US-Amerikanerin näht zum Mauerfall

Ein besonderes Kunstwerk entsteht derzeit im Textil- und Rennsportmuseum. Das Wandbild der Künstlerin Andrea Meyers setzt sich textilkünstlerisch mit der Friedlichen Revolution 1989 auseinander.

Hohenstein-Ernstthal.

Ein dumpfes Rattern erfüllt seit Montag den Ausstellungsraum im Obergeschoss des Textil- und Rennsportmuseums in Hohenstein-Ernstthal. Unermüdlich arbeitet sich die Nadel einer Nähmaschine durch Jeansstoffe und technische Textilien. Die einzelnen Segmente werden von der amerikanischen Textilkünstlerin Andrea Myers mit flinken Händen zu rechteckige Stoffbahnen zusammengenäht. Stück für Stück entsteht so ein neun Meter langes textiles Wandobjekt in Patchworkart.

Das Ausstellungsprojekt der 40-Jährigen, das ab Samstag für Besucher im historischen Industriemuseum in der Antonstraße zu sehen sein wird, ist eine textilkünstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. "Die Installation setzt sich mit den Ereignissen der Friedlichen Revolution 1989 auseinander. Bilder von jungen Menschen, die in Jeans auf der Mauer sitzen gingen damals um die ganze Welt. Ich wollte das Szenarion auf meine Weise künstlerisch umsetzen", sagt die Amerikanerin.

Die Idee dazu entstand vor zwei Jahren. 2018 verbrachte Andrea Myers , die als Professorin für Kunst an der Kent State University in Ohio tätig ist, als Stipendiatin des Künstleraustauschprogrammes zwischen Columbus und dem Freistaat Sachsen zwei Monate in Dresden. "Während des Stipendiums besuchte ich das Museum in Hohenstein-Ernstthal und kam mit der Leiterin Marina Palm ins Gespräch. Nach dem Besuch erhielt ich eine Einladung, im Rahmen des Jahres der Industriekultur eine Ausstellung zu konzipieren", sagt die Kunstschaffende.

Für das Projekt hat das Museum ihr technische Textilien aus der Region Westsachsen und über 60 alte Jeanshosen zur Verfügung gestellt. "Wir hatten für die Jeanshosen einen Aufruf gestartet und waren überrascht, wie viele Hohenstein-Ernstthaler diesem gefolgt sind", sagt die Museumsleiterin, Marina Palm.

Am Freitag fliegt die Künstlerin wieder zurück nach Ohio. Bis dahin wird die Nähmaschine noch in Betrieb sein. "Es ist noch einiges zu tun. Zwei Collagen werde ich für die Ausstellung noch nähen. Ich bin aber optimistisch, dass ich bis Freitag alles geschafft habe", sagt die US-Amerikanerin. Von der Karl-May-Stadt habe sie bisher noch nicht viel gesehen: "Ich arbeite an dem Projekt von morgens bis abends. Da bleibt leider nicht viel Zeit für Erkundungen. Gestern war ich aber mit Marina im Postgut essen. Ich mag die deutsche Küche."

Die Textilkunst von Andrea Myers ist ab dem heutigen Samstag bis zum 19. April, Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr, im Textil- und Rennsportmuseum zu sehen.


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