Vom Reiterhof in Ursprung auf die Chemnitzer Musicalbühne

Maik Voigtländer steht ab August mit Rössern und Reitern beim Musical "Anatevka" auf der Küchwaldbühne. Für den Reiterhof in Ursprung sind solche Ausflüge ins Showgeschäft immer wieder extrem spannend.

Ursprung/Chemnitz.

Wenn das Musical "Anatevka" am 24. August auf der Chemnitzer Küchwaldbühne seine Premiere feiert, dann stehen auch vier Pferde und vier Reiter aus Ursprung mit auf der Bühne. Maik Voigtländer vom gleichnamigen Reiterhof mimt den Constable einer berittenen Abteilung der Kaiserlich-Russischen Armee. "Das ist ein Glücksfall, dass der Hof die Pferde stellt und der Chef auch gleich diese Rolle übernimmt", sagt der künstlerische Leiter und Regisseur Werner Haas, der dieses Musical bereits mehrfach inszeniert hat, darunter in Leipzig, Dresden und Berlin. "Ich habe 'Anatevka' schon über 100 Mal auf die Bühne gebracht, das erste Mal 1988 in Heidenheim", berichtet Haas. Das Musical, auch bekannt unter dem Titel "Der Fiedler auf dem Dach" spielt im zaristischen Russland des Jahres 1905. Es erzählt die Geschichte des jüdischen Milchhändlers Tevje, der gegen alle Widerstände um die Tradition ringt, dessen drei Töchter aber die ihnen zugedachten Männer nicht heiraten möchten.

Alle 14 Tage kommt Werner Haas nach Ursprung, um die Auftritte der Reiterabteilung einzustudieren. In drei Szenen wirken Pferde und Reiter mit. Maik Voigtländer ist dabei nicht nur Statist, sondern hat eine Sprechrolle, in der er unter anderem die Bewohner des Dorfes Anatevka im Auftrag des Zaren zum Verlassen ihres Dorfes auffordert.


Für Ines und Maik Voigtländer ist das Engagement für die Bühne nicht neu. Los ging es 2015, als ein Chemnitzer Mime für seine Rolle das Reiten auf dem Hof lernte. 2016 haben erstmals zwei Pferde, ein Ferkel und einige Jungenten bei der Aufführung des Theaterstücks "Zorro" auf der Küchwaldbühne mitgewirkt. "Damals habe ich als Komparse mitgemacht, um da zu sein, falls irgendetwas mit den Tieren sein sollte", erzählt Ines Voigtländer. 2017 waren schließlich zwei Reiter aus Ursprung bei "My Fair Lady" auf dem Chemnitzer Opernplatz dabei. Aufregende Aktionen also, für die nicht jedes Tier geeignet ist. "Man braucht eine gute Ausbildung von Pferd und Reiter. Wir gehen mit unseren Tieren auf Umzüge und zu Messen. Das ist reine Gewöhnung", sagt Maik Voigtländer. Der 56-Jährige ist seit über 20 Jahren B-Trainer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, und er betont, dass nur ruhige und ausgeglichene Tiere für die große Bühne geeignet sind. Für Bühnenauftritte stehen in Ursprung insgesamt acht Pferde zur Verfügung. Maik Voigtländer selbst reitet Svea, ein Norwegisches Fjordpferd. Beim Training jüngst saß Sohn Maiko Voigtländer auf dem Reitpony Mary. Jennie-Lee Kemter und Manuela Walther sind jeweils Aegidienberger geritten. Im lauten Befehlston schmetterte Voigtländer dem Regisseur seinen Text entgegen, gerade so, als spielte er bereits vor großem Publikum. Werner Haas, der bei den Proben den Text des Tevje spricht, freut sich über die Unterstützung aus Ursprung: "Durch die Pferde wird die Dramatik unterstützt, und es ist eine Überraschung fürs Publikum."

Maik und Ines Voigtländer hatten ihrem Reiterhof kurz nach der Wende in Leukersdorf ins Leben gerufen. Seit 1998 sind sie in Ursprung ansässig, haben inzwischen etwa 50 Pferde auf dem Hof, obwohl Maik Voigtländer hauptberuflich als angestellter Türen- und Fenstertischler arbeitet. Den zusätzlichen Aufwand fürs Theater nehmen sie dennoch gern in Kauf. Ines Vogtländer: "Das macht einfach Spaß, und man lernt viele neue Leute kennen."

Den ersten Auftritt haben Maik Voigtländer und sein Team am 10. Mai innerhalb des Feierlichen Festaktes 10 Jahre Küchwaldbühne. Bereits ab Mittag werden dabei unter anderem Musik, Unterhaltung und Pferdekutschfahrten geboten. Um 17 Uhr beginnt das Festprogramm, bei dem auch Auszüge des Musicals präsentiert werden. Der Eintritt ist frei.

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