Viel Natur und Engagement, aber keine Einkaufsmöglichkeit

Wie entwickeln sich die Ortsteile? Was läuft gut? Wo klemmt es? "Freie Presse" nimmt Dörfer der Region unter die Lupe. Heute: Kemtau/Eibenberg

Kemtau/Eibenberg.

Der Rundgang durch den Ort beginnt am Feuerwehrgerätehaus in Kemtau - natürlich. Denn der neue Ortsvorsteher Steffen Hoffmann, der die großen und kleinen Problemstellen und die zentralen Orte in den Burkhardtsdorfer Ortsteilen Kemtau und Eibenberg vorstellt, ist jahrelanger Feuerwehrmann. Das Zentrum des Kemtauer Dorflebens schlechthin ist zweifelsohne die Feuerwehr. "Das Haus ist 20 Jahre alt und sieht noch immer bestens aus", sagt Hoffmann nicht ohne Stolz. Der große Platz vor dem Gerätehaus dient als Festplatz. "Das ist ideal. Auf der Wiese können wir bequem ein Festzelt aufbauen, das sogar trockenen Fußes vom gepflasterten Bereich betreten werden kann", sagt Hoffmann.

Direkt vor dem Platz des Feuerwehrhauses befindet sich das aktuell größte Ärgernis im Ortsteil: die Gelenauer Straße. Die Kemtauer ärgert deren Zustand. Doch in Wallung versetzt er den Ortsvorsteher nicht: "Ich weiß, dass die Straße bald dran ist und gebaut wird." Das ist durchaus optimistisch. Zwar ist die Maßnahme Teil des Regionalen Entwicklungskonzeptes und auch im Finanzplan der Gemeinde bis 2023 vorgesehen, doch: "Ein konkreter Zeitpunkt für die Ausführung steht noch nicht fest", sagt Fachbereichsleiter Jörg Spiller.


Ohnehin verweist Hoffmann lieber auf die vielen Häuser, die in der Vergangenheit herausgeputzt wurden oder gerade werden. "Hier ist in den letzten Jahren viel Farbe dran gekommen", sagt er. Exemplarisch zeigt er das Felsengut, das von privater Seite zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Gegenüber wird der ehemalige Gasthof Kemtau von oben nach unten renoviert. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich der letzte wirkliche Schandfleck; ein heruntergekommenes Gebäude.

Ortswechsel: Die größte Baustelle befindet sich in Eibenberg und ist praktisch unsichtbar. Im Inneren des Gemeinschaftszentrums "Alte Schule" wird gerade eine große Fläche im Erdgeschoss zur Kinderkrippe umgestaltet. "Es hat sich herausgestellt, dass der Fußboden marode ist. Nun gibt es eine Zeitverzögerung", sagt Hoffmann. Das präzisiert der zuständige Fachbereichsleiter Jörg Spiller: "Im Gebäude der Kita ,Löwenzahn' musste die Kellerdecke aufgrund Tragfähigkeitsschäden, die jedoch erst nach eingehender Untersuchung und nach Offenlegung festgestellt werden konnten, komplett erneuert werden. Die Mehrkosten daraus betrugen zirka 145.000 Euro und der Zeitverzug etwa neun Monate." Die Gemeinde investiert insgesamt mehr als 775.000 Euro in den Ausbau. Das Gemeinschaftszentrum beherbergt neben der Kita und einer Sozialstation auch Vereinsräume und das Ortsvorsteherbüro. Früher war der Schulhof - gerade bei Festen - der zentrale Ort. Doch heute ist dort der Außenbereich des Kindergartens. Somit wird der Maibaum nun am Feuerwehrgerätehaus Kemtau aufgesetzt.

Die Freiwillige Feuerwehr Eibenberg und der Spritzenverein stellen am Feuerwehrhaus Eibenberg seit einigen Jahren ebenfalls einen Maibaum auf. Dort findet auch das "Baamelbrennen" nach Weihnachten statt. Ohnehin präsentiert Eibenberg gerade im oberen Teil seine idyllische Seite. Dort gibt es einen Weinberg, tolle Ausblicke von der Eibenberger Kuppe und da steht mit der Kirche auch das Wahrzeichen des Ortsteils.

Also ist alles schön in Kemtau und Eibenberg? Ganz so rosig ist die Lage nicht. Weder hüben, noch drüben gibt es eine Einkaufsmöglichkeit. Ein kleiner Laden im Tante-Emma-Stil könne sich einfach nicht halten, ist sich Hoffmann sicher. "Dazu müssten die Bürger dort auch regelmäßig kaufen, selbst wenn es ein paar Cent teurer als in den Supermärkten ist", sagt er. Auch ein gastronomisches Angebot gibt es nicht. "Wir haben viel Landschaft und zahlreiche Wanderwege, die der Heimatverein auch auszeichnet. Einkehren können Wanderer bei uns nicht, das ist nicht schön", sagt Hoffmann. Zudem gebe es einige kleinere Dinge, die zu Zeiten, als ein eigener Bauhof noch vor Ort war, schnell abgearbeitet worden sind, weil die Mitarbeiter diese Mängel selbst gesehen haben. "Heute ist das umständlicher; auch weil der Bauhof viel im zentralen Ortsteil tätig ist", sagt Hoffmann. "Wir müssen unsere Bedürfnisse lauter einfordern."

Im Bereich der Ortsgrenze liegt zwischen Bahnlinie und Fluss im Überflutungsgebiet der Sportplatz. Zwar findet dort kein Ligabetrieb mehr statt, aber trotzdem ist das Areal in reger Nutzung. Die Jugend kickt hier und es werden Partys in der Sportlerbaude gefeiert. Dort allerdings sind das Dach und die Toiletten in die Jahre gekommen. Dafür ist das Areal für Feuerwehrwettkämpfe geeignet; als eines der wenigen im Erzgebirgskreis.

Mit Blick auf die nahegelegene Bahnlinie, die zurzeit auf den Ausbau zur Anbindung an das Chemnitzer Straßenbahnnetz wartet, hat Hoffmann eine Idee: "Die Anbindung ist ideal für Pendler. Vielleicht brauchen wir dort künftig einen kleinen Pendlerparkplatz."

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