Verband fordert ein Schutzhaus für Frauen

Mit einer Petition möchte der Landesfrauenrat dem Anliegen Nachdruck verleihen. Doch das Landratsamt sieht den Sachverhalt anders.

Stollberg/Annaberg.

Statistisch gesehen kommt in Deutschland alle drei Tage eine Frau durch die Hand ihres derzeitigen oder ehemaligen Partners ums Leben. Entsprechende Angaben der Polizei hatte die damalige Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) bereits 2016 öffentlich gemacht. Laut einer repräsentativen Umfrage des Familienministeriums haben zudem mehr als 25 Prozent der befragten Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt oder gar beides durch aktuelle oder frühere Partner erlebt. Jährlich flüchten in Deutschland deshalb mehr als 40.000 Frauen mit ihren Kindern in Schutzhäuser - davon circa 700 im Freistaat Sachsen.

Eine solche Einrichtung gibt es jedoch im Erzgebirgskreis nicht, beklagt Susanne Köhler, Vorsitzende des Landesfrauenrates. Der Dachverband der sächsischen Fraueninitiativen hat deshalb eine Petition gestartet, die eine flächendeckende Versorgung mit Schutzmöglichkeiten für Frauen und deren Kinder sowie das nötige Personal für die Betreuung fordert. "Wir sehen das auch unter ökonomischen Aspekten", sagt Köhler. Die betroffenen Frauen aus dem Erzgebirgskreis haben derzeit enorm lange Wege zu den nächstgelegenen Schutzhäusern in Chemnitz, Freiberg oder im vogtländischen Auerbach. Kommen noch Kinder im schulpflichtigen Alter hinzu, sei es kaum möglich, diese Distanzen und eine Arbeit zu bewältigen, so die Verbandsvorsitzende.

Diese Aussage bestätigt eine Sozialarbeiterin des Freiberger Frauenhauses, deren Name aufgrund des Opferschutzes nicht gedruckt wird. Vielen Frauen sei ihre Berufstätigkeit wichtig, die langen Wege zu den Schutzeinrichtungen außerhalb des Erzgebirgskreises sorgen allerdings dafür, dass bedrohte Frauen häufig eher bei Bekannten oder Verwandten unterkommen. Eine eigene Einrichtung im Kreis würde die Situation deutlich verbessern, so die Sozialarbeiterin. Die Freiberger Einrichtung bietet derzeit Raum für sechs Frauen und 14 Kinder. 2017 suchten insgesamt 31 Frauen das Schutzhaus auf, zwei davon aus dem Erzgebirgskreis. Der Freistaat hat die Direktive ausgegeben, dass schutzbedürftige Frauen die Einrichtung nach drei Monaten wieder verlassen müssen, sollten keine schwerwiegenden Gründe dagegen sprechen.

Clara Zimmermann, Sprecherin des Vereins Wildwasser, der sich in Chemnitz und im Erzgebirge gegen sexualisierte Gewalt stark macht, begrüßt die Petition. "Wir spüren bei unseren Beratungen, dass es im Erzgebirge einen großen Bedarf an einer solchen Einrichtung gibt", sagt Zimmermann. Auch Nadja Hiller, Teamleiterin im Annaberger Familienzentrum, äußert sich positiv: "Ein Schutzhaus ist wünschenswert, denn bisher fehlt es im ländlichen Raum an entsprechenden Angeboten."

Mehr als 1100 Unterschriften hat der Landesfrauenrat bisher gesammelt. Am 23. November soll die Petition auf dem Auer Markt an Landrat Frank Vogel (CDU) übergeben werden. Dessen Behörde sieht indes keinen Bedarf für eine solche Einrichtung. 22 Frauen und ebenso viele Kinder aus dem Erzgebirgskreis suchten 2017 eine solche außerhalb des Kreises auf, teilte eine Sprecherin des Landratsamtes mit. Bisher habe es laut den Erfahrungsberichten der vier Polizeireviere im Kreis ausgereicht, von der Wohnungsverweisung des Gewalttäters Gebrauch zu machen.

Einen Link zur Petition finden Sie unter:

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