Vermächtnis einer ehemaligen Hoheneckerin kehrt zurück

Die Wissenschaftsschau Phänomenia will ihren Eingangsbereich und das Bistro künftig für Ausstellungen nutzen. Derzeit sind Arbeiten von Ellen Thiemann zu sehen.

Stollberg.

Kirschblüten und Segelschiffe, idyllisches Bergdorf und exotische Unterwasserlandschaft. Die im Bistro der Phänomenia im Areal Stalburc-Hoheneck ausgestellten Bilder zeigen friedvolle Motive und lebensfrohe Farben. Das ist ein bewusster Kontrast zu dem, was die Malerin dieser Werke an diesem Ort erlebt hat. Denn ausgestellt werden Arbeiten von Ellen Thiemann. Die 1937 in Dresden geborene Journalistin und Autorin war nach einem Fluchtversuch aus der damaligen DDR von 1973 bis 1975 im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert. Bekannt geworden ist sie später durch ihre Bücher, wie den 1984 erschienenen Erlebnisbericht "Stell dich mit den Schergen gut".

Die Schau von Bildern einer ehemaligen Insassin ist für Phänomenia-Chefin Doris Bradler der Auftakt für regelmäßige Ausstellungen. Bistro und Rezeptionsbereich sind mit Galerieschienen ausgestattet. Doch bislang wurden hier nur eigene Sachen gezeigt. Im Bistro waren das Bilder, die innerhalb von Phänomenia-Experimenten entstanden sind. Für die Rezeption nutzte man dagegen alte Schulutensilien. Hier hängen Abbildungen von Tieren, die nach einer Schulschließung in Glauchau von der Phänomenia eingelagert wurden. Doch Fuchs, Kreuzotter und Feuersalamander könnten bald weichen: Künftig sollen beide Räume für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Doris Bradler hofft dabei auf ehemalige Hoheneckerinnen, kann sich Ausstellungen mit einer Verbindung zur Geschichte des Hauses und von Werken regionaler Hobbykünstler vorstellen. Doch nicht nur das: "Auch Schülerprojekte sind möglich. Das muss auch nicht nur Malerei sein." Erste Anfragen dazu habe es schon gegeben.


In der Auftaktausstellung sind noch bis Ende Juli 18 Ölbilder und Aquarelle aus dem Nachlass der 2018 verstorbenen Ellen Thiemann zu sehen. Sie erzählen aber nicht unmittelbar von dem Leid, das die Malerin einst in Hoheneck erfahren hat. Eine Verbindung gibt es laut Doris Bradler dennoch: "Als man im Frauengefängnis Hoheneck festgestellt hatte, dass Ellen Thiemann begabt ist, musste sie für die Bonzen künstlerisch Arbeiten anfertigen. Mit den kräftigen Farben ihrer späteren Bilder wollte sie dem Grau dieser Zeit bewusst etwas entgegensetzen."

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