Überraschung nach 13 Jahren: Die Geschichte hinter dem Foto

Nachrichten aus aller Welt stehen auf dieser Seite der "Freien Presse". Am 17.April geht es konkret um Mallorca und Rom - und ein Foto aus den Alpen ist abgedruckt. Es zeigt eine Familie beim Wandern und eine Kuh. Bei der Lektüre fällt einem Ehepaar aus Thalheim fast die Zeitung aus der Hand. Was war passiert?

Thalheim/Kals am Großglockner.

Als Erstes sieht Hartmut Biewald das große Euter der Kuh. Und dann die Jeanshose des Mannes. "Genauso eine hab ich auch", ruft der 75-Jährige, als er vor einer Woche am Frühstückstisch die "Freie Presse" liest. "Seit Ewigkeiten" haben er und seine Frau Ingrid die Zeitung abonniert, doch so etwas haben sie noch nie erlebt: Ein Foto, das die beiden beim Wandern in Österreich zeigt, gemeinsam mit Enkelin Larissa, steht groß im Hauptteil der Zeitung. 13 Jahre ist das her, Larissa ist längst erwachsen. "Das war eine Freude", sagt Hartmut Biewald. "Dabei haben wir gar nicht mitbekommen, dass wir fotografiert wurden. Der muss doch total weit weg gestanden haben."

Vielleicht 50 oder 60 Meter, schätzt Johann Groder. Er ist der Fotograf und stutzt kurz, als die "Freie Presse" ihn telefonisch in seiner Bildagentur in Kals am Fußes des Großglockners erreicht. Denn er hat Biewalds damals nicht gefragt, ob er sie ablichten darf. "In Zeiten des Datenschutzes macht man das heute natürlich nicht mehr. Und das Foto war bisher aber auch nicht veröffentlicht worden."


13 Jahre schlummerte es im Archiv des Fotojournalisten. Vor wenigen Wochen aber sprach ein Gericht in Innsbruck den Hinterbliebenen einer von Kühen zu Tode getrampelten deutschen Wanderin einen hohen Schadenersatz zu. Österreich veröffentlichte daraufhin am Dienstag vor einer Woche eine Liste von Verhaltensregeln für Wanderer, die auf Almen mit Weidebetrieb unterwegs sind. An diesem Tag meldete sich die österreichische Presseagentur APA bei Johann Groder. "Sie brauchten ein Foto zu der Nachricht. Bei uns liegt aber noch über ein Meter Schnee und die Tiere kommen erst Anfang Juni auf die Alm. Es gab keine Möglichkeit, ein aktuelles Foto zu machen." Also kramte Groder in seinem Archiv und fand das Bild der Biewalds. "Ich hab' damals einfach drauf gedrückt", erinnert sich der Fotograf. Vertreter seines Standes geben das nur ungern zu, muss man wissen. "Aber hier war es wirklich so. Die Situation war markant und ein bisschen witzig. Die Kuh steht auf, das Mädchen rückt etwas zurück. Eine allgegenwärtige Situation, aber keineswegs gefährlich", blickt Johann Groder auf das Ereignis im Sommer 2006 zurück.

Daran erinnern sich Hartmut und Ingrid Biewald auch noch, sie wissen genau, auf welchem Weg das Foto entstanden ist. "Wahrscheinlich hatte Larissa die Kuh gerade gefüttert", sagt der 75-Jährige. Er und seine Frau fahren seit 18 Jahren nach Lienz in Osttirol, nur dieses eine Mal begleitete sie die zehnjährige Enkelin. "Und am Tag zuvor hatte es in der Region ein heftiges Unwetter gegeben, deshalb waren da nicht viele Wanderer unterwegs", ergänzt Ingrid Biewald. Im Schrank der beiden liegt sogar noch die Kleidung, die sie auf dem Foto tragen. Die Biewalds scherzen gern darüber. "Mein Mann meinte ja als Erstes, dass der Mann die gleiche Hose anhat", sagt Ingrid Biewald und lacht: "Und stellen Sie sich vor: Dann war da auch noch seine Frau auf dem Bild."

Hartmut und Ingrid Biewald wollen sich beim nächsten Österreich-Urlaub in diesem Sommer mit Johann Groder treffen. "Er hat uns eine große Freude gemacht. Vielleicht trinken wir mal einen Kaffee zusammen."

Den Zeitungsausschnitt haben die Thalheimer ihrer Enkelin eingerahmt. "Sie hat sich kaputt gelacht. Das kann sie sich gleich in ihre erste eigene Wohnung hängen." Mehrfach sind die beiden in den vergangenen Tagen darauf angesprochen worden. "Wart ihr schon wieder in Österreich", wurden die Biewalds unter anderem gefragt. Am lustigsten aber war die Reaktion einer guten Bekannten, die sich einen kleinen Scherz erlaubt hat: Sie druckte das Bild neu aus und schrieb darüber: "Die Kuh sucht den Ochsen".

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