Von der schiefen Bahn zur Vereinsstütze

Seit zwei Jahren ist Andreas Lange Mitglied der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers. Sein ehrenamtliches Engagement bezeichnet Vereinschef Heino Neuber als echte Besonderheit.

Oelsnitz.

Das Bergbaumuseum ist für Andreas Lange zur Heimat geworden. Er engagiert sich in der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers. Er arbeitet als Museumsführer, scheut sich auch nicht vor der Dreckarbeit. So hat er beim Ausräumen des Museums als Vorbereitung für den Umbau geholfen. Fest angestellt ist er nicht im Museum, und doch hat es sein zeitweise völlig verkorkstes Leben wieder in die richtige Bahn gebracht.

Aufgewachsen ist der 43-jährige Andreas Lange in Lugau. Nach dem Abitur absolvierte er eine Klempnerlehre, begann danach ein Informatikstudium in Leipzig. Doch das Studium war nicht sein Ding. "Das war für mich zu heftig." Zunächst versuchte er es mit einem Wechsel zur Wirtschaftsinformatik. Doch nach insgesamt sechs Semestern war Schluss. Lange ging nach Bayern, versuchte sich an verschiedenen Orten in verschiedenen Jobs.


Doch er hatte den Halt verloren. Er trank zu viel und war völlig abgerutscht. Die Rückkehr in die alte Heimat, konkret nach Neuoelsnitz, brachte dann die Wende: Dem Alkohol entsagt Andreas Lange seit zwei Jahren komplett. Und nachdem Sören Wittig ihn damals zur Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers mitgenommen hatte, engagiert er sich im Verein.

Andreas Lange brachte sich bei der Dokumentation des Bergbaulehrpfades ein. Bis zur Schließung des Museums war er als Museumsführer aktiv. Er freut sich: "Inzwischen habe ich über 2000 Leute durchs Museum geführt." Beim Bergstreittag in Schneeberg trat Andreas Lange im Juli 2018 erstmals als Habitträger auf. Inzwischen agiert er bei Paraden regelmäßig als Schmied, und er ist stellvertretender Fahnenträger. Zudem hilft er dem Verein als Programmierer der Webseiten. Die Seite "Macht Kohle" will Lange bis Mitte August komplett überarbeiten. Daneben arbeitet er an einer Seite für die Sächsische Kohlenstraße, einem Projekt, welches künftig die verschiedenen Reviere miteinander verbinden soll.

"Wenn es solche Leute nicht gibt, dann ist ein Verein aufgeschmissen", bekennt Heino Neuber. Der Vorsitzende der Knappschaft hat in seinem Verein etliche fleißige Helfer. Dennoch sagt er klar: "Das Engagement von Andreas Lange ist eine echte Besonderheit."

Auch im Bergbaumuseum hat Andreas Lange immer wieder bewiesen, dass er ranklotzen kann. Erstmals hatte er beim Aufbau der Playmobilausstellung in der Haustechnik geholfen. Beim Ausräumen des Museums holte man ihn deshalb wieder. Damit so etwas geht, hat Lange ein Dienstleistungsgewerbe angemeldet. Im Stillen hofft er darauf, irgendwann fester Mitarbeiter des Museums zu werden.

Seinen nicht ganz geradlinigen Lebensweg versucht er dabei gar nicht erst unter der Decke zu halten. Im Gegenteil. Andreas Lange will andere aktiv davor bewahren, auf ähnliche Abwege zu beraten.

Deshalb ist er auch auf einer anderen "Baustelle" ehrenamtlich tätig: "Seit 2018 helfe ich der Stollberger Drogen- und Suchtberatungsstelle Sprungbrett bei der Prävention. Dafür bin ich an Schulen unterwegs, denn es ist eine ganz andere Sache, wenn die Jugendlichen das aus der Sicht eines Betroffenen hören."

Auf der Knappschaftswebsite veröffentlicht Andreas Lange derzeit in unregelmäßigen Abständen Berichte des Bergkamerad Joe Jacob, der Anfang Juni zu einer dreimonatigen Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg von Zwickau nach Santiago de Compostela aufgebrochen ist. www.macht-kohle.de

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