Trotz Abgasskandal: Erzgebirger halten dem Dieselauto die Treue

Bundesweit gehen die Zulassungszahlen für Fahrzeuge mit Dieselmotor zurück. Im Landkreis werden es hingegen immer mehr. Autohändler haben dafür eine Erklärung.

Stollberg.

Der Dieselskandal und die Fahrverbote in einigen deutschen Innenstädten wegen der Luftreinhaltung haben die Besitzer von Dieselautos stark verunsichert und dem Handel schwer zugesetzt. Diesel adé, weil keiner ihn mag? Zumindest im Erzgebirgskreis sprechen die aktuellen Zulassungszahlen eine andere Sprache.

Als einer von wenigen Kreisen im Bundesgebiet hat der Bestand an Dieselautos in den vergangenen Jahren zugenommen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren zum Stichtag am 1. Januar 2017 51.737 Fahrzeuge im Erzgebirge gemeldet. Zwei Jahre später sind es bereits 53.804. Und in diesen Zahlen sind nur mit Diesel betriebene Personenkraftwagen eingerechnet, also noch keine Lastwagen und Traktoren.


Ist der Diesel im Kreis also im Trend? Auf den ersten Blick lassen sich die Zahlen nur schwer erklären. Immerhin gingen die Zulassungszahlen im Freistaat Sachsen insgesamt allein im Jahr 2017 um 10,1 Prozent zurück, wie das Kraftfahrt-Bundesamt weiter mitteilte. Für 2018 liegt noch keine Statistik vor.

Mehrere befragte Neu- und Gebrauchtwagenhändler bestätigen indes stabile Verkaufszahlen. Dafür kennen sie mehrere Gründe. Peter Scheffler, Filialleiter des Autohauses Autowelt Aktiv in Annaberg-Buchholz, vermutet, dass viele Erzgebirger entspannt mit dem Abgasskandal umgehen, weil es in der Region keine Fahrverbote gibt. "Mit einem Diesel habe ich hier kein Problem", sagt er. Ein weiterer Vorteil seien niedrige Preise beim Tanken.

Vor allem wegen der günstigeren Kosten-Nutzen-Bilanz gebe es für Vielfahrer keine Alternative, erklärt auch Andreas Krauß, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Gornau: "In den Betriebskosten ist ein Dieselwagen am besten. Die Erzgebirger sind 'zamnamsch', die können alle rechnen."

Dieselfahrzeuge werden zudem aktuell zu günstigen Preisen angeboten, wie Marktforscher der Deutschen Automobil-Treuhand ermittelt haben. Das bestätigt Erik Fritz, Vertriebsleiter beim Autohaus Leonhardt in Aue-Bad Schlema: "Es ist ein Preisverfall zu spüren. Das ist ein Anreiz."

Obgleich die Zahl der Dieselfahrzeuge steigt, nimmt auch der schadstoffarme Autobestand im Erzgebirgskreis immer weiter zu. So rollten zu Jahresbeginn beispielsweise 824 Hybridfahrzeuge durchs Erzgebirge, 2018 waren es 604. Auch die Anzahl der Elektroautos stieg, allerdings auf niedrigem Niveau: von 83Fahrzeugen im vergangenen Jahr auf aktuell 124.

Ein Vergleich mit dem Dieselbestand zeigt zudem: Während zum Stichtag am 1. Januar 2019 41 neue E-Autos im Erzgebirgskreis hinzukamen, waren es zeitgleich 945 Dieselautos - also gut 23-mal mehr.

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