Vom Glühweinstand in Tamási ins Stollberger Rathaus

Eine 18-jährige Schülerin aus der ungarischen Partnerstadt hat ein zehnwöchiges Praktikum absolviert. Wie kam es dazu?

Stollberg.

Als Apolka Szücs sich am Freitag von ihren vorübergehenden Kollegen in der Stollberger Verwaltung verabschiedet hat, ist die 18-jährige Ungarin nicht mit leeren Händen gekommen. "Ich habe extra ungarisches Paprikapulver mitgebracht und kleine Tütchen befüllt", sagt die junge Frau aus der Stollberger Partnerstadt Tamási. Sie hat in den vergangenen zehn Wochen ein Praktikum in Stollberg absolviert.

Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen? Der Kontakt ist in Tamási beim dortigen Weihnachtsmarkt entstanden, an dem auch eine Delegation aus Stollberg teilgenommen hatte. "Ich bin dort in einer Volkstanzgruppe, und an diesem Tag haben wir einen Glühweinstand betrieben", erinnert sich die Schülerin, wie sie seinerzeit mit Oberbürgermeister Schmidt ins Gespräch gekommen ist. Dabei haben ihr auch ihre guten Deutsch-Kenntnisse geholfen. Schmidt hat ihr damals in Aussicht gestellt, in Stollberg über den Sommer in der Verwaltung mitzuarbeiten. Ein Angebot, das Apolka Szücs gerne angenommen hat, zumal ihre Mutter ganz in der Nähe in einer Fleischfabrik in Altenburg arbeitet.


Derlei Angebote macht die Stadt Stollberg bereits seit drei Jahren an Jugendliche. Gelebte Städtepartnerschaft. "Für die jungen Leute ist das auch finanziell interessant", sagt Schmidt. Denn in Ungarn werde für einen Ferienjob deutlich weniger bezahlt. Zudem erhoffe sich die Stadt, dass die eine oder der andere so für eine Ausbildung in der Großen Kreisstadt gewonnen werden kann. Für den Aufenthaltszeitraum wird ein Zimmer im Dürergebiet gestellt.

Die guten Deutsch-Kenntnisse hat Apolka Szücs in der Schule erworben. Sie geht in Siófok am Balaton auf ein bilinguales Gymnasium. Dafür fährt sie jeden Tag von Tamási, wo die Schülerin bei ihrer Großmutter lebt, gut 40 Kilometer mit dem Bus hin und wieder zurück. "Ich habe die Schule bei einem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein kennengelernt und sie hat mir gefallen", sagt Apolka Szücs. Nun paukt sie Biologie, Geschichte und Geografie auf Deutsch. Dieser Tage beginnt für sie die elfte Klasse. In der Zwölf kann sie dann ein bilinguales Abitur ablegen, wenn sie die entsprechenden Sprachprüfungen in Deutsch (C1) und Englisch (B2) erfolgreich absolviert.

Gute Sprachkenntnisse könnten der jungen Frau später bei der Jobsuche helfen. "Ich möchte studieren und dann im Finanzbereich in der Wirtschaft arbeiten", sagt sie. Einen kleinen Einblick in die Welt der Zahlen hat sie bereits während ihres Praktikums erhalten. In Stollberg machte sie auch in der Kämmerei Station. Zudem war sie im Schlachthof, dem Bürgergarten, der 3D-Druckwerkstatt und allgemein im Rathaus tätig. Außerdem hat sie am Jugendsommercamp in Frankreich als Dolmetscherin teilgenommen. "Am besten hat es mir aber in der Bibliothek gefallen", sagt die Schülerin. "Dort habe ich Bücher einsortiert und neue Bücher ausgezeichnet." Und wie hat ihr das Praktikum in Stollberg gefallen. "Ich würde das Angebot sofort wieder annehmen", schwärmt die Ungarin.

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