Verschollene Tetzner-Werke aufgetaucht

In einem Auktionshaus in Berlin stehen Bilder des Gersdorfer Künstlers zum Verkauf, die jahrelang als verloren galten. Gehören sie zu den vielen Kunstwerken, die Tetzner früher verliehen hat?

Gersdorf.

An einem Mittag im Juni klingelt bei Monika Zscheppank das Telefon. Der Berliner Auktionator Markus Doebele ruft an und sagt, jemand hat zwölf Bilder von Heinz Tetzner in sein Auktionshaus gegeben. Vor der Versteigerung wolle er nur wissen, ob diese Bilder tatsächlich im Werkverzeichnis von Heinz Tetzner gelistet sind. Monika Zscheppank, die Vorsitzende des Fördervereins Tetzner-Museum, ist irritiert: Von einigen Bildern, die Doebele aufzählt, hat sie geglaubt, sie seien verloren.

Besitzer "unbekannt", steht im Werkverzeichnis, das Zscheppank persönlich seit 14 Jahren pflegt. Sie will das Rätsel lüften: Wer hat die Bilder ins Auktionshaus gegeben? Der Auktionator bedauert. Namen dürfe er keine nennen. Der berühmte Gersdorfer Künstler Heinz Tetzner (1920-2007) hat über 5000 Bilder und Grafiken schaffen. Davon gelten einige als verschollen: Wie viele genau, könne sie nur vermuten, so Zscheppank. Oft habe sie Spuren aus Auktionshäusern zurückverfolgt - und sei dabei an denselben Ausgangspunkt gelangt.

Vor 32 Jahren habe Tetzner einem Kunstsammler eine Reihe Ölbilder und Aquarelle geliehen. Dieser habe die Werke abfotografieren und ein Buch über Tetzner rausbringen wollen. Das Buch erschien, aber die Bilder kamen nicht zurück, so Zscheppank. Mit Tetzner selbst habe sie hinterher mehrmals über den Fall gesprochen. Aber Heinz Tetzner war niemand, der sich gerne mit Leuten anlegte. Die Abmachung: Der Sammler sollte einige Bilder als Entschädigung für die Buchproduktion behalten - aber nicht alle. Das aber habe der Künstler nie vertraglich festgehalten. Auch nicht, als sich Tetzner Jahre später mit einer Münchner Galeristin auf einen ähnlichen Handel einließ. So seien viele Tetzner-Bilder in "dunkle Kanäle" gelangt, berichtet Zscheppank.

Bei Doebele in Berlin tauchte zum Beispiel das Bild "Spätsommer" auf, ein Aquarell von 1989. Der aktuelle Besitzer? "Unbekannt", steht im Werkverzeichnis. Ob es zu den Bildern gehört, die Tetzner zurückwollte, lässt sich kaum noch sagen.

Bei der jüngsten Auktion bei Doebele am 5. November sind bereits drei Tetzner-Werke versteigert worden. Sie brachten immerhin über 700 Euro. Neun sind nach der Auktion übrig geblieben. "Die werden beim nächsten Mal versteigert", sagt Markus Doebele, dem bei keinem der Bilder eine zweifelhafte Herkunft bekannt geworden sei. Er habe wie immer nachgeschlagen, ob die eingereichten Bilder im internationalen Register für verlorene Kunstwerke stehen. Zu diesen aber gebe es keinen Eintrag. Doebele: "Wenn niemand die Bilder als verloren meldet, sind mir die Hände gebunden."

Die nächste Auktion ist im Frühjahr. Rechnet man die Mindestgebote der übrigen neun Tetzner-Werke zusammen, kommt man auf über 4000 Euro. Aber Ansprüche auf die Bilder erheben wollen weder der Förderverein noch Tetzners Tochter Gabriele Rabe. "Da mein Vater keinen Vertrag über die Leihgaben geschlossen hat, wissen wir nicht, welche Bilder als Ausgleich für den Buchdruck gedacht waren."

Um ein Bild habe sich Heinz Tetzner allerdings zu Lebzeiten besonders bemüht: "Französischer Straßenjunge", Öl auf Leinwand, 1951 gemalt, 1984 verloren. Im Werkverzeichnis steht "Leihgabe". 2015 tauchte es in Berlin auf, in der Galerie der Berliner Grafikpresse. Am 8. November 2015 wurde es dort versteigert. Jetzt ist es wieder zurück in der Heimat. Der heutige Besitzer ist der Unternehmer Albrecht Mugler, ein Mitglied des Tetzner-Fördervereins. Das Bild hat er in seinem Atelier ausgestellt. "Ich bin froh, dass wir das Bild wieder hier haben", so Gabriele Rabe.

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