Vereinschef: Es fehlen Zeit und aktive Mitglieder

Seit vielen Jahren sorgt der Förderverein "Alte Ziegelei" dafür, dass das Niederwürschnitzer Freizeitgelände ein Anziehungspunkt in der Region bleibt und die Gebäude nicht verfallen. Sein Engagement ist allgemein anerkannt, aber es knirscht im Gebälk. Obwohl der Vereinschef deshalb den Weg in den Rat fand, gibt es noch viel Klärungsbedarf.

Niederwürschnitz.

Nein, Christian Mehlhorn ist nicht zufrieden. Auch nach seinem Auftritt vor dem Gemeinderat hat der Vorsitzende des Niederwürschnitzer Fördervereins "Alte Ziegelei" nicht das Gefühl, dass etwas geklärt wurde. Er war in die Sitzung gekommen, weil es Unklarheiten zu Zuständigkeiten und der Struktur des Vereins gab - in der Bevölkerung, aber auch im Rat und in der Verwaltung, sagt er.

Und so erklärte er zunächst den Zusammenhang zwischen dem Verein und dessen Tochter, der Wirtschaftsförder-GmbH. Die sei in den Anfangsjahren gleich nach der Wende entstanden, als es im Verein noch um Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ging, sagte Mehlhorn. Inzwischen kümmere sich die GmbH hauptsächlich um den Imbiss.

Wichtig war Mehlhorn auch, klarzustellen, dass der Verein "kein Abkömmling der Gemeinde" ist. Denn oft spüre er, das werde angenommen. Dies könnte aus der Vergangenheit resultieren, als Rolf Höfer viele Jahre lang zugleich als ehrenamtlicher Bürgermeister und als Vereinschef fungierte, für Außenstehende also schwer zu trennen war, in welcher Funktion er gerade aktiv war. Auch auf der Internetseite des Vereins kann dieser Eindruck entstehen, denn im dortigen Impressum ist die Gemeinde als verantwortlich ausgewiesen.

Viele Fragen der Räte betrafen die Finanzen und vor allem das Konzept, das es - so der Vorwurf - nicht gebe. Mehlhorn betonte, dass man Pläne habe, die man Schritt für Schritt umsetze, wurde aber nicht konkret. Das reichte den Räten nicht. Jörg Grimm (CDU) sprach aus, was wohl etliche seiner Ratskollegen umtreibt: Wenn im Rat Entscheidungen zu Zuschüssen an den Verein anstehen, müsse man wissen, was überhaupt geplant ist.

Weitere Kritikpunkte: Die Vereinssatzung sei nicht auf dem aktuellen Stand und der Vereine nehme keine Fördermittel, beispielsweise über das Dorfentwicklungsprogramm Leader, in Anspruch. Beides räumte der Vereinschef ein, verwies aber darauf, dass er einen Vollzeitjob habe und im Ehrenamt aktiv sei. Ihm fehle für vieles einfach die Zeit.

Hier müsse der Rat noch etwas Geduld haben, sagte er gegenüber "Freie Presse". Wichtig sei, das Areal zu erhalten und mit Leben zu füllen. Von den 60 Mitgliedern sei altersbedingt aber nur noch etwa die Hälfte aktiv. Aber man habe, wenn auch nicht in einem Konzept verankert, sehr wohl Pläne, die man schrittweise angehen möchte. Zunächst sei das der Ausbau des Wohnmobilstellplatzes, sodass es auch eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit gibt. Dann könne man dort eine Gebühr verlangen und habe eine weitere Einnahme. Weiterhin stünden die Erneuerung der zweiten Dachhälfte und die Schornsteinsanierung von außen an. Unbedingt müsse auch mit dem Spiel- und Minigolfplatz etwas passieren. Hier habe man die Alternativen "komplett neu oder anders". Das müsse aber zunächst im Vorstand geklärt werden.

Auf die Vereinsfinanzen angesprochen, hatte Mehlhorn vor dem Rat gesagt: "Wir nagen nicht am Hungertuch". Gegenüber "Freie Presse" wurde er dann konkreter und nannte regelmäßige Einnahmequellen neben dem von der GmbH betriebenen Imbiss. So befinde sich zum einen das Bauhof-Domizil im Areal, wodurch man Mieteinnahmen habe, zum anderen erhalte man auch eine Pauschale dafür, dass dieser Fahrzeuge aus dem Fuhrpark des Vereins nutze. Eigenbetriebsleiter André Schnerrer bestätigte das. Auch, dass der Eigenbetrieb seit 2017 Veranstalter der Pellkartoffelfete ist, an der der Verein dann aber einen großen Anteil habe. Richtig sei auch, dass die Bauhofmitarbeiter in diesem Zusammenhang in zwei Funktionen auftreten - einerseits für den Eigenbetrieb bei der Vorbereitung des Festes, andererseits seien sie aber auch Vereinsmitglieder und gegebenenfalls als solche auf der Veranstaltung aktiv. Wie Mehlhorn ist aber auch Schnerrer der Ansicht, dass es noch Klärungsbedarf zwischen Gemeinde und Verein gibt. Er kündigte darum an, einen Termin für ein Treffen finden zu wollen.

Den hält auch Bürgermeister Matthias Anton für notwendig. "Es muss eine engere Zusammenarbeit zwischen Verein und Gemeinde geben, um beispielsweise das Thema Fördermittel anzugehen", sagte er.

Auch wenn es Unklarheiten und Kritik gibt: Das Engagement der Vereinsmitglieder für den Erhalt des Freizeitareals wird von allen Seiten betont und gelobt. Das wurde im Gemeinderat deutlich und auch von Matthias Anton bekräftigt.

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