Von den Fallstricken der letzten Etappe

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Sterben und Tod sind Tabuthemen. Viele Sterbende und ihre Familien sind froh, wenn sie neben der medizinischen Betreuung einen emotionalen Beistand haben. Geleistet wird das durch den ambulanten Hospizdienst in Oelsnitz. Journalistin Cristina Zehrfeld absolviert den Ausbildungskurs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer und berichtet, wie man zum Sterbebegleiter wird.

Oelsnitz.

Was tun, wenn ein Mensch gestorben ist? Wen muss ich informieren? Welche gesetzlichen Regeln sind zu beachten? Damit wir später als Hospizhelfer solche Fragen beantworten können, haben wir uns in dieser Woche mit dem Bestattungsrecht auseinandergesetzt. Ich hatte befürchtet, dass das eine sehr trockene Angelegenheit wird. Doch das Thema ist spannend.

Enrico Schüppel vom gleichnamigen Bestattungshaus in Hohenstein-Ernstthal sorgt schon mit seiner Einstiegsfrage für erstaunte Gesichter: "Braucht man einen Bestatter?" Die Antwort: Ja, aber laut Gesetz ist der Bestatter nur für den Transport des Verstorbenen zwingend erforderlich. Alles andere darf der Bestattungspflichtige auch selbst organisieren. Allerdings kann man dabei auch ziemlich viel Bockmist bauen. Schüppel rät zunächst einmal etwas ganz Profanes, nämlich: Ruhe bewahren. Dann erklärt er mit typischem Bestatter-Humor: "Der Verstorbene ist am nächsten Tag auch noch tot." Als Hospizhelferin muss ich natürlich zuerst die Angehörigen informieren, sofern sie nicht ohnehin anwesend sind.

Davon abgesehen ist es das Wichtigste, unverzüglich einen Arzt anzurufen, am besten den Hausarzt. Wenn der nicht erreichbar ist, kann auch der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst (116117) angerufen werden. Gebraucht wird ein Arzt in jedem Fall, denn der muss die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornehmen und den Totenschein ausstellen. Bei dem im Gesetzestext verwendeten Wort "Leichenschau" weist Enrico Schüppel uns auf die drei "L" hin, die ein Bestatter vermeidet: Leiche, Loch und Leute. "Wir sagen stattdessen Verstorbener, Grab und Angehörige oder Trauergäste". Pietät hat eben auch viel mit der verwendeten Sprache zu tun.

Doch zurück zu dem Verstorbenen: Wenn nicht sicher festgestellt werden kann, ob der Patient wirklich tot ist, kann man auch die 112 anrufen. Bis der Arzt da war, sollte der Verstorbene nicht unnötig angefasst oder bewegt werden, denn das könnte die Feststellung der Todesursache erschweren.

Macht der Arzt sein Kreuz bei "ungeklärter Tod" wird es für die Hinterbliebenen nervenaufreibend, denn dann wird die Polizei hinzugezogen. Bestätigt der Arzt einen natürlichen Tod, können die Hinterbliebenen entscheiden, wie sie weiter verfahren. In Sachsen darf der Verstorbene maximal 24 Stunden lang zu Hause bleiben. Die Frist ist je nach Bundesland verschieden, denn das Bestattungsrecht ist Ländersache. In den meisten Bundesländern sind 36 Stunden erlaubt. Bis zum Ablauf der Frist sollte der Bestatter informiert sein, der den Verstorbenen abholt. Doch diese 24 Stunden müssen keineswegs nur mit dem Warten auf den Leichenwagen verbracht werden. Wer das möchte, darf dem Verstorbenen letzte Dienste erweisen: Der Tote darf gewaschen und neu angekleidet werden. Es ist auch statthaft, den Toten zu Hause aufzubahren und Verwandte und Freunde zu benachrichtigen, sodass diese sich verabschieden können. Wichtig ist es auch, umgehend wichtige Unterlagen und Dokumente des Verstorbenen zusammenzutragen, dazu gehören unter anderem Geburts- und Heiratsurkunde. Der Sterbefall muss beim Standesamt gemeldet werden, welches dann eine Sterbeurkunde ausstellt.

Der Erbschein muss beim Nachlassgericht beantragt werden. Und nicht zuletzt muss die Beerdigung organisiert werden. Feuerbestattung oder Erdbestattung? Christliche oder weltliche Trauerfeier? Welcher Sarg, welche Musik, welche Blumen? Ein Bestatter kann da eine große Hilfe sein. Doch eine noch größere Hilfe kann der Verstorbene selbst sein, wenn er rechtzeitig vorsorgt. "Am einfachsten ist es mit einer Bestattungsvorsorge", erläutert Enrico Schüppel. Dabei vereinbart man seine Bestattung bereits zu Lebzeiten vertraglich. So ist gesichert, dass das Begräbnis wirklich so abläuft, wie der Verstorbene das wünscht.

Weiterer Vorteil: Ist das Geld für die Bestattung einmal auf ein Treuhandkonto eingezahlt, darf es nicht mehr aufs Schonvermögen angerechnet werden. Interessant ist das etwa bei Zuzahlungen fürs Pflegeheim. Wichtig finde ich aber noch ein anderes Detail: Selbst wenn der Bestatter des Vertrauens Pleite geht oder selbst stirbt, ist das Geld auf dem Treuhandkonto sicher.


Die Autorin

Cristina Zehrfeld (Foto) hat Betriebswirtschaft studiert. Sie hat mehrere Bücher publiziert und lebt als freiberufliche Journalistin, Fotografin und Autorin in Oelsnitz/Erzgebirge. Für die "Freie Presse" ist sie vor allem im Altlandkreis Stollberg unterwegs. Ihre Themenschwerpunkte liegen dabei hauptsächlich in den Bereichen Kunst und Kultur.

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