann aus Niederlungwitz, verstarb mit abgerissener Aorta und einem offenen Bruch des linken Oberschenkels noch an der Unfallstelle.


Der Todesfahrer - er war nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis - hatte einfach das Weite gesucht, ohne dem Unfallopfer zu helfen. Ein Zeuge, der den Unfall sah, ließ damals seine Frau bei dem Opfer zurück, alarmierte die Polizei und nahm die Verfolgung auf. Am Schäller kam das gesuchte Auto den Beamten entgegen. Der Lupo-Fahrer ignorierte das Stopp-Signal, hielt nur kurz an, umkurvte dann die Beamten und versuchte zu entkommen. "Uns war klar, dass es der Täter war. Die Frontscheibe war deformiert und der Scheinwerfer zerstört", sagte der Polizeibeamte vor Gericht. Weil sich der alkoholisierte Fahrer wehrte, wurde er zunächst fixiert. Den Polizisten tischte er damals auf, er habe geglaubt, dass er nur ein Tier überfahren habe. Am zweiten Verhandlungstag überraschte er unter dem Druck der Beweislast mit einem Geständnis. "Sie haben den Unfallort verlassen, um zu vermeiden, dass Sie alkoholisiert und ohne Führerschein erwischt werden. Ihnen war bewusst, dass Sie erheblichen Personenschaden verursacht haben. Sie haben in Kauf genommen, dass der Mann verstirbt", so Staatsanwalt Gerhard Veit im seinem Plädoyer.

Verteidiger Friedhelm Strake: "Es gab eine zweite Frau in seinem Leben, das war der Streitpunkt des Ehekrachs. Er wollte damals vor der Wahrheit weglaufen und hat mit dem Unfall unermessliches Leid in die Familie des Opfers gebracht." Bei den Angehörigen des Opfers wühlte der Prozess die Emotionen wieder auf. "Es war die schrecklichste Nachricht meines Lebens", sagte die 64-jährige Lebensgefährtin des Opfers. Ihr Partner hatte gerade den Kehlkopfkrebs überstanden, langsam kehrte die Normalität ins Leben der Familie zurück. Der 57-Jährige ging schon wieder zum Tischtennistraining. An jenem Abend war er gerade auf dem Heimweg von der Turnhalle, als es passierte. Der Stiefsohn: "Ich hatte am Nachmittag noch mit ihm Dart gespielt. Als er abends immer noch nicht zu Hause war und plötzlich die Feuerwehr bei uns vorbeifuhr, wusste ich, was passiert war. Wir sind zur Unfallstelle gefahren. Es war ein Schock." Die Anträge der Anwälte verstehen beide nicht. "Die Strafe wäre ein Witz", so der Stiefsohn.

Der Staatsanwalt will den Angeklagten für zwei Jahre und zehn Monate in Haft sehen, der Verteidiger hat zwei Jahre und sechs Monate beantragt. Das Urteil fällt am Dienstag.

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