Wandbilder verlangen Restauratoren alles ab

Werke aus der ehemaligen Thalheimer Strumpffabrik drohten verloren zu gehen

Für Sie berichtet: Christoph Pengel

Ein Bild von der Wand abnehmen, das klingt so simpel. Knifflig wird es jedoch, wenn dabei der Putz dranbleiben soll. Mit solchen Problemen hat Arnulf Dähne, ein Diplom-Restaurator aus Altenburg in Thüringen, viel Erfahrung. Deshalb hatte ihn die Stadt Thalheim vor zwei Jahren damit beauftragt, drei Wandbilder aus der ehemaligen Neukirchner Strumpffabrik zu restaurieren. "Eine Abnahme ist immer ein brutaler Eingriff", sagt Dähne heute, kurz vor dem Abschluss der Sanierung. Aber die Thalheimer Exemplare hätten ihn und sein Team vor eine ungewöhnliche Aufgabe gestellt. "Für uns war das ein Lehrstück", erzählt Dähne.

Als die alte Fabrik 2016 abgerissen werden sollte, tauchten die Bilder im einstigen Eingangsbereich des Gebäudes auf. Sie stammen aus dem Jahr 1902 und wurden vermutlich 1950 überstrichen, nachdem die Familie Neukirchner das Gewerbe abgemeldet hatte. Aus Gründen des Denkmalschutzes entschied die Stadt, die Bilder zu retten. In der jüngsten Sitzung sprachen sich die Räte für letzte Aufträge aus. Arnulf Dähne und seine Firma Pons Asini sollen die Bilder bis zum 9. November fertig stellen. Laut Bürgermeister Nico Dittmann hat Thalheim insgesamt 50.000 Euro investiert. Die Verwaltung will die Werke später im Bürgerbüro installieren.

Ohne den Abrissbagger im Rücken, mit mehr Vorbereitung, wäre die Aufgabe leichter zu stemmen gewesen, sagt Dähne. Doch obwohl er unter Zeitdruck stand, macht er den Behörden keine Vorwürfe. "Alle waren sehr flexibel." Und das war auch nötig. Die Restauratoren wandten die Stacco-Methode an: Dabei wird die Farbe zusammen mit dem Putz von der Wand gelöst. Die Restauratoren klebten eine Textilschicht auf die Bilder, mit extrem harten Kleber. Nach dem Trocknen zogen sie die Textilschicht samt Farbe und Putz ab - und fügten den Werken erste Schäden zu. Beim Ablösen der Textilschicht gab es die nächste Überraschung: Ein Stoff in der Grundierung reagierte sensibel auf Wasser. Die Bilder drohten verloren zu gehen. Nur mit viel Geduld wurde auch dieser Schritt gemeistert. Trotz allem ist Dähne mit dem jetzigen Stand zufrieden. (mit czd)

0Kommentare Kommentar schreiben