Verbund macht "grüne Berufe" attraktiver

Um sich Nachwuchs zu sichern und diesem eine hochwertige Ausbildung anbieten zu können, bilden fünf Agrarbetriebe der Region gemeinsam aus. Mit Erfolg: Es hat ihnen Auszeichnungen eingebracht. Aber nicht nur das.

Dorfchemnitz.

Für Tony Kunz gab es keine Alternative: Er wird Landwirt, das habe er von klein auf gewusst, sagt der 16-jährige Dorfchemnitzer. Er habe Freunde, die Landwirtschaft betreiben, und auf dem Gelände der Agrargenossenschaft sei er schon als Junge herumgerannt oder auf dem Trecker mitgefahren. Seit 1. August macht er nun Ernst: Er hat in dem Unternehmen eine Lehre als Landwirt begonnen. Gemeinsam mit vier weiteren Auszubildenden des 1. Lehrjahres war er gestern in Dorfchemnitz, wo die jungen Leute mit den Abläufen der hier praktizierten Verbundausbildung vertraut gemacht wurden.

Denn die Jugendlichen - über alle drei Lehrjahre sind es aktuell elf - haben zwar ihre Ausbildungsverträge mit verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben der Region abgeschlossen, aber diese koordinieren seit 2011 ihre Ausbildung. Das heißt, die Azubis sammeln nicht nur im eigenen Betrieb praktische Erfahrungen, sondern lernen auch die Abläufe in den anderen Unternehmen kennen. Zudem werden sie zusätzlich zur klassischen Ausbildung in Speziallehrgängen auf vielen Gebieten geschult und sammeln praktische Erfahrungen - von Pflanzenschutz und Düngung über die Aussaattechnik bis hin zur Futterproduktion.

Zum Ausbildungsverbund Westerzgebirge, der vom Zwönitzer Maschinenring Westerzgebirge gegründet wurde, gehören neben der Dorfchemnitzer Agrargenossenschaft auch die Zwönitzer und die Agrargenossenschaft Spiegelwald, die Lößnitz/Stollberger sowie die Gornsdorfer Agrarproduktion (Goag). Ausgebildet werden Land- und Tierwirte, Fachkräfte Agrarservice sowie Fachpraktiker für Landwirtschaft. Für Bernd Voitel, Goag- Geschäftsführer und zugleich Vorstandschef des Dorfchemnitzer Unternehmens, trägt die Bildung des Verbundes seit einigen Jahren Früchte: Die Betriebe seien für ihre Ausbildung schon mehrfach ausgezeichnet worden, Dorfchemnitz wurde 2017 sogar Bundessieger bei den "grünen Berufen". Eine qualitativ hochwertige Ausbildung koste das Unternehmen mindestens 30.000 Euro sagt Voitel. Das hätten Studien ergeben, die man habe machen lassen. Aber das Geld sei gut investiert, komme den Unternehmen, die ja den Nachwuchs für sich selbst ausbilden, später zugute.

Und noch etwas mache sich bezahlt: Gabriele Leßmüller, die im verwaltungstechnischen Bereich die Fäden der Verbundausbildung zusammenhält, sorgt gemeinsam mit Lehrausbilder Marcel Einenkel auch für eine überbetriebliche Werbung nach außen - an Kitas, Schulen oder auf Messen. So habe man jedes Jahr eine ausreichende Anzahl an Bewerbern, sagt Voitel. Für Azubi Janine Bärthel beispielsweise hat die Verbundausbildung bei der Wahl des Ausbildungsbetriebes durchaus eine Rolle gespielt, sagt die 17-Jährige aus Aue. Ihren Ausbildungsvertrag hat sie wegen der Wohnortnähe mit der Agrargenossenschaft Lößnitz/Stollberg abgeschlossen.

Die jungen Leute gehen nicht ahnungslos oder blauäugig in die Landwirtschaft, erklärt Ausbilder Einenkel. Sie alle haben bereits Praktika oder Ferienjobs in einem der Betriebe geleistet, und wissen, was sie erwartet. Die fünf Neuen bestätigen das. Eric Grabner aus Hoheneck beispielsweise hilft zudem seinem Onkel auf dessen Hof, erzählt er. Und nicht ganz ohne Stolz ergänzt der 16-Jährige, dass schon Uropa, Oma und Onkel in dem Dorfchemnitzer Betrieb gearbeitet haben.

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