Von Gartentipps bis Schneckenrennen

Beim zweiten Tag des Gartens im Oelsnitzer Bürger- und Familienpark sind die Veranstalter in diesem Jahr voll durchgestartet. Mit etwa 600 Besuchern war der gestrige Sonntag ein voller Erfolg.

Oelsnitz.

Blauer Wein und seltene Tomatensorten, saftige Pflaumen und rote Kartoffeln, frische Petersilie und robuster Salbei: Angesichts der satten Farben am Stand des Kleingartenvereins Friedenschacht konnte man gestern fast meinen, es hätte heuer ein traumhaftes Wachswetter in den hiesigen Kleingärten gegeben. "Das ist wirklich alles aus unseren Gärten", versichert Vereinschef André Müller, der beim Tag des Gartens im Oelsnitzer Familienpark mit einer Handvoll von Vereinsmitgliedern für einen echten Hingucker gesorgt hat. Obwohl der Verband der Kleingärtner alle Vereine zum Mitmachen eingeladen hatte, war es der einzige teilnehmende Verein. Das findet Müller zwar schade, aber er bekennt auch: "Ich finde es gut, dass wir uns hier als Verein präsentieren können. Wir machen das auch, um die Stadt zu unterstützen, denn die unterstützt uns ja auch."

Organisatorin Heike Böhm, Gebietsmanagerin für Oelsnitz-Mitte, hat beim zweiten Tag des Gartens mit einer ganzen Reihe von Partnern viel auf die Beine gestellt. Besonderer Hingucker war während des gesamten Tages die mobile Saftpresse der aus Oberschöna angereisten Mosterei von Danilo Braun. 1,5 Tonnen Äpfel vom Gersdorfer Biohof Kretzschmar sind beim Schaupressen verarbeitet worden. Einfüllen, häckseln, die entstandene Maische pressen, zweimal sieben, auf 78 Grad Celsius erhitzen und abfüllen. Während dieser Arbeitsgänge war die Saftpresse dicht umlagert. Doch die Gäste durften den besonders leckeren Rohsaft auch gleich vor Ort verkosten. All den Saft hätten die nach Veranstalterangaben rund 600 Besucher dieses Tages aber auch beim besten Willen nicht geschafft, wie Danilo Braun erklärt: "Aus 100 Kilo Äpfeln bekommen wir zwischen 55 und 65 Liter Saft."

Während Vater Reinhard Kretzschmar sich ums Befüllen der Presse kümmerte, hatte Tochter Sarah ein paar Meter weiter das Hauptprodukt des Biohofs im Angebot: Frische Bio-Eier. Doch der Renner war bei der kühlen Witterung etwas anderes. "Der Glühwein geht heute richtig gut", verrät Sarah Kretzschmar, die selbst der Witterung etwas Gutes abgewinnen kann: "Dadurch sind zwar weniger Leute da, aber man kommt umso besser ins Gespräch. Da werden auch sehr spezielle Fragen gestellt."

Großes Staunen gab es immer wieder am Stand der Pilzberater: Immerhin 30 Pilzarten konnten präsentiert werden, obwohl Jana Colditz unumwunden zugibt: "Derzeit lohnt es sich noch nicht wirklich, in die Pilze zu gehen. Für die Ausstellungen müssen wir das machen und privat hat es auch schon mal für eine kleine Pfanne gereicht, aber große Freude macht es noch nicht." Fünf Leute waren im Umkreis von Stollberg und Zwönitz auf Pilzsuche gegangen, um die Schau zu bestücken. Umso erfreuter waren die Pilzberater über unerwartete Hilfe: "Heute kam noch jemand mit einem halben Eimer Wiesen-Champignons, die er auf einer Kuhweide gefunden hatte."

Ein dichter Pulk an Interessierten bildete sich, als Gartenberaterin Helma Bartholomay das richtige Schneiden von Obstbäumen erklärte. Doch nicht nur die großen Profis sind auf ihre Kosten gekommen. So waren Kinder sogar aufgefordert, des Gärtners Feind mitzubringen: Aufgerufen war zum Schneckenrennen. Immerhin war dort nicht die berüchtigte Spanische Wegschnecke am Start, sondern die weit harmlosere Häuschenschnecke. Auch Lieselotte Popp und Bruno Bösl (beide fünf Jahre) haben ihre schleimigen Freunde ins Rennen geschickt und durften dafür ein goldenes Schneckenhaus und eine Urkunde mit nach Hause nehmen.

Nachdem der Tag des Gartens im vorigen Jahr noch kaum mehr war als eine Saatgutbörse, haben die Veranstalter in diesem Jahr ein vielfältiges und ausgewogenes Konzept gefunden. Auf diesem Erfolg soll aufgebaut werden. "Auch im nächsten Jahr wird es einen Tag des Gartens geben", verspricht Heike Böhm. Die Beteiligten können sich allemal vorstellen, dass das Format Zukunft hat. Jana Colditz: "Wenn das hier regelmäßig stattfindet, kann das etwas richtig Tolles werden. Auch für uns Pilzberater."

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