Verein zieht in traditionsreiches Haus

Für den Heimatverein Leukersdorf rückt der Einzug in eigene Räume in greifbare Nähe. Am 3. Oktober soll die erste Ausstellung im historisch interessanten Domizil in der Neuen Gasse 8 eröffnet werden.

Leukersdorf.

Es lärmt und stiebt derzeit gewaltig im einstigen Restaurant Wettinburg auf der Neuen Gasse 8. Ortschronist Eckhard Rehnert schleift gerade alte Farbe von einer historische Türzarge. Ein paar Meter weiter ist Vorstandsmitglied Thomas Gruner mit dem Vorstreichen der Wände beschäftigt. Seit Jahresanfang werkeln die Mitglieder des Heimatvereins Leukersdorf auf den etwa 70 Quadratmetern. Was die 20 Vereinsmitglieder selbst bewerkstelligen können, wird in Eigenleistung gemacht. Dazu zählen unter anderem das Beräumen, das Abhacken von altem Putz und Malerarbeiten. Weitere Arbeiten wie Elektrik oder Heizung werden von Firmen übernommen.

Im Herbst soll das Vereinsdomizil bezugsfertig sein. Ein passendes Ambiente, denn das Gemäuer atmet viel Historie. Eckhard Rehnert hat die Eckdaten zusammengetragen. Errichtet wurde das Gebäude 1896 von Emil Richard Streller als Schankwirtschaft. Es erhielt damals den Namen Restaurant Wettinburg. Die Besitzer wechselten recht schnell. 1899 erwarb der Brauer Emil Max Richter das Haus, 1907 übernahm es Kurt Emil Lasch und 1910 Ernst Albin Huth, dessen Witwe Marie Huth den Betrieb ab 1942 weiterführte. 1943 wird die Schankwirtschaft geschlossen und eine Kindertagesstätte der Nationalsozialistischen Wohlfahrt eingerichtet.

Seit den 1950er-Jahren waren in den Räumen das Lager und der Versand der 1925 von Emil Pfau gegründeten Strumpfwarenfirma Epesa untergebracht. Seit die GmbH vor zwei Jahren die Produktion eingestellt hat, benötigt sie die Räume nicht mehr. "Wir produzieren nur noch hobbymäßig. Allerdings gibt es auf der Schulstraße noch jeden Donnerstag von 10 bis 17 Uhr unseren Betriebsverkauf", erläutert Geschäftsführer Rolf-Jürgen Hauer. Das einstige Restaurant Wettinburg, welches der Epesa gehört, wurde vor drei Jahren saniert. Im Obergeschoss befinden sich drei Wohnungen. Die frühere Kegelbahn im Anbau dient noch immer als Lager.

Mit dem Heimatverein ist nun auch ein Nutzer der ehemaligen Gaststättenräume gefunden. "Wir zahlen hier nur eine sehr geringe Miete", so Günter Gränitz, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Genaue Zahlen zu Baukosten und Miethöhe wollen Eigentümer und Verein nicht nennen. Eins immerhin verrät Vorstandsmitglied Thomas Gruner: "Für die Einrichtung erhalten wir innerhalb des Leaderprogramms Vision 2020 für Kleinprojekte 10.800 Euro Förderung." Dafür sollen Stühle, Tische, Bilderrahmen, Vitrinen und ein Beamer gekauft werden. Bisher hat sich der Verein in der Sportgaststätte Leukersdorf getroffen. Künftig soll der frühere Lagerraum als Versammlungsraum dienen. Ein kleines, ehemaliges Büro wird zur Küche umgebaut. Und der einstige Versand beherbergt in Zukunft einen Ausstellungsraum. "Für die laufenden Kosten brauchen wir noch Spenden", so Gränitz. Deshalb soll die Sichtbarkeit und Außenwirkung des Vereins erhöht werden. So soll es vorm Haus eine Schautafel geben.

Neben einer ständigen Ausstellung über Leukersdorf wollen die Vereinsmitglieder alle drei Monate Wechselausstellungen auf die Beine stellen. Rolf-Jürgen Hauer hat dem Verein bereits eine historische Strickmaschine der Chemnitzer Wirkmaschinenfabrik G. Hilscher als Blickfang in Aussicht gestellt. Die um 1880/90 gebaute Maschine wurde bereits in den 1960er-Jahren stillgelegt. Trotzdem soll sie nicht nur als Relikt ungenutzt dastehen: "Wenn alles gut geht, bringen wir die auch zum Laufen", so Hauer. Auch wenn noch viel zu tun ist, steht der Eröffnungstermin aus gutem Grund bereits fest, wie Günter Gränitz erläutert: "Von der Gemeinde bekommen wir 500 Euro Investitionszuschuss. Dieses Geld ist an die Ausstellungseröffnung am 3. Oktober gebunden."

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