Wahl: Viel Bewegung in vielen Kommunen

Manche Gemeinderäte werden künftig andere Gesichter mit anderen politischen Ausrichtungen haben. In anderen Orten ändert sich nicht sonderlich viel. Doch was sagen die Kommunalpolitiker selbst?

Stollberg.

Roland Lippmann hat diese eine Frage: "Ich weiß es nicht: Was wollen diese Leute? Warum wählen viele rechts? Unserem Ort geht es doch sehr gut." Der Ex-Bürgermeister von Niederdorf, dem kleinen, aber reichen Dorf, kommt zwar mit der CDU nun als Abgeordneter in den Gemeinderat, doch seine Partei hat ordentlich Federn lassen müssen. War die CDU einst fast Alleinherrscher im Dorfparlament, geben sie nun nicht nur zwei Sitze an die Liste Zukunft Niederdorf, sondern vor allem auch drei Sitze an die Liste der Niederdorfer Bürger - einer rechts zu verortenden Gruppierung mit Thomas Witte an der Spitze, der wiederum explizit im Verfassungsschutzbericht genannt worden ist.

Genau diese meint er mit "diese Leute". Aber Demokratie sei Demokratie. "Wir werden halt nun mehr Diskussionen haben im Rat. Das ist auch in Ordnung so, wenn es denn konstruktiv ist", so Lippmann.


Niederdorf spiegelt im Kleinen, was im Erzgebirge die Politik bestimmt: Mehr Wähler wählen rechts - allen voran die AfD. Allen voran Europa. Im Altkreis bestätigt sich dieser Trend, zumindest dort, wo Kandidaten angetreten sind. Beispiel: Thalheim. Hier holt die Partei fast 15 Prozent. Im Vergleich zu den großen Spielern im Rat aber noch verhältnismäßig wenig. "Wir sind schon erstaunt über unser Ergebnis", sagt Maik Nobis von den Freien Wählern. "Wir liegen grob etwa 1000 Stimmen vor der CDU - und noch mehr vor der AfD. Natürlich ist eine Kommunalwahl immer eine Nasenwahl", so Nobis weiter. "Aber unser Ergebnis ist eben auch eine Anerkennung für unsere Arbeit im Rat", so der Abgeordnete.

Auch in Stollberg holte die AfD Sitze: Mit 16,5 Prozent ist sie drittstärkste Kraft, die Freien Wähler landen wieder weit vor der zweitplatzierten CDU. "Im Grunde genommen hat es nicht viel verändert. Für uns ist es schade, dass wir nicht mehr geholt haben. Das Ziel, die Mehrheit der Freien Wähler zu schmälern oder gar zu brechen, haben wir leider nicht geschafft", so Stollbergs CDU-Fraktionschef Raphael Jenatschke. Die wahrscheinliche Sitzverteilung: FWU 11 Sitze, CDU 5, Linke 3, AfD 3.

In Auerbach kann man gespannt sein, wie sich der Gemeinderat künftig vertragen wird. Bürgermeister Horst Kretzschmann bietet eine gute Zusammenarbeit an. Das gibt Hoffnung, Diskussionen und gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Räten und dem Bürgermeister oder auch untereinander hatten in der 2600-Einwohner-Gemeinde in den vergangenen Jahren immer wieder für ein angespanntes Klima gesorgt. "Wir haben aus dem Stand fast ein Drittel der Stimmen geholt", sagt Kretzschmann stolz - er meint damit die Initiative für Auerbach (IfA), ein neues Wahlbündnis. Doch numerisch hat vor allem die Bürgervereinigung Auerbach (BVA) das Sagen im Ort - sie holte 57 Prozent.

Interessant: Während in manchen Gemeinden es richtige politische Erdrutsche gab, war es in anderen wiederum auffallend unspektakulär. Zwei Beispiele: In Niederwürschnitz rutschte die SPD nicht nur in den Keller, sondern noch eine Etage tiefer: Einst fast 50 Prozent auf der Habenseite, holten die Sozialdemokraten nur noch drei Prozent. Die Freien Wähler konnten aus dem Stand dagegen fast 35, die AfD-Kandidaten immerhin 14 Prozent holen. Ganz anders dagegen in Gornsdorf: Hier ist alles so geblieben- zwischen CDU, Freien Wählern und Linken gab es nur Gewinne und Verluste innerhalb eines Prozentpunktes.

Im Großen und Ganzen aber haben mehr Bürger in vielen Gemeinden die Wahllokale aufgesucht. Zwei Beispiele: In Neukirchen etwa sind fast 16 Prozent dazu gekommen, ähnlich in Gornsdorf. In Niederdorf interessierten sich auch mehr Bürger für den Gemeinderat. 74 Prozent waren es gestern. 2014: 58,3 Prozent.


Kommentar: Für dieGemeinden

Die Kommunalwahlen sind vorbei - aber noch lag gestern zu Redaktionsschluss nur ein Teil der ersten, vorläufigen Ergebnisse aus den Altkreis-Kommunen vor. Die Wahlhelfer mussten ganze Arbeit leisten - drei Wahlen standen an. Was sich aber schon jetzt abzeichnet, ist, dass in etlichen Gemeinden neue Leute mitreden werden. Für alle Beteiligten gilt: Konstruktiv diskutieren, auch wenn zum Teil wohl Weltanschauungen aufeinanderprallen. Letztlich wird doch immer gesagt: In der Gemeindepolitik geht es vor allem um die Gemeinde. Nie war es dringlicher wie jetzt, dies zu beweisen.


Europa: AfD im Kreis vorn

Die AfD hat ihr Europawahlergebnis im Erzgebirgskreis von vor fünf Jahren nicht nur fast verdreifachen können, sondern damit auch die CDU überflügelt. Während sie 28,1 Prozent (+16,7) der Stimmen erreichte, kamen die Christdemokraten lediglich auf 27,4 Prozent (-11,6). "Für uns ist das ein sicheres Zeichen, dass es zu den Landtagswahlen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU geben wird", so Pressesprecher Thomas Dietz, Vize-Kreischef der AfD. Die Partei Die Linke kam bei den Europawahlen im Erzgebirgskreis auf 10,6 Prozent (-6,6), die SPD auf 7,7 Prozent (-5,3), die Grünen auf 5,3 Prozent (+2,4) und die FDP auf 4,5 Prozent (+1,9) der Stimmen. (alu )

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