Von Seiffen in die Drei-Tannen-Stadt

Sie ist 32 Jahre alt - und sie liebt Zahlen. Ab dem 1. Oktober fängt Theresa Kempuß als Kämmerin in Thalheim an. Viel Arbeit wartet. Doch wieso verlässt sie Seiffen beruflich, aber nicht privat?

Thalheim.

Sie liebt Zahlen. Am besten geordnet, logisch in eine Beziehung zueinander gebracht. In eine Struktur. "Ich weiß auch nicht warum, denn es gibt keinen Buchhalter in der Familie. Aber ich kann nachts aufwachen - und buchen. Ohne Probleme", sagt Theresa Kempuß.

Die 32-Jährige aus Seiffen wird die neue Kämmerin in Thalheim. Ihr Büro: Ein zwölf Meter großer Raum an einer Eckfront des Rathauses. Der 1. Oktober ist ihr erster Arbeitstag. Die Zahlen warten, wollen auch künftig in eine Struktur gebracht werden. Haushaltsplan 2020, Jahresabschluss 2018 und 2019, Start der beleglosen Buchführung wahrscheinlich im Frühjahr 2020.


Ramona Pestel, die die finanziellen Geschicke der Stadt jahrelang geleitet hat, hatte das Rathaus zum Jahresende 2018 verlassen, um sich beruflich zu verändern. Sie habe Thalheim durch schwierige finanzielle Zeiten manövriert, so Bürgermeister Nico Dittmann damals. Umgehend hatte er nach Ersatz gesucht, doch die öffentliche Ausschreibung blieb zunächst erfolglos. Dann hatte sich Kempuß beworben. Der Rat nickte die Personalie ab - gegen zwei weitere Bewerberinnen.

"Einer Freundin ist die Stellenausschreibung aufgefallen, hat mir davon erzählt. Und ich sah: Alles passte", so Kempuß. Sie wollte sich beruflich verändern. Und Thalheim hatte die richtige Größe. In anderen, kleineren Kommunen sollte sie neben den Zahlen auch noch dauerhaft andere Aufgaben übernehmen - etwa Tätigkeiten in anderen Ämtern. "Ich bin aber eine Zahlenfrau. Thalheim macht es möglich, mich nur darauf zu konzentrieren." Und in Seiffen sah sie zudem keine Chancen des Aufstiegs. Eine Stelle einer Amtsleiterin war dort nicht vorgesehen. Anders in der Drei-Tannen-Stadt.

Das einst vom Erzgebirgsbad gebeutelte Thalheim hat über die Jahre aufgeholt - die derzeitige Pro-Kopf-Verschuldung von 790 Euro kann sich sehen lassen, liegt grob im Landesdurchschnitt aller Kommunen. Im Jahr 2008 lag dieser Wert noch bei etwa 1300 Euro, vor zwei Jahren bei 860 Euro. Das aufgenommene Kreditvolumen steht bei etwa 4,8 Millionen Euro. Fast 5,9 Millionen Euro will die Stadt Thalheim dieses Jahr investieren. Das war früher anders, als das Erzgebirgsbad mit seinen hohen Kosten die Kommune oft und sehr nahe der Handlungsunfähigkeit brachte.

Kempuß kennt mit Seiffen auch einen Ort, der an seinem Bad finanziell zu knabbern hat. "Ich bin da noch drin geschwommen. Wehmut ist also da. Aber das sage ich als Privatperson", so die Seiffenerin. Die will dort wohnen bleiben, lebt bei ihren Eltern im großen Haus. Eine Stunde jeden Tag nach Thalheim, eine Stunde zurück? "Ich fahre gern Auto. Und ich darf auch ab und zu Homeoffice machen, sagte mir der Bürgermeister."

Es ist ihre erste Stelle als Kämmerin - offiziell. Inoffiziell war sie es zeitweise schon in Seiffen. Vor ein paar Jahren hörte dort die Haushaltschefin auf, der Nachfolger aber wurde schwer krank, verstarb später. Sie musste einspringen. Ins kalte Wasser. Das klappte gut. Die Voraussetzungen, etwa Verwaltungsfachwirtin, hatte sie schließlich in der Tasche.

Sie hat aber noch eine andere abgeschlossene Profession: Standesbeamtin. Im hessischen Bad Salzschlirf - dort steht die einzige Akademie für Staatsangehörigkeitsrecht und Meldewesen Deutschlands - hat sie den Grundlehrgang mit Prüfung bestanden. Seiffen brauchte unbedingt eine zweite Standesbeamtin.

Doch dann kam Thalheim dazwischen. Nun kann sie notfalls in der Drei-Tannen-Stadt einspringen, wenn es die beiden anderen Thalheimer Standesbeamtinnen mal ausfallen sollten. Sie müsste dafür von der Stadtverwaltung aber erst ernannt werden.

Will sie? Sie will. Etwas tun, was nichts mit Zahlen zu tun hat, sei ab und zu akzeptabel.

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