Viadukt-Pläne - sinnvoll oder Geldverschwendung?

Für voraussichtlich etwa acht Millionen Euro soll das Oelsnitzer Viadukt abgerissen und durch ein "luftigeres" ersetzt werden. Der "Freie Presse"-Beitrag darüber wird im Internet heiß diskutiert.

Oelsnitz.

Ein Mitglied einer Oelsnitzer Facebookgruppe hat den Beitrag "Oelsnitz will sich von seiner hässlichen ,Staumauer' trennen", der am 17. Januar erschien, im Internet gepostet - und damit reichlich Reaktionen hervorgerufen. Im Kern ging es im Beitrag darum, dass die Eisenbahnbrücke, deren Bögen einst infolge von Bergbauabsenkungen zubetoniert wurden, abgerissen und durch eine "luftigere Bauweise" ersetzt werden soll - mit Landesmitteln. Wobei "luftig" wörtlich zu nehmen ist - das aktuelle Bauwerk versperrt Frischluft aus dem Hegebach-Quellgebiet den Weg.

Ist das Viadukt wirklich hässlich, sollte man das Geld nicht anderweitig verwenden, wäre eine Sanierung besser? Das sind nur drei der Fragen, die offenbar bewegen. "Freie Presse" hat noch einmal nachgehakt - muss die neue Brücke wirklich sein, und wenn nicht, wofür stünde das Geld dann zur Verfügung?

Bürgermeister Bernd Birkigt (parteilos) betont, dass das Bauwerk weder im Eigentum noch in Verfügung der Stadt ist - es ist Bahninfrastruktur. Man wolle als Stadt lediglich die sich aktuell bietende Möglichkeit nutzen, Einfluss auf die Zukunft zu nehmen. Auch wenn im Internet unter anderem die Rede davon ist, das Viadukt gehöre so zu Oelsnitz, wie es jetzt aussieht, und viele kennen es ja gar nicht anders: Wirklich schön sei es nicht, sagt er und verweist auf Gespräche, die er mit Stadträten und Bürgern etwa seit Mitte vergangenen Jahres geführt habe. Und schließlich geben ja auch Gegenstimmen zum Neubau im Internet Ratschläge, wie man die Brücke durch Gestaltung, Farbe, Wiederherstellung der Bögen oder Sanierung verschönern könnte.

Eine Sanierung mit Wiederherstellung der Bögen ist allerdings definitiv nicht möglich, sagt Birkigt. "Sie wurden ja aufgrund von Standsicherheitsproblemen, die durch die Bergsenkungen verursacht waren, ausbetoniert." Keiner könne voraussagen, was passiert, wenn die Bögen wieder geöffnet würden - falls das überhaupt möglich ist. Und auch dem Wunsch, das Geld besser in andere Projekte wie Freibad, Spielplätze, Radwege oder schnelles Internet zu investieren, muss Birkigt eine Absage erteilen - "unabhängig davon, ob das jeweilige Anliegen wünschenswert, sinnvoll oder nachhaltig ist". Denn die Mittel stehen im Landeshaushalt nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Einfach gesagt: Man kann damit die Brücke ersetzen - oder verzichtet auf das Geld.

Letzteres wäre möglich, denn auch das stellt der Oelsnitzer Bürgermeister klar: Zwingend notwendig ist die neue Brücke nicht. Das sei auch der Gartenschaupark nicht gewesen, und dieses Vorhaben war zunächst auch umstritten, erklärt er. Spätestens seit 2016 aber sei die Anlage von der Mehrheit der Bevölkerung angenommen und geliebt. "Und glauben Sie mir, den Verantwortlichen in Stadt und Gartenschaugesellschaft standen oft im Wochentakt die Schweißperlen auf der Stirn, ob denn das gelingen kann. Es war harte Arbeit." Aber er sei froh, dass es gewagt wurde. Es mache das Heute und das Morgen in Oelsnitz viel, viel schöner und noch lebenswerter. Manchmal bedürfe es am Anfang des Mutes, Ungewöhnliches zu denken, zu versuchen - und dann, wenn es so weit ist, das Mögliche konsequent umzusetzen. Er möchte, "dass wir hier in Oelsnitz gemeinsam unsere Stadt gestalten". Gern lade er ein, an Projekten mitzuwirken, Stadt zu gestalten und mit Leben zu erfüllen.

Zu den Wünschen, die auf Facebook statt einer Brücke geäußert wurden, sagt Birkigt: "Wir haben einen gut gepflegten Badesee 'Waldbad' und ein kleines Hallenbad - die öffentliche Lehrschwimmanlage, reichlich Spielplätze und beim DSL-Ausbau wird in 2017 einiges vorangehen." Nur bei den Radwegen sei es schwierig, weil aus verschiedenen Gründen nur in kleinen Schritten möglich. "Aber Wünsche haben ihre Berechtigung, manchmal können sie erfüllt werden - und deshalb sollten sie auch immer gern öffentlich eingebracht werden." Dazu hatte auch ein Stadtrat auf Facebook aufgerufen: Wer sich einbringen möchte, Fragen zur Brücke habe oder Probleme, soll diese doch in der Ratssitzung vorbringen. Dort erschien allerdings keiner mit diesem Ansinnen.

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