Von der Nachbarschaft zur Gemeinschaft

Am heutigen Freitag wird zum zweiten Mal bundesweit der Tag der Nachbarn gefeiert. Das Ziel ist mehr Gemeinschaft und weniger Anonymität in den Nachbarschaften. An der Bergstraße in Hohndorf wird das schon seit Jahren bewusst gelebt.

Hohndorf.

Nicht mit allen Nachbarn ist immer gut Kirschen essen. Und bei manchen ist man am Ende gar froh, wenn die Freundschaft nicht zu eng war. So erzählen die Frauen der Gemeinschaft Bergstraße mit leichtem Schaudern von jenem Tag im Dezember 1998: Sie hätten noch gedacht, "die Familie hat ja viel Besuch dieses Jahr". Doch die Besucher waren Polizeibeamte in Zivil, und den Grund ihres Auftauchens konnten alle wenig später in der Presse nachlesen: Nachbar Klaus-Peter S. hatte als Bahn-Erpresser bundesweit für Angst und Schrecken gesorgt. Erleichtert ergänzen die Frauen, dass sie zum Glück nicht viel mit der Familie zu tun hatten.

Das hätte anders sein können, denn schon ab 1995 waren die Nachbarn in der neu erschlossenen Siedlung direkt neben dem Landhotel Walderholung näher zusammengerückt. Kerstin Buchardt und Ulrike Zipfel erinnern sich an die Anfänge: Los sei es mit einem gemeinsamen Würstelessen am Vorabend des Heiligabends gegangen. Ein Nachbar hatte 1995 dazu in seinen Garten eingeladen. Seither ist der Termin eine feste Angelegenheit. Jedes Jahr wird in einem anderen Garten der Grill angeworfen. Egal, wie das Wetter ist: "Wir hatten schon frühlingshafte Temperaturen, aber auch schon zwei Meter Schnee." Wenn ein neu gebautes Haus bezogen wurde, gab es schon mal einen Antrittsbesuch und den Hinweis auf die gemeinsamen Aktivitäten. Nicht alle machen überall mit, doch alles ist für alle offen. Und im Laufe der Jahre ist man zusammengewachsen. Zunächst wurde auf den noch brach liegenden Flächen des Erschließungsgebietes Hexenfeuer entzündet. Später gab es gemeinsame Straßenfeste und auch mal eine Pellkartoffelfete. Wichtig sind die vielen Alltäglichkeiten: Da werden Kinderklamotten an Nachbarn weitergegeben, es gibt eine Nachbarschaftsskatrunde, die Männer reden über spezielle Fragen bei Bausachen, die Frauen tauschen Kochrezepte oder Pflanzen. Ulrike Zipfel führt eine kleine Chronik. Hans-Hermann Mühlberg spielt bei gemeinsamen Festen auf dem Schifferklavier, oder er schmeißt sein altes Grammophon an. Sophie Rackwitz kümmert sich um die Katzen, wenn ein Nachbar in den Urlaub fährt. "Es sind die vielen Kleinigkeit, die so eine Nachbarschaft ausmachen. Mich hat diese Gemeinschaft vor 20 Jahren nach dem Tod meines Mannes regelrecht gerettet", so Kerstin Buchardt.


Vor vier Jahren gab es den ersten gemeinsamen Ausflug. Damals ging es mit dem Bus nach Chemnitz, weiter mit dem Ferkeltaxi nach Olbernhau und schließlich nach Seiffen ins Nussknackermuseum. Weil sich unter anderem Uwe Gromma um die Organisation kümmert, haben auch diese Ausflüge inzwischen Tradition. Die Gemeinschaft Bergstraße ist schon auf Kahnfahrt im Spreewald und auf Floßfahrt in Kriebstein gewesen. Am Wochenende geht es wieder auf Tour. Ziel ist erneut das Suppenmuseum in Neudorf. "Durch die gemeinsamen Aktivitäten ist das in unserer Siedlung eine ganz andere Atmosphäre", meint Andreas Seidel. Nun wird der Zusammenhalt auch nach außen gezeigt: An der Bergstraße verweisen zwei Emailleschilder auf die Gemeinschaft Bergstraße. www.tagdernachbarn.de


Ein kleines Fest für mehr Miteinander

Der Tag der Nachbarn ist ein bundesweiter Aktionstag, an dem kleine und große Nachbarschaftsfeste gefeiert werden. Ziel ist mehr Gemeinschaft und weniger Anonymität in den Nachbarschaften sowie der Austausch über Alters-, Herkunfts- und Einkommensgrenzen hinweg.

Initiiert wurde der Aktionstag zum zweiten Mal von der Nebenan.de-Stiftung. Gefördert wird er unter anderem vom Bundesfamilienministerium.

Im vergangenen Jahrhaben deutschlandweit mehr als 1000 Nachbarschaftsfeste stattgefunden.

Die europäischen Wurzeln liegen in Frankreich, wo das Fest bereits seit 2000 landesweit veranstaltet wird. 2004 ist daraus der "Europäische Tag der Nachbarschaft" entstanden.

Gefeiert wird am heutigen Freitag unter anderem mit einem Grillfest im Stadtgarten Stollberg (Aldi-Dach), einem Grillfest an der Unteren Hauptstraße in Oelsnitz und einem Aroma-Fest an der Untere Bahnhofstraße in Thalheim. (czd/kan)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...