Verein plant Auffangstation für Wildvögel am Eisenweg

Nahe des Katzensteins soll ein verwaistes LPG-Gelände für eine neue Nutzung hergerichtet werden. Die Ideen sind recht konkret, doch das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Der Zeitplan ist jedoch ambitioniert.

Stollberg.

Noch deutet nichts darauf hin, was zwischen Stollberg und Affalter entstehen soll. Nahe dem Katzenstein auf dem zugewucherten ehemaligen LPG-Areal ist eine Wildvogelauffangstation geplant. Dort sollen hilfebedürftige Wildvögel und später auch andere kleine einheimische Wildtiere, wie Igel, Eichhörnchen, Feldhasen oder Fledermäuse aufgenommen, gesund gepflegt und schnellstmöglich wieder ausgewildert werden. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände sind dazu mehrere Volieren vorgesehen. Auch für die rund 700 Quadratmeter Gebäudefläche gibt es bereits Pläne: Dort ist ein Schulungsraum für Workshops und Schülergruppen geplant. Zudem soll eine Holzwerkstatt errichtet werden, in der beispielsweise fachgerecht Nistkästen oder Insektenhotels gebaut werden können.

Betrieben werden soll die Wildvogelauffangstation von einem Verein, der jüngst zu diesem Zweck gegründet worden ist. Zur Vorsitzenden des Vereins "Wildvogelauffangstation Stollberg & Westerzgebirge" ist die ehemalige Tierheimchefin Eva-Maria Müller gewählt worden. Sie arbeitet bereits seit Dezember intensiv an dem Projekt und hofft, dass die ersten Volieren bereits im Frühjahr stehen werden. Entstanden ist die Idee aus ihrem privaten Engagement in diesem Bereich. Schon jetzt kümmert sie sich in Kooperation mit dem Umweltzentrum Dresden um die hiesigen Wildvögel. "Die Auffangstation soll insbesondere für den Raum Stollberg/Zwickau/Chemnitz zentraler Punkt eines Netzwerkes von zum Teil auch privaten Pflegestellen sein", sagt Müller. Denn während es sogenannte Päppler durchaus gibt, fehlt eine zentrale Einrichtung bisher. Der Landkreis steht einer solchen Station aufgeschlossen gegenüber. "Eine vergleichbare Station gibt es im Erzgebirgskreis nicht", sagt Stefanie John aus der Pressestelle des Landratsamtes. Aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde gebe es grundsätzlich keine standörtlichen Hinderungsgründe. Allerdings sei eine solche Station tier- und artenschutzgerecht zu führen. Das wiederum strebt der Verein selbstredend an und möchte Experten, wie Ornithologen, Entomologen, Biologen, Ethologen, Imker und Pädagogen sowie Landschaftspfleger einbinden.


Zurzeit steht das Projekt noch ziemlich am Anfang. "Wir haben mit Bedacht erst eine Konzeption erarbeitet und den Verein gegründet", sagt Müller. Elf Mitglieder zählt dieser bereits. Nun stehe die Abstimmung mit den Behörden und den Kommunen auf dem Programm. Die Stadt Stollberg steuert das Gelände bei, das sich zwar auf Lößnitzer Flur befindet, aber einst von der Großen Kreisstadt gekauft worden ist. "Wir werden für die Nutzung des Areals vorläufig keine Pacht berechnen und dem Verein helfen, Fördermittel zu beantragen", sagt Oberbürgermeister Marcel Schmidt. In einem gewissen Rahmen könne er sich auch vorstellen, den Verein praktisch zu unterstützen; ähnlich wie es beim Tierheim auch geschehe. Dass viel Arbeit in dem Vorhaben steckt, ist offensichtlich. Dabei ist nicht nur das verwilderte Außengelände eine Herausforderung. "Auch im Inneren gibt es Vandalismusschäden", sagt Müller.

Die Stadt verspricht sich von der Station auch eine Aufwertung der Gegend für Touristen oder Tagesausflügler; man wolle die Umgebung des Eisenweges attraktiver machen. Diese Zielgruppe hat auch Eva-Maria Müller perspektivisch im Blick. Neben einem streng abgetrennten Bereich für die Wildvögel soll mittelfristig ein Begegnungszentrum für naturinteressierte Menschen entstehen. Neben Workshops und Vorträgen sei auch ein Naturlehrpfad auf dem Gelände und ein Naturspielplatz denkbar. Müller schwebt vor, das Gelände mit Rampen und Wegen rollstuhlgerecht auszubauen.

Doch ehe diese Bereiche in Angriff genommen werden können, muss der Start der Station finanziert werden. Eva-Maria Müller beziffert den Kostenaufwand auf einen womöglich sechsstelligen Betrag: "Ich denke, das alles kann bis zu 500.000 Euro kosten." Daher solle der Ausbau nach und nach vonstatten gehen. Zurzeit sei der Verein auf der Suche nach Unterstützern und Sponsoren. Improvisation wird beim Ausbau eine große Rolle spielen. "Wir werden nach Restposten Ausschau halten und nicht alles neu anschaffen", sagt Müller. Mittelfristig sollen auch Einnahmen generiert werden. "Wer ein Tier bringt, ist meist auch bereit, sich anderweitig einzubringen oder einen Nistkasten zu kaufen", schätzt Müller. Auch die Aufnahme von Pensionsvögeln sei denkbar. Grundsätzlich kann auch der Landkreis helfen. "Im Rahmen der Haushaltsmittel kann eine Wildvogelauffangstation für ihre Aufwendungen unterstützt werden", heißt es aus dem Landratsamt.

Zunächst geht Müller von einem Personalbedarf von rund 20 Personen aus. Das werden Ehrenamtliche oder Praktikanten aus Berufsbildungswerken sowie karitativen Werkstätten oder Freiwillige für ein ökologisches Jahr sein.

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