Waldbühne: Zur Kino-Halbzeit 600 Gäste - bei elf Vorstellungen

Veranstalter Sven Kruppa zieht in Neuwürschnitz derzeit eine gute Bilanz. Das war nicht immer so - auch wegen der Technik.

Sven Kruppa, der Inhaber des Clubkinos Gelenau, zeigt schon, was bald auf dem Programm steht.

Von Cristina Zehrfeld

Milde Abende mit Riesen-Leinwand in besonderem Flair können Kinofans seit Juni auf der Waldbühne des Waldbades Neuwürschnitz erleben. Vergangenes Wochenende ist die idyllische Senke sogar zu einem echten Hexenkessel geworden, denn an drei Abenden lief der Fantasyfilm "Die kleine Hexe". Mit ganz besonderen Live-Effekten, wie der Elfjährige Kai Kästner aus dem thüringischen Oßmannstedt berichtet: "Wer ganz hinten sitzt, sieht kurz nach Beginn der Vorstellung Fledermäuse. Man erkennt sie sehr leicht an ihrer Flügelform." Echte Fledermäuse wohlgemerkt, die von hoch droben in den Baumwipfeln ihre Ausflüge unternehmen - und zum Film gut passen.

Stammgäste wissen die Atmosphäre zu schätzen und kommen regelmäßig zu den Vorführungen. Doch für Kinobetreiber Sven Kruppa ist das Open-Air-Spektakel immer wieder ein Überraschungspaket. Seit 1998 bespielt er die Waldbühne. Anfangs wurde noch mit zwei Filmprojektoren gearbeitet. Später gab es nur noch eine große Filmrolle. Ab 2006 wurden die Kinos nach und nach auf digitale Technik umgestellt.

Doch Kruppa konnte diese Entwicklung nicht sofort mitgehen. Mangels der erforderlichen digitalen Technik war das Open-Air-Kino ab 2012 deshalb erst einmal vorbei. Doch der 46-jährige Kruppa ist Kinobetreiber aus Leidenschaft. Bereits als 21-Jähriger hat er mit seinem Clubkino Gelenau begonnen. Er bekennt, dass es kein Metier zum Reichwerden ist, freut sich aber: "Wir hatten von Jahr zu Jahr mehr Besucher." Inzwischen zeigt er insgesamt 900 Vorstellungen pro Jahr.

Open-Air-Aufführungen sind dabei nur eine Nische, doch verzichten will Kruppa darauf nicht. Nachdem er 2016 in neue Technik investiert hat, gab es einen Neuanfang auf der Waldbühne. Obwohl erst spät im Jahr gestartet wurde, war es ein Erfolg. Doch das ist kein Garant: "Letztes Jahr war es weniger gut, was vor allem am unbeständigen Wetter lag." Dieses Jahr läuft es besser. Rund 600 Filmliebhaber haben die ersten elf Vorstellungen besucht: Dokus, Actionstreifen, Science-Fiction und ein Krimi sind gelaufen.

Mit dem Fantasiefilm "Die kleine Hexe" hat Kruppa extra etwas gewartet: Los gehen kann es nämlich erst "bei Eintritt der Dunkelheit". Die ersten Streifen waren also erst ab 22 Uhr zu sehen. Aber inzwischen wird es ja eher finster...

Bis zum September hat Kruppa noch echte Kracher auf Lager. Große Hoffnung setzt er zum Beispiel in den Musicalfilm "Mamma Mia! Here We Go Again", der zwischen 17. August und 1. September gleich sechs Mal auf dem Programm steht. Großartige Filme sind die halbe Miete. Die andere Hälfte sind das Wetter und die Kulisse. Eine 16 mal 6 Meter große Leinwand findet man laut Kruppa in festen Kinos nur selten. Dazu kommt die Atmosphäre. Kruppa: "Mich fasziniert die Kulisse. Das sehr große Bild, die Dunkelheit ohne störende Lichtquellen und das Gemeinschaftserlebnis - das ist für mich ein bisschen wie Theater."

Wie lange die Kinosaison dieses Jahr geht, ist unklar. Wenn das Wetter passt, will Sven Kruppa zum Abschluss im September die Fantasykomödie "Hotel Transsilvanien 3" auf die Waldbühne bringen. Momentan darf er noch nicht. Der Film ist zwar am 16. Juli in die deutschen Kinos gekommen, allerdings, so erklärt Kruppa: "Zum Schutz der festen Kinos dürfen Filme erst sechs Wochen nach ihrem Filmstart im Freilichtkino gezeigt werden."

Service: Die nächsten Vorstellungen laufen am 10./11. August ab 21 Uhr auf der Waldbühne. Zu sehen ist dann der Abenteuer-/Fantasyfilm "Peter Hase 2". Eintritt: 6 Euro.

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